Dünen-Rückschnitt in Warnemünde sorgt für Fragen

In Warnemünde wurden mehrere Graudünen stark zurückgeschnitten – die geschützten Biotope sind Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere

25. Februar 2020, von
Dass einzelne Graudünen in Warnemünde förmlich „abrasiert“ wurden, sorgt für Unmut in Ostseebad
Dass einzelne Graudünen in Warnemünde förmlich „abrasiert“ wurden, sorgt für Unmut in Ostseebad

Das jährliche Abschieben der Dünen am Strand von Warnemünde spaltet die Gemüter. Hochwasserschutz, Naturschutz und Tourismus müssen dabei unter einen Hut gebracht werden. In diesem Jahr gibt es allerdings bereits im Vorfeld Diskussionen. Grund sind Arbeiten an den dahinterliegenden Graudünen.

Abschieben der Dünen erfolgt nach Konzept

Für Warnemünde wurde 2002 zwischen Ämtern und Umweltverbänden ein Konzept erarbeitet, das Strandpflege, Dünenabschiebung und Ausgleichsmaßnahmen regelt. 2013 wurde es um weitere zehn Jahre verlängert.

Wann welcher Dünenblock abgeschoben werden darf, regelt seitdem die etwas sperrig klingende „Geschäftsanweisung zur Pflege und Bewirtschaftung des touristischen Wirtschaftsraums Strand, Dünen und Promenade in Warnemünde“.

Abgeschoben werden dürfen nur die Dünenblöcke 1 bis 13 zwischen Westmole und A-ja-Resort. Eingriffe in die Dünen 14 bis 20 sind aufgrund naturschutzfachlicher (Artenreichtum) und küstenschutztechnischer (Geotextildämme) Gründe ausgeschlossen. Der abgeschobene Sand muss auf dem vorgelagerten Strand verteilt, die verkleinerte Düne mit Strandhafer neu bepflanzt werden.

Zwischen zwei und fünf Dünen werden pro Jahr nach einem festgelegten Zyklogramm verkleinert. Am häufigsten kommt die Planierraupe bei den Blöcken eins und zwei am Teepott zum Einsatz. Hier wird der Sand alle zwei Jahre abgeschoben. 2020 sind neben diesen beiden Dünen auch die Blöcke acht und elf vorgesehen.

Auch die Graudüne vor dem Hotel Neptun in Warnemünde wurde stark zurückgeschnitten
Auch die Graudüne vor dem Hotel Neptun in Warnemünde wurde stark zurückgeschnitten

Unterscheidung zwischen Weiß- und Graudüne

Bei den Küstendünen wird zwischen Weiß- und Graudüne unterschieden. An die vorrangig mit Strandhafer bewachsene Weißdüne schließt sich bis zur Promenadenmauer die Graudüne an. Moose, Farne und Habichtskraut, aber auch geschützte Arten wie etwa die Stranddistel, bilden den sogenannten Dünenrasen. Nach Westen hin nehmen Dünengehölze und -gebüsche zu. Vögel und Insekten, darunter teils seltene Bienen- und Wespenarten, finden in den Graudünen ihren Lebensraum.

Abgeschoben werden darf nur die Weißdüne, die Graudüne ist tabu. Als Kompensationsmaßnahme müssen für jede abgeschobene Weißdüne zwei Graudünen in Warnemünde oder Hohe Düne gepflegt werden.

Pflege der Graudünen als Ausgleichsmaßnahme

Ausgerechnet diese Pflegearbeiten sorgen jetzt für Unmut im Seebad. Dass die Graudünen förmlich „abrasiert“ wurden, sorgte bei den Warnemündern für Kritik auf der letzten Ortsbeiratssitzung. Insgesamt sechs – teils nebeneinanderliegende – Dünenfelder sind in der Seestraße und dem Strandweg in einer „sehr rigorosen Weise“ zurückgeschnitten worden, umschreibt es der Ortsbeiratsvorsitzende Dr. Werner Fischer.

Durchgeführt wurden die Schnittmaßnahmen vom Bauhof der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde (TZRW). Diese verweist auf die Geschäftsanweisung, in der als Ausgleichsmaßnahme vorwiegend der Rückschnitt gebietsfremder Gehölze wie der Ölweide oder Kartoffel-Rose genannt wird.

Pflegemaßnahmen sollen eine vollständige Verbuschung der Graudünen in Warnemünde verhindern (Foto: Archiv)
Pflegemaßnahmen sollen eine vollständige Verbuschung der Graudünen in Warnemünde verhindern (Foto: Archiv)

„Ohne Gehölzrückschnitte wären die Dünen vor Warnemünde ausschließlich durch eine dichte Gehölzvegetation (auch mit dünenuntypischen Gehölzen wie Ahorn u.a.) mit daran angrenzenden Strandhaferbereichen dominiert“, begründet das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege die Eingriffe.

Sowohl die vollständige Verbuschung der Dünen als auch die vollständige Entfernung sämtlicher Gehölze sind mit dem Verlust eines Lebensraumes verbunden und kein „angestrebtes Entwicklungsziel auf längere Sicht“, beruhigt das Grünamt. Die notwendigen Pflegemaßnahmen werden jedes Jahr „konkret und einzelfallbezogen nach eingehender Vorortkontrolle“ festgelegt.

Dass in diesem Jahr auffallend stark zurückgeschnitten wurde, liege auch daran, dass der standorttypische Sanddorn „aufgrund massiver und krankheitsbedingter Absterbeerscheinungen“ stärker entnommen werden musste, so das Amt.

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