Zielvereinbarungen zwischen Hochschulen und Land in MV

Zähneknirschend unterzeichnet auch die Hochschule für Musik und Theater (HMT) das Vertragswerk zur Hochschulentwicklung

11. Januar 2011, von

Wie soll sich die Hochschullandschaft in Mecklenburg-Vorpommern entwickeln? Was kann, muss und will sich das Land an Forschung und Lehre leisten?

Darüber haben sich die sechs staatlichen Hochschulen des Landes (die Universitäten in Greifswald und Rostock, die Hochschule für Musik und Theater Rostock, die Hochschulen in Neubrandenburg und Wismar sowie die Fachhochschule Stralsund) in den letzen Jahren Gedanken gemacht und Hochschulentwicklungspläne erstellt. Auf Basis der Eckwerte der Hochschulentwicklung, die im Mai letzten Jahres von der Landesregierung beschlossen wurden, verhandelten die Hochschulen in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium ein Vertragswerk aus.

Nach Zustimmung der Landesregierung unterzeichneten heute nun die sechs Rektoren und Bildungsminister Henry Tesch diese Zielvereinbarungen. Sie sollen die Entwicklung der Hochschulen für den Zeitraum von 2011 bis 2015 bestimmen. Darin festgehalten sind die verbindlichen Leistungen des Landes wie etwa Budget, konkrete Hochschulbaumaßnahmen und Projektmittel. Die Hochschulen ihrerseits verpflichten sich zu Maßnahmen der Qualitätsentwicklung, Profilierung und Schwerpunktsetzung in Forschung und Lehre.

Bildungsminister Henry Tesch (Archiv)
Bildungsminister Henry Tesch (Archiv)

„Gemeinsames Ziel ist eine weitere Profilierung aller Hochschulen im Land, um den gestiegenen Anforderungen an exzellente Lehre sowie leistungsfähige Forschung im nationalen und internationalen Wettbewerb gerecht zu werden", ließ Henry Tesch in einer Pressemeldung mitteilen.

Übergreifende Landes-Schwerpunkte sollen im Ausbau der Gesundheitswissenschaften und der Modernisierung der Lehrerbildung liegen.

Hauptgebäude der Universität Rostock
Hauptgebäude der Universität Rostock

Im Vorfeld hatten Pläne des Bildungsministers, die Studiengänge zur Lehrerbildung an der Universität Greifswald zu schließen, für Unmut gesorgt. Diese wurden aber auf Eis gelegt. Dennoch wird sich die Ausbildung von Lehrern zukünftig auf die Universität Rostock konzentrieren, wo es bereits ein Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung gibt.

Auch aus Sicht der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT) liefen die Verhandlungen über den Abschluss der Zielvereinbarungen ungünstig und drohten gestern sogar zu scheitern.

Grund waren die unterschiedlichen Einschätzungen des Bildungsministeriums und der HMT über den strukturellen Ausbau der noch jungen Bildungseinrichtung. Während das Land diesen Prozess als abgeschlossen betrachtet, gibt es aus Sicht der Hochschule noch weiteren personellen und sächlichen Bedarf.

Hochschulleitung der HMT Prof. Peter Manfred Wolf, Prof. Christfried Göckeritz, Prof. Stephan Imorde und Prof. Dr. Birger Pertersen
Hochschulleitung der HMT Prof. Peter Manfred Wolf, Prof. Christfried Göckeritz, Prof. Stephan Imorde und Prof. Dr. Birger Pertersen
Die Ursache für diese Zuspitzung sieht Rektor Professor Christfried Göckeritz im Landespersonalkonzept von 2004, das 47 Personalstellen für die HMT vorsieht. „Das berücksichtigt nicht die besondere Spezifik einer Musik- und Theaterhochschule, an der es fast ausschließlich nur Einzel- oder Kleingruppenunterricht gibt.“

Auch der Prorektor für Studium und Lehre Professor Peter Manfred Wolf ist mit den Zielvereinbarungen „vollkommen unzufrieden“. „Die Ausbaunotwendigkeit ist ja nicht etwas, was wir uns einfach ausdenken. In der Situation, in der wir uns im Augenblick befinden, mit einem Lehrauftragsanteil von 72 Prozent, sind wir auf Dauer nicht konkurrenzfähig“, kritisiert er und wirft dem Land vor, dass diese „Tatsache“ bei den Verhandlungen nicht anerkannt wurde.

HMT Rostock im Katharinenstift
HMT Rostock im Katharinenstift

Gab es in der ersten Ausbaustufe 2002 noch insgesamt 49 Personalstellen, reichen die verbliebenen 47 Stellen aus Sicht der Hochschule „mittelfristig nicht zur Qualitätssicherung für Studium und Lehre und die weiteren Aufgaben der HMT“ aus.

„Wir arbeiten hier am Rand der Kräfte“, erklärt Professor Dr. Birger Petersen, Sprecher des Instituts für Musik und bestätigt, dass die Kritik am Ministerium von der gesamten Hochschule getragen wird.

Weil bei einer Ablehnung der Zielvereinbarung eine Zielvorgabe des Landes drohte, die mit weiteren Einschränkungen verbunden gewesen wäre, unterzeichnete Professor Christfried Göckeritz dennoch heute das Vertragswerk – mit einem Nachtrag, in dem HMT und Land Ihre unterschiedlichen Positionen unterstreichen und in dem es u.a. heißt:

„Die HMT Rostock sieht den strukturellen Aufbau der Hochschule als noch nicht abgeschlossen an. Das Land verweist darauf, dass mit den Zielvereinbarungen 2006 bis 2010 und im Ergebnis des Landespersonalkonzepts 2004 die grundlegenden fachlichen Strukturen der Hochschule festgelegt wurden.“

„Unser Ziel des behutsamen Ausbaus werden wir nicht aufgeben und uns um weitere Förderung bemühen“, betonte der Rektor.

Bei allen Diskrepanzen gibt es natürlich auch in vielen Punkten Einigkeit. So etwa in dem Punkt, dass im Doppelhaushalt 2012/2013 zusätzliche 50.000 Euro für die Beschaffung von Musikinstrumenten bereitgestellt werden sollen.

Für die aufgabenbezogene Grundfinanzierung der HMT stellt das Land im laufenden Jahr gut 5,6 Millionen Euro bereit. Dieser Betrag soll bis 2015 um jährlich 1,5% auf dann knapp 6 Millionen Euro steigen. Zusätzlich will das Bildungsministerium Mittel in Höhe von 250.000 Euro per anno u.a. für die Projektarbeit bereitstellen. Auch das künstlerische Begleitprogramm für den VentureCup ist in diesem sowie dem nächsten Jahr gesichert und wird mit jeweils 25.000 Euro gefördert.

Schlagwörter: Bildung (45)Henry Tesch (6)HMT (110)Studenten (143)Universität Rostock (341)

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