Eine Brücke für Warnemünde - Spatenstich

Baustart für das Kreuzungsbauwerk Warnemünde-Werft

20. März 2010, von

Shantychor Luv un Lee1, 5, 250, 2012 und 23.000.000 lauteten gestern die Zahlen des Tages in Warnemünde. 1 Brücke, 5 starke Männer, 250 Tonnen Tragkraft, 2012 die geplante Fertigstellung und 23 Millionen, klar die Baukosten.

Doch vorab erst mal kurz zu dem musikalischen Höhepunkt der Veranstaltung. Fast gleichzeitig mit mir erreichten die Sänger des Rostocker Shantychors „Luv un Lee“ die S-Bahn-Station „Warnemünde Werft“. Mit ihrem liebevoll restaurierten Robur übrigens, für alle, die sich noch an diese Busse erinnern können.

Gegen 13 Uhr eröffnete ihr Gesang die Veranstaltung. Schwung und gute Laune brachten sie nicht nur den Gästen, auch sie selbst haben allen Grund zur Freude. Können sie doch bereits auf 30 Jahre Chorgeschichte zurückblicken.

„Jungs, Leinen los, wir fahren …“ hieß es da. Durchaus passend, denn fahren möchten wir ja bald alle – über die neue Brücke in Warnemünde.Verkehrsminister Volker Schlotmann

Seit fast neun Jahren ziehen sich die Planungen für die Brücke bereits hin. Zur Inbetriebnahme des Liegeplatzes 8 für Kreuzfahrtschiffe bekräftigte der Verkehrsminister des Landes vor knapp zwei Jahren: „Die Brücke wird kommen.“

Damals übrigens noch Otto Ebnet. Aber so ist das halt, Politiker kommen und gehen. Bauwerke sind da etwas beständiger, benötigen dafür aber leider auch mal etwas mehr Planung.

So war es heute Verkehrsminister Volker Schlotmann, der den Start für das Bauwerk verkünden durfte. Mit rund 6,6 Millionen Euro fördert sein Ministerium die neue Brücke sowie ein Aufenthaltsgebäude für die Busfahrer.

Eine gute Investition, so Schlotmann, da „alle Verkehrsteilnehmer profitieren. Der alte Bahnübergang wird durch eine Brücke ersetzt. Fußgänger und Radfahrer gelangen durch einen Tunnel zur S-Bahn.“

OB Roland MethlingAber worum geht es hier eigentlich genau? Was wird gebaut? Der Bahnübergang in der „Alten Bahnhofstraße“ soll durch eine Brücke ersetzt werden. Der beschrankte Bahnübergang an dieser Stelle darf nur noch bis 2012 betreiben werden, eine Alternative war somit unumgänglich. Eine Brücke als direkte Verbindung zwischen der Stadtautobahn (B103) und der Straße „Am Passagierkai“ soll nun ab 2012 die Gleise queren.

Der S-Bahnhof „Warnemünde Werft“ soll in diesem Zusammenhang zwei Außenbahnsteige mit behindertengerechter Fußgängerunterführung erhalten. Zusätzlich entsteht an dieser Stelle ein neuer Nahverkehrsknotenpunkt. Er soll aus Stadt- und Regionalbushaltestellen, Park & Ride-Plätzen sowie Fahrrad- und Taxistellflächen bestehen.

„Die Mittelmole Warnemünde und die maritimen Gewerbegebiete erhalten damit einen idealen Anschluss an das überregionale Verkehrsnetz.“ unterstrich Oberbürgermeister Roland Methling. „Profitieren werden das Technologiezentrum, die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe und natürlich Warnemünde selbst.“ Freuen dürften sich insbesondere die Anlieger der Rostocker Straße, die von dem Durchgangsverkehr entlastet werden.

Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und VerbraucherschutzDarüber hinaus ist geplant, die Werftallee zu einem Sturmflutdeich umzubauen. Somit kann auch eine Sturmflut über die Warnow keine Gefahr mehr für Warnemünde darstellen.

Dieser Umstand erklärte auch die Anwesenheit von Till Backhaus. An die bis heute noch drohende Gefahr erinnerte der Landwirtschafts- und Umweltminister in seiner Rede.

Er rief das Jahr 1872 ins Gedächtnis seiner Zuhörerschaft. Damals hatte eine schwere Sturmflut die Menschen in Warnemünde dazu gezwungen, in der Kirche Unterschlupf zu suchen. Von dort wurden sie schließlich mit Booten abgeholt und gerettet. Durch den Deichbau würden heute aber nicht nur die Menschen vor Ort, sondern auch deren materielle Werte gesichert, erklärte Backhaus.

Übrigens: für den Umbau der Werftallee zu einem Deich sollen 100.000 Tonnen Sand verbraucht werden. Eine beachtliche Menge, wie ich finde.

Spatenstich fürs Kreuzungsbauwerk Warnemünde: Wilfried Eisenberg, Roland Methling, Volker Schlotmann, Till Backhaus und Ingulf Leuschel (DB)Zurück zum Anfang, zu den fünf starken Männern. Obwohl nur als symbolischer Spatenstich geplant, wurde hier ordentlich zugepackt. Fast mochte man meinen, hier sollen mit Muskelhypothek die Baukosten im Zaum gehalten werden.

Vielleicht wollten die Politiker aber auch einfach nur die eine oder andere Schippe Sand zum Stopfen ihrer Haushaltslöcher mitnehmen.

Roland Methling beim Spatenstich für das Kreuzungsbauwerk in WarnemündeUnd um im nächsten Winter zumindest den eigenen Betriebshof schnee- und eisfrei halten zu können, dürfte auch RSAG-Vorstand Eisenberg etwas Sand durchaus gelegen kommen.

OB Methling schien seinen Spaten jedenfalls gar nicht mehr hergeben zu wollen. Wer weiß, vielleicht lässt sich im Stadtgebiet ja doch noch eine sprudelnde Ölquelle entdecken oder gar ein Goldschatz ausgraben?

Und schon am kommenden Mittwoch bekommt die Bürgerschaft dann ganz überraschend einen mehr als ausgeglichenen Haushaltsentwurf vorgelegt.

Man wird ja noch mal träumen dürfen …

Schlagwörter: RSAG (142)Spatenstich (5)Verkehr (395)Warnemünde (933)

Das könnte dich auch interessieren:

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.