Altersgerechtes Wohnen statt Hotel in Warnemünde?

Der Ortsbeirat Warnemünde wünscht sich altersgerechtes und betreutes Wohnen als Nachnutzung für das Best-Western-Hanse-Hotel in der Parkstraße

12. Januar 2022, von
Altersgerechtes Wohnen als Nachnutzung für das Best Western Hanse Hotel in Warnemünde wünscht sich der Ortsbeirat
Altersgerechtes Wohnen als Nachnutzung für das Best Western Hanse Hotel in Warnemünde wünscht sich der Ortsbeirat

Wie geht es weiter mit dem ehemaligen Best Western Hotel in Warnemünde? Seit rund einem Jahr steht es leer, nach 30 Jahren und einem langen Streit um den Pachtvertrag kann die Hansestadt Rostock ab Februar wieder selbst über das rund 12.000 Quadratmeter große Filetgrundstück in unmittelbarer Strandnähe bestimmen.

Geht es nach dem Ortsbeirat Warnemünde könnten hier statt Urlaubern künftig Senioren einziehen. „Wir möchten kein Hotel, da haben wir genug davon“, erklärte der Ortsbeiratsvorsitzende Wolfgang Nitzsche (Linke). „Wir haben in Warnemünde und auch in Rostock Probleme mit altersgerechtem Wohnen.“ „Die Wartelisten für ältere Menschen, die betreutes Wohnen in Warnemünde in Anspruch nehmen möchten, ist in Warnemünde enorm gewachsen“, heißt es als Begründung im Antrag. Allein bei der Volkssolidarität soll es rund 200 Interessenten geben.

Der Bedarf ist da, doch schreitet damit die Überalterung im Seebad nicht noch weiter voran, fragte der Warnemünder Ulrich Schwittay. Bei dem Riesen-Komplex vermisse er einen nachhaltigen „Ansatz in Richtung Jugend, Kinder, Freizeit“, um wieder eine Waage zwischen Alt und Jung herzustellen. „Es gibt schon Hinweise/Konzeptentwürfe, die sozialpolitische Themen verfolgen“, entgegnete Nitzsche. Welche das genau sind, ist allerdings noch nicht bekannt. „Womöglich gibt es so einen Vorschlag, dann muss abgewogen werden“, so der Ortsbeiratsvorsitzende.

Aktuell geht es nur um die Häuser, die das Best Western Hotel genutzt hat. Die private berufliche Ecolea-Schule sowie das griechische Restaurant Philoxenia bleiben vorerst Mieter in den anderen Gebäudeteilen.

„Wir wollten als erstes eine Duftnote setzen“, begründet Wolfgang Nitzsche die Eile. Deshalb habe er den Antrag nur mit seinen beiden Stellvertretern beraten und bereits am Montag eingereicht, statt bis zur Ortsbeiratssitzung zu warten. Im Seniorenbeirat wurde das Thema bereits häufiger diskutiert. Am Donnerstag beschäftigt sich der Ausschuss für Stadt- und Regionalentwicklung mit dem Thema. Endgültig entscheiden muss die Bürgerschaft, die am 19. Januar und 2. März wieder tagt. Eine Entscheidung, wie es mit der Liegenschaft weitergeht, soll noch im ersten Quartal getroffen werden.

Wohnheim der Warnow Werft, FDGB-Heim und WTC Rostock

Erbaut wurde der Komplex in der Parkstraße 51-53 Ende der 1950er Jahre. Knapp drei Jahrzehnte diente er als Wohnheim für Arbeiter der Warnow Werft. Anfang 1987 wurde das Objekt vom Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) übernommen und als FDGB-Heim „Willi Grünert“ für die Unterbringung von Urlaubern genutzt.

Kurz nach der Wende schloss die Hansestadt Rostock einen Pachtvertrag mit der World Trade Center Ruhrgebiet GmbH (inzwischen umfirmiert in die Gelsenkirchener Logistik-, Hafen- und Servicegesellschaft mbH, kurz Gelsen-Log), einer kommunalen Tochter der Stadt Gelsenkirchen. Ein Handelscenter mit angeschlossenem Hotel sollte hier unter dem Namen „WTC Rostock“ entstehen.

Mit lediglich 100.000 Euro Jahrespacht ein ziemlich schlechtes Geschäft für die Rostocker. Als „grob unwirtschaftlich“ stufte das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern den Pachtvertrag 2009 ein und empfahl die Prüfung einer vorzeitigen Vertragsauflösung. Gespräche blieben jedoch ebenso erfolglos wie Klagen durch alle Instanzen bis zum Bundesgerichtshof. Immerhin ergab sich vor Gericht eine maximale Vertragslaufzeit von 30 Jahren und Rostock konnte den Vertrag zum 1. Februar 2022 kündigen. Ursprünglich waren Verlängerungsoptionen seitens des Pächters bis 2041 vorgesehen.

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