Absolut(e) Tango in der Straßenbahnwerkstatt

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern präsentieren Carel Kraayenhof und das Absolute Ensemble unter der Leitung von Kristjan Järvi

18. Juli 2011, von
Carel Krayenhof bei Absolut(e) Tango
Carel Krayenhof bei Absolut(e) Tango

Mit einem Lächeln saßen die Fahrgäste in den drei Straßenbahnen, die sich gestern Abend vom Hof der Straßenbahnwerkstatt ins nächtliche Rostock schlängelten. In der Hand (und nicht im Mund) hielten viele Frauen eine langstielige rote Rose.

Sie gehörten zu den über 800 Besuchern, die in der Werkstatt der Rostocker Straßenbahn AG am Schwanenteich das Konzert „Absolut(e) Tango“ erlebt hatten. Die Rosen gab es am Einlass, werden sie doch – mit dem Mund gehalten – oft mit dem leidenschaftlichen Tanz aus Südamerika in Verbindung gebracht.

Der Ort des Konzertes der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, die über 80 Meter lange Betriebshalle im urbanen Rostock, passte gut zum Tango. Denn der Tango ist ein Großstadtphänomen. Seine Wiege liegt in den Bordellen und Kneipen der Armenviertel von Buenos Aires und Montevideo. Hier entwickelte er sich aus einer Mischung der Musik und Tänze der europäischen und auch afrikanischen Einwanderer, die zahlreich in die Hafenstädte strömten.

Angesichts der dort herrschenden widrigen Zustände wurde der Tango zum Lebensgefühl, in dem sich Melancholie und Stolz ausdrücken: musikalisch und tänzerisch in gleitenden Schritten, abrupten Stillstehen und ausgedehnten Promenaden.

Absolut(e) Tango in der Straßenbahnwerkstatt Rostock
Absolut(e) Tango in der Straßenbahnwerkstatt Rostock

So wie die Straßenbahn Fahrgäste bewegt, so bewegte auch „Absolut(e) Tango“ die Festivalbesucher. Allerdings bewegten sie sich nicht auf den Beinen, denn getanzt wurde an diesem Konzertabend nicht.

Vielmehr stand der „Tango Nuevo“ auf dem Programm, eine vom Tanz losgelöste Form des Tangos, die sich später aus einer Verknüpfung von Elementen der Neuen Musik und des Jazz mit den traditionellen Musizierformen des Tangos herausbildete. Vom wichtigsten Wegbereiter des „Tango Nuevo“, Astor Piazzolla, erklangen gleich drei Stücke: „Todo Buenos Aires“, Tres Tango Part III“ und „Vayamos al diablo“.

Carel Kraayenhof bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern
Carel Kraayenhof bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern

Präsentiert wurden sie vom holländischen Bandoneonisten Carel Kraayenhof, der mit dem 1992 verstorbenem Piazzolla bereits auf persönliche Einladung hin zusammengearbeitet hatte. Auch die Gäste der Hochzeit des niederländischen Kronprinzenpaars kamen schon in den Genuss seines musikalischen Könnens. Der Braut konnte er sogar Tränen entlocken.

Die Rostocker waren ebenfalls von dem vielseitigen und leidenschaftlichem Spiel Kraayenhofs angetan. Aber nicht nur sein musikalisches Talent stellte der Künstler unter Beweis. Auch als Komponist trat er auf. Mit dem episch, gespannten Sound von „The Chase“ eröffnete er das Konzert. „Suite Compasión“ war ein weiteres seiner Stücke im Programm.

Mit Musik von Gene Pritsker, Daniel Schnyder, Juan Pablo Dobal, Mike Block, Buddhuza und Charles Coleman entfaltete es eine große Vielfalt des jungen Tangos, der sich mal zackig und energisch, verspielt und heiter, aber auch unheimlich, melancholisch oder verträumt anhörte.

Carel Kraayenhof, Kristjan Jaervi und das Absolute Ensemble
Carel Kraayenhof, Kristjan Jaervi und das Absolute Ensemble

Mehr als nur ein Begleitorchester für den Solisten Kraayenhof war das Absolute Ensemble aus New York. Ihre individuellen musikalischen Fähigkeiten konnten einige Musiker besonders in den Soli zum Scheinen bringen, wofür sie begeisterten Applaus vom Publikum ernteten. Die musikalische Leitung hatte Kristjan Järvi übernommen. Der charismatische Dirigent holte nicht nur das Beste aus dem Orchester heraus. Besonders bei den Zugaben verstand er es, die Zuhörer zum Mitmachen zu animieren.

Viele von ihnen hatten aber auch zuvor schon genau, teilweise mit geschlossenen Augen, zugehört und auf jeden pfiffigen Schlussakkord mit kurzem Lächeln und Beifall reagiert.

Von der unübersehbaren Spielfreude der Musiker auf der Bühne ließen sie sich gern anstecken. „Ein tolles Konzert. Man merkt, dass es ihnen Spaß macht“, sagte ein Besucher im Anschluss. „Wenn der wieder spielt, bin ich auch wieder dabei“, pflichtete seine Begleiterin bei, die sich besonders von Kraayenhof angetan zeigte.

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