Arbeiten in Ton und Papier

Andrea Schürgut und Anke Meixner stellen in der Galerie am Alten Markt aus

27. November 2010, von
Birgit Engel
Birgit Engel

Stellt man Ton und Papier nebeneinander, so ergibt sich eine ganze Reihe von Kontrasten. Kontraste zwischen schwarz und weiß, leicht und schwer, Feuer, das zum Brennen des Tons benötigt wird und Wasser, das bei der Papierherstellung unverzichtbar ist. Diese Gegensätze sind seit Freitagabend in der Galerie am Alten Markt in der Ausstellung „Arbeiten in Ton und Papier“ zu sehen. Die Werke aus Ton stammen von Andrea Schürgut, die aus Papier von Anke Meixner. Es ist die neunte und letzte Ausstellung in der Galerie in diesem Jahr.

Annette Winter
Annette Winter

Zu Beginn der Vernissage am gestrigen Abend gab es perkussive Musik von Birgit Engel zu hören, was sehr gut zu den teilweise von Afrikareisen inspirierten Werken Andrea Schürguts passte. „Die ersten Töne konnten Sie bereits hören, die nächsten können Sie sehen“, leitete Wolfgang Friedrich, der Vorsitzende des Kunstvereins zu Rostock, scherzhaft vom musikalischen Teil zur Laudatio von Kunsthistorikerin Annette Winter über. Diese gab zunächst einen kurzen historischen Abriss über die verwendeten Materialien Ton und Papier, bevor sie sich mit den Werken der beiden Künstlerinnen befasste.

Andrea Schürgut & Anke Meixner
Andrea Schürgut & Anke Meixner

Anke Meixner, die das von ihr verwendete Papier auch selbst schöpft, arbeitet sowohl zweidimensional als auch räumlich, wie in dem Werk „Hülle verlassen“, eines der Hauptthemen der Ausstellung. Ob die Hülle Schutz oder Hindernis darstellt, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen. Meixner selbst äußert sich wie folgt über das Werk: „In der Hülle klafft ein Riss. Die Hülle ist leer, verlassener Schutzraum, Grenze, Haut, Trennung und Verbindung zwischen innen und außen. Sie umschließt einen kleinen Raum, taucht ihn in warmes Licht, strahlt nach außen.“

Seelenboote
Seelenboote

In dem Werk „Verwandlung“ wurden dagegen Schnipsel von entwerteten Euroscheinen, die ironischerweise käuflich erwerbbar sind, mit eingebracht. Das wertlos gewordene Geld stellt für Meixner ein Sinnbild für das Artensterben dar.

Um „Lebensphilosophien in Ton“ geht es bei Andrea Schürgut. So stellen die ausgestellten Boote etwa Symbole des Übergangs dar, wie die Überfahrt in eine neue Welt. Die schwarze Farbe erhalten die „Seelenboote“ aus Ton durch sogenannten Rauchbrand. In ihren Werken verwendet Schürgut außerdem gerne Tonscherben und Fundstücke von ihren Reisen oder vom hiesigen Ostseestrand.

Ausstellungseröffnung in der Galerie am Alten Markt
Ausstellungseröffnung in der Galerie am Alten Markt

In den Wochen vor der Ausstellung stand die Künstlerin unter besonderer Anspannung. Wollte sie doch noch eine Reihe von Objekten beenden, die extra für diese Ausstellung gefertigt werden sollten. Wenige Tage vor der Ausstellung dann das Unglück: Als sie den Ofen öffnete, fand sie nur noch Fragmente und Tonscherben vor. Nach anfänglicher Enttäuschung entschied sie sich schließlich dazu, zwei dieser Fragmente mit auszustellen. Eine gute Entscheidung, da mehreren Ausstellungsbesuchern ausgerechnet diese Stücke besonders gut gefielen.

Arbeiten in Ton und Papier - Ausstellungsbesucher
Arbeiten in Ton und Papier - Ausstellungsbesucher

Die zahlreich anwesenden Gäste zeigten sich aber auch sonst beeindruckt von der Vielfalt an ausgestellten Werken beider Künstlerinnen. „Das erstaunlich an der Ausstellung ist: Es gibt kaum Dinge, die einem gar nichts sagen. Es ist eindrucksvoll und berührt, eine sehr schöne Ausstellung“, gab beispielsweise Prof. Dr. Winkler von Mohrenfels seinen Eindruck der Ausstellung wieder.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 8. Januar 2011. Genügend Zeit also für alle Interessierten, die die Vernissage verpasst haben sollten.

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