50 Jahre Überseehafen Rostock - Empfang

Rostocks Hafen wird 50 – Geburtstagsempfang in der Kunsthalle

1. Mai 2010, von

Flagge des Seehafens Rostock Die altehrwürdige Flagge des Seehafens Rostock – gestern ward sie in der Kunsthalle wieder gehisst. Dort fand der Geburtstagsempfang zum 50-jährigen Jubiläum des Überseehafens statt. Alle interessierten Rostocker waren dazu herzlich eingeladen. Höhepunkte der Veranstaltung waren eine öffentliche Ausstellung sowie eine Vortragsreihe zur Geschichte des Hafens.

Bevor der offizielle Teil des Empfangs begann, hatte ich noch etwas Zeit, mir die Ausstellung anzuschauen. Als Erstes fiel mir ein Brief des Drittklässlers Bernhard Bültemann aus Rostock an Inge Kettenbeil aus Darlingerode im Harz auf. Der kleine Bernhard erklärte Inge darin, wie der Rostocker Hafen gebaut wurde. Nein, er erklärte es nicht nur, er zeichnete es zwischen den Zeilen auch auf. Das ist eines der vielen Zeugnisse, das zeigt, wie viele Menschen der Ausbau des Hafens damals beschäftigte.

Hans-Jürgen Räsch Ich sah verschiedene Modelle von Kränen und ein Holzbausteinspiel zur Nachahmung eines Hafens aus der DDR, überdies historische Fotoaufnahmen, Zeitungsartikel „und und und“. Auch historische Filmbeiträge und maritime Gemälde aus den Beständen der Kunsthalle waren zu sehen, so etwa verschiedene Werke von Karl-Heinz Kuhn. Die Exponate hatten nicht nur das Schifffahrtsmuseum, das Ingenieurbüro Inros Lackner und die Hafenentwicklungsgesellschaft zur Verfügung gestellt. Auch viele Rostocker Bürger hatten ihre ganz persönlichen Erinnerungsstücke ebenfalls für die Ausstellung in der Kunsthalle abgegeben.

Einer von ihnen ist Hans-Jürgen Räsch. Er hatte am 16.8.1962 angefangen im Hafen zu arbeiten. Stolz zeigte er mir seinen ausgestellten Holzhaken. Damit hätte man das auf den Schiffen angelieferte Holz besser umladen können, erzählte er. Der Haken wäre in das Holz geschlagen worden und mittels des daran befestigten Griffs hätte sich die Ware dann besser anheben und transportieren lassen. Verschiedene Arbeitsausweise und das sogenannte Arbeitsbuch des Hafenarbeiters Hans-Jürgen Räsch waren ebenfalls zu sehen.

Papierschiffe in der Kunsthalle Rostock Die Museologin und Kuratorin Heike Heilmann hatte die wunderbare Ausstellung vorbereitet. Leider wird diese nur sehr kurz, nämlich vom 30. April bis zum 2. Mai, präsentiert. Sicher hätte sie über einen längeren Zeitraum hin viele weitere interessierte Besucher in die Kunsthalle gelockt.

Habe ich schon berichtet, dass ich im Plastiksaal der Kunsthalle meinem selbstgebastelten Papierschiffchen wieder begegnete? Voller Stolz und zufrieden betrachtete ich es. Mein erstes Kunstwerk, ausgestellt in der Kunsthalle. Vielleicht sollte ich demnächst doch eine künstlerische Laufbahn einschlagen? Wir werden sehen.

Festgäste, Geburtstagsempfangs des Überseehafens Rostock Inzwischen hatten sich schon viele Interessierte im Plastiksaal eingefunden. Die vormals leeren Plätze waren nun besetzt. Es mussten gar weitere Stühle aufgestellt werden. Ein besonderer Gast wurde noch erwartet. Erwin Sellering, der Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns, wollte die Vortragsveranstaltung eröffnen. Als auch er sich eingefunden hatte, begrüßte Jörg-Uwe Neumann als Geschäftsführer des Vereins „pro Kunsthalle“ alle Festgäste.

Jörg-Uwe Neumann Er gab seiner Freude über das Engagement und die Leidenschaft Ausdruck, mit der sich die Rostocker an den Ausstellungsvorbereitungen durch die Abgabe ihrer Erinnerungsstücke beteiligt hatten.

Erwin Sellering Erwin Sellering betonte schon zu Beginn seiner Rede: „Für die Landesregierung, für das Land Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Hafen von sehr großer Bedeutung“. Denn er sei nicht nur ein „Wirtschaftsmotor für die Hansestadt Rostock und für unser ganzes Land“, sondern auch „ein großes Stück Identität“, da er neben der langen Tradition der Seefahrt, auch Weltoffenheit und Internationalität repräsentiere, so der Ministerpräsident.

Roland Methling Oberbürgermeister Roland Methling bezeichnete den Überseehafen als „Dreh- und Angelpunkt jeder Entwicklung unserer Stadt“ und betonte: „auch in der Zukunft ist der Hafen eigentlich die Lokomotive für die Hansestadt Rostock.“ Danach ließ er die Geschichte des Hafens Revue passieren und erwähnte nicht nur die Blüte des Hafenstandortes während der Hansezeit.

Abschließend erzählte er, dass er auf dem Weg zur Kunsthalle „Kollege Oschmann“ getroffen habe. Dieser gehöre zu denen, die am 30. April 1960 zum Empfang aus Anlass der Einweihung des Rostocker Überseehafens eingeladen worden waren und er habe dem Oberbürgermeister die Einladungskarte für dieses Fest übergeben. Gesten wie diese zeigten ihm, wie „tief der Hafen weiterhin bei den Rostockern verwurzelt ist“, so Roland Methling.

Im Anschluss an die Begrüßungsworte wurden Vorträge über die Geschichte des Hafens, über seine wirtschaftliche Ausstrahlung auf die Region, die Auswirkungen des Hafens auf die Luftqualität in der Hansestadt und zu Entwicklungsprojekten und –perspektiven gehalten.

Die Hafenentwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) hatte aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Überseehafens ein umfassendes, interessantes und unterhaltsames Festprogramm auf die Beine gestellt. Die vielen Rostocker Bürger, die sich mit dem Hafen verbunden fühlen, werden es ihnen danken und wünschen dem Überseehafen auch für dessen Zukunft viel Erfolg.

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2 Kommentare

  • Urte Mucha sagt:

    Hallo Katrin,
    ich bin die Tochter von Bernhard Bültemann, dessen Briefwechsel Sie zu meiner Freude offensichtlich sehr beeindruckt hat. Mein Vater ist zwar auch heute nicht gerade als groß zu bezeichnen, aber zum Zeitpunkt des Briefwechsels war er als Ingenieur im Hafen beschäftigt und somit ein ausgewachsenes Exemplar. Inge war die kleine Drittklässlerin, deren Klasse sich für die Zeichnungen und Erklärungen meines Vaters sehr interessierte. Auch ich sehe sie mir heute immer mal wieder an und freue mich, dass mein Vater viele Dinge (teilweise wohl heimlich) aufhebt, denen wir als seine Familie oft kaum einen Wert beimessen. Hier hat er voll ins Schwarze getroffen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Urte Mucha

  • Klut Siegfried sagt:

    Ich bin 1958 zum Hafenbau mit der Zimmermannsbrigade Mathias umgesetzt worden, damals haben wir den Transport der Rammpfähle durchgeführt. Damit die Rammen versorgt sind, mussten pro Schicht je Ramme 8Stück Stahlpfähle bereit liegen.

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