T.A.N.G.O. im Theater im Stadthafen

Tanztheater zeigt die Launen und die Leidenschaft des Tangos

21. Oktober 2010, von

Krzystof Gradzki und Natalie Brockmann
Krzystof Gradzki und Natalie Brockmann
Leidenschaft, Aggressivität, Sinnlichkeit und Melancholie beherrschen die Bühne, wenn das Rostocker Tanztheater „T.A.N.G.O.“ aufführt. Bereits in der Sommerfestivalsaison 2009 hatte der Chefchoreograph Bronislav Roznos damit am Rostocker Volkstheater sein Debüt gefeiert. Nun wurde das Stück wieder in den aktuellen Spielplan aufgenommen.

Es geht um die Anfänge des argentinischen Tanzes im 19. Jahrhundert am Rio de la Plata. Um der wirtschaftlichen Not in ihren Heimatländern zu entfliehen und angelockt von einem groß angelegten Einwanderungsprogramm, zogen Millionen Menschen, die meisten unter ihnen Männer, nach Buenos Aires und Montevideo. Die Städte wuchsen rasch an und es herrschte Arbeitslosigkeit und Armut. Durch den Frauenmangel florierten Prostitution und Mädchenhandel. In diesem von Existenznot und sozialen Konflikten geprägten Milieu entwickelte sich der Tango. Die Einflüsse, die auf ihn einwirkten, waren so vielfältig wie die Herkunftsländer der Einwanderer. Schwermut und Sinnlichkeit waren die wesentlichen Gefühle, die mit fast allen Tangos zum Ausdruck gebracht werden sollten.

Krzystof Gradzki und Natalie Brockmann
Krzystof Gradzki und Natalie Brockmann
In T.A.N.G.O. wird diese Geschichte von acht Tänzerinnen und Tänzern eindrucksvoll dargestellt. Jedoch sollte der Zuschauer nicht das Ergebnis eines Tango-Tanzkurses erwarten. Vielmehr breitet sich die Geschichte in einer Reihe von Szenen durch emotionale und poetische Bewegungssprache aus, die durch Videoprojektion im Hintergrund ergänzt werden.

Miteinander, gegeneinander; gemeinsam, zu zweit oder allein präsentieren die Tänzer das Leben der Einwanderer in den Hafenvierteln der Großstädte am Rio de la Plata. Mittellos und daher fast nackt zeigen sie sich zu Beginn, als sie das Land voller Hoffnung auf einen Neuanfang erreichen. Später tragen sie, ihren Rollen entsprechend, lange rote und schwarze Kostüme. Robert Schrag hat sie so gestaltet, dass sie das Spiel der erotischen Annäherungen auf raffinierte Weise erleichtern.

Krzystof Gradzki und Natalie Brockmann
Krzystof Gradzki und Natalie Brockmann
Begleitet wird die tänzerische Darstellung in T.A.N.G.O. natürlich von ganz viel Tangomusik. Aber nicht nur Stücke von klassischen Tangomusikern wie Carlos Gardel, Anibal Troilo oder Astor Piazzolla sind zu hören. Typische Klänge von Bandoneon, Violinen und Klavier werden an einigen Stellen durch moderne, elektronische Rhythmen ergänzt.

Eine spannende und faszinierende Anziehungskraft entwickelt sich in T.A.N.G.O, die sich auch auf das Publikum überträgt. Mit viel Szenenapplaus bringt es seine Begeisterung zum Ausdruck.

Morgen ist T.A.N.G.O. noch einmal im Theater Wismar und am 26. November im Theater im Stadthafen zu sehen.

Fotos: Dorit Gätjen

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