JobAct präsentiert „MACHTSPIEL“

Junge Menschen sollen durch die Arbeit an einem Theaterstück in den Arbeitsmarkt integriert werden

31. März 2011, von

„Willkommen im Machtspielpark“, ertönt es aus den Lautsprecherboxen der BÜHNE 602. Auf der Bühne befinden sich junge Menschen, die ganz alltägliche Dinge tun: Musik hören, Zeitung lesen, joggen, mit dem Hund spielen und, und, und. Über den Lautsprecher ertönt wieder die Stimme: „Wusch!“ Alle erstarren. „Wusch!“ Sie wachen auf und verhalten sich feindselig. Noch ein „Wusch!“ und alles ist wieder wie gewohnt.

Die Stimme kommt von zwei Schwestern, die Gut und Böse repräsentieren. Um die Menschen beeinflussen zu können, hatten sie sich eine Truhe anfertigen lassen und in diese den freien Willen der Menschheit eingesperrt. So entschieden sie schon Tausende von Jahren, wie sich die Menschen verhalten sollten.

Gut und BöseDa sie sich nun darüber streiten, wie die Welt für die nächsten 1000 Jahre sein soll, rufen die beiden einen Wettstreit zwischen Gut und Böse aus. Um die Teilnehmer zu ködern, versprechen sie, dem Sieger einen Wunsch zu erfüllen. Also ziehen acht Menschen, die bisher unbeeinflussbar waren, los und treffen im „Vulkanhaus“ aufeinander, um in Spielen wie Tauziehen oder Schwertkampf gegeneinander anzutreten.

Immer wieder klingen ernste Themen an, die am Ende in einer Videoinstallation gipfeln, die einen nachdenklich nach Hause gehen lässt. Ist der freie Wille wirklich besser als die Beeinflussung oder nicht?

Robert Plaumann in MachtspielDie Beeinflussung der Menschen wurde zum Beispiel durch Werbetexte demonstriert, die zwischen den Szenen aus den Lautsprechern schallten. Wir alle sehen, hören und lesen tagtäglich Werbung an Hauswänden, im Radio und im Fernsehen. Um die Beeinflussung durch ein solches Medium zu verdeutlichen, wurden die Werbetexte überspitzt dargestellt und ins Sinnlose gezogen. So wurde man zum Beispiel zum Kauf von Plastikorchideen angehalten, die auch tatsächlich wie Plastik aussehen und nach ekligen Dingen riechen.

Aber auch die unterbewusste Beeinflussung der Protagonisten durch Gut und Böse in deren Träumen zeigte deutlich den Gedanken hinter der Geschichte. „Sind Sie beeinflussbar?“, lautete die Frage, die sich das Publikum stellen sollte.

Was ist dein Wunsch?Auch das Bühnenbild war gelungen, wenn auch einfach. Es bestand aus Kartons, die erst durch ihre Beschriftung zu dem wurden, was sie sein sollten. Aus einem einfachen Pappquader konnte so eine Bank oder ein Mülleimer werden. Auch das könnte man als eine Anspielung auf unsere Beeinflussbarkeit begreifen. Gib etwas einen Namen und wir glauben, dass es existiert.

Woran die jungen Theatermacher vor allem glauben sollten, war ihr eigenes Können. „Hätten Sie den Mut gehabt?“, fragte die stellvertretende Geschäftsführerin des Hanse-Jobcenters, Denise Kraetsch, das Publikum zu Beginn. Gemeint war der Mut, der nötig ist, sich in einer Gruppe von völlig fremden Menschen zu öffnen, sich ohne Erfahrung an ein Theaterstück zu wagen und dieses zu präsentieren. Denn genau das taten die 15 jungen Rostocker, als sie sich aus freiem Willen dazu entschieden am Projekt JobAct teilzunehmen.

Denise KraetschSieben Monate lang beschäftigten sie sich mit der Gestaltung eines Theaterstücks, bei dem es vor allem darauf ankam, im Team zu arbeiten und selbstbewusst genug zu sein, um die Meinung zu sagen. Sie mussten zusammen nicht nur die Idee entwickeln, sondern auch die Texte schreiben, das Bühnenbild gestalten und sonst alle wichtigen Dinge erledigen, die es für eine Theatervorführung braucht. Hilfe bekamen sie dabei von der Theaterpädagogin Kim Lukacs von der Projektfabrik, die ihnen helfend zur Seite stand.

Neben all diesen Aktivitäten kümmerten sich die 15 außerdem um ihre Zukunft. Sie absolvierten Vorstellungstermine und beschäftigten sich mit der Frage, was sie denn eigentlich mit ihrem Leben anfangen wollen. Genau das ist nämlich der Gedanke hinter dem Projekt.

Wettstreit Gut gegen BöseDie jungen Menschen sollen erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden, nachdem sie vorher einige Probleme damit gehabt hatten. Auch hierfür hatten sie während der sieben Monate eine Ansprechpartnerin in Ilona Eckhardt vom Bildungsträger IBS, die zum Beispiel beim Schreiben von Bewerbungen half.

Nach dem das Theaterstück nun auf die Bühne gebracht wurde, folgt die zweite Phase des Projekts, bei der alle Teilnehmer ein viermonatiges Praktikum absolvieren werden. Im Sommer beginnen sie dann hoffentlich alle eine Ausbildung.

Tauziehen„Das Stück war super“, stellte Heidi Brandt, Arbeitsvermittlerin für die unter 25 jährigen im Hanse-Jobcenter fest. Sie kannte die Teilnehmer noch von vorher, als sie vor ihr im Hanse-Jobcenter gesessen hatten. „Das Projekt ist gut, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, sagte sie. „Das sind Leute, die es nicht so leicht haben und heute erleben sie, dass es auch anders geht.“

Auch die Teilnehmer schienen mit sich zufrieden. „Wir sind alle auf jeden Fall selbstbewusster geworden. Man kann jetzt offener auf Menschen zugehen“, erzählte Yvonne Heinemann. Auch mit der Zukunftsplanung ginge es voran, verriet Anne Graap: „Vorher war ich ziemlich orientierungslos, jetzt will ich Restaurantfachfrau werden“, erzählte sie. Außerdem traue sie sich nun auch zu, dieses Ziel zu erreichen.

Heidi BrandtDas Ergebnis spricht also für sich und das nicht nur in Rostock. Seit nun sechs Jahren gibt es das Projekt in ganz Deutschland und es erhält Zuspruch aus Wirtschaft und Politik. So stellte das Finanzinstitut J.P. Morgan eine Millionensumme zur Verfügung, um das Projekt noch größer aufziehen zu können. Schirmherrin der ganzen Sache ist die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen.

Zum bereits dritten Mal fand das Projekt nun auch in Rostock statt und wird wohl nicht zum letzen Mal jungen Menschen behilflich sein, ihren Weg zu finden. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann dies heute Abend um 19 Uhr an der BÜHNE 602 tun, wenn das Stück noch einmal aufgeführt wird.

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