Gurkenernte im Vorgarten

Nachbarn kultivieren Gemüse und Wildblumen mitten in der Rostocker Innenstadt

28. August 2014, von
Gurkenernte im Vorgarten
Gurkenernte im Vorgarten

So sieht ein deutscher Garten eigentlich nicht aus. Doch da sieht man mal, dass auch Chaos schön aussehen kann. So oder so ähnlich soll es ein Reiseleiter zu einer Gruppe asiatischer Touristen gesagt haben, als sie auf ihrer Sightseeing-Tour vor dem wilden Vorgarten in der Hermannstraße standen. Klick, klick, klick – auch diese Rostocker Attraktion musste festgehalten werden, erzählte eine Bewohnerin, die die Szene vom Fenster aus beobachtet hatte.

Wilder Vorgarten
Wilder Vorgarten

Mütter, die ihren Kindern die Veilchen zeigen oder Liebespärchen, die sich auch mal eine Sonnenblume stibitzen, sind schon auf das chaotische Idyll aufmerksam geworden. Viele ältere Damen, die mit ihren Rollatoren vorbeispazieren, geraten regelmäßig ins Schwärmen. Es sei so schön bunt in diesem Garten, berichtet Anja Bäthge.

Gartenarbeit im Vorgarten
Gartenarbeit im Vorgarten

Vor drei Jahren begann die 35-Jährige den damals noch unter Ranken und ganz viel Quecke versteckten Vorgarten zu zähmen. Sie selbst sagt dazu: „Ich arrangiere mich mit dem Unkraut“. Dort, wo es nicht wächst, räumt sie sich Bereiche frei. In anderen Bereichen fördert sie es sogar. So darf auch der Schachtelhalm unter dem Fenster sprießen. Schließlich ist er „unheimlich bodendeckend, schön grün und wächst nicht so hoch.“ Dazu hat sie Klee gesät – ebenfalls zur Bodenförderung. Direkt neben dem alten Stadthaus war vor einigen Jahren der Boden umgewälzt worden, sodass der Mutterboden verschwand. Nun sollen Schachtelhalm und Klee sich wie ein grünes Band unter dem Fenster langschlängeln. So ganz hat es zwar noch nicht geklappt, aber in den letzten beiden Monaten blieb der Vorgarten auch so gut wie ohne Pflege.

Frisches Wasser für den Gartenteich
Frisches Wasser für den Gartenteich

Nun startet Anja Bäthge wieder einen Garteneinsatz. „Zack“ sie ergreift die Samenstände toter Blumen und wirft sie mit einer geschmeidigen Handbewegung zur Seite auf den Boden. „Damit sie sich für das nächste Jahr vermehren.“ Der Rest wird entfernt und macht Platz, so dass die späteren Blüten gut zu sehen sind.

Zaunwinde
Zaunwinde

Unterstützung erhält sie bei der Gartenarbeit von Finn. „Hier hinten rupfen wir alles raus, was eine Blume ist und hier vorne rupfen wir den Schachtelhalm raus, weil der dahinten wachsen soll“, so ihre Anweisung an den sechsjährigen Nachbarsjungen. Auch andere Nachbarskinder haben schon beim Unkrautjäten geholfen. Inzwischen haben sie auf Nachfrage der Eltern sogar ein eigenes Beet bekommen und Mohrrüben, Gurken und Radieschen ausgesät. Trotz des schwierigen Bodens haben sich einige Samen so prächtig entwickelt, dass nun eine kleine Gurke an dem Pflänzchen baumelt. Damit es auch gut aussieht, haben die Gärtner Blumen eingebracht. Vor allem Wildblumen verleihen dem Vorgarten seinen typischen Charakter. Dazwischen wächst eine Minze, die vom Abfall gerettet wurde und eine Rose, die eine Mitbewohnerin zum Abschied zurückließ. Als im Frühling die Tulpen und Osterglocken ausgeblüht waren, wurde eine Kornblume in die Lücke gesetzt. Primeln, Stiefmütterchen, sogar ein kleiner Minigartenteich und eine Gartenzwergin machen die kleine Idylle im Vorgarten komplett.

Schlagwörter: Garten (3)Natur (108)

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