„Lüdeckes Spottspitzen“ an der Bühne 602

Frank Lüdeckes Kabarett trifft erstmals die Theaterbühne

14. April 2012, von
"Lüdeckes Spottspitzen" in der Bühne 602
"Lüdeckes Spottspitzen" in der Bühne 602

Die Rostocker mögen Kabarett. Auftritte von Dietrich und Raab oder den verschiedenen ROhrSTOCK-Gruppen sind fast immer sehr gut besucht. Und auch der Koggenzieher zog in diesem Jahr wieder viele Besucher an.

Grund genug für Regisseur Christoph Gottschalch ein interessantes Experiment zu wagen. Zusammen mit Georg Haufler und Eckhard Ischebeck bringt er Sketche des Kabarettisten Frank Lüdecke als Theaterstück auf die Bühne 602.

Eckhard Ischebeck und Georg Haufler
Eckhard Ischebeck und Georg Haufler

Dieser wurde bekannt als Schreiber und Schauspieler bei der Sendung „Hallervordens Spott-Light“. Die Szenen mit ihm als cholerischen Verkäufer und Didi Hallervorden als ahnungslosen Kunden haben teilweise schon Kultcharakter erreicht. Doch auch als Solokünstler ist er erfolgreich. So konnte er 2009 den Deutschen Kabarett-Preis und im letzten Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis gewinnen.

Was wie eine einfache Entscheidung klingt, hat sehr lange gedauert, wie Christoph Gottschalch erzählt: „Seit dem Sommer haben wir Texte gesucht. Wichtig für die Bühne war, dass diese im Gegensatz zum Kabarett nicht tagespolitisch sein durften, damit man das Stück auch in einem oder zwei Jahren noch spielen kann.“ Die Texte von Frank Lüdecke erfüllen diese Voraussetzungen und mussten so, obwohl sie teilweise schon zehn Jahre alt sind, nur geringfügig modernisiert und an Rostock angepasst werden.

Die Bühne 602 wird zum Computerladen
Die Bühne 602 wird zum Computerladen

Eine inhaltliche Modernisierung war direkt beim ersten Sketch nötig, denn die Handytechnik hat sich in den letzten Jahren rapide weiterentwickelt. Der von Didi Hallervorden gespielte Schneider hat damals noch kein Smartphone gekannt. Die Szene gehört zu den bekanntesten Spottspitzen, was sich auch bei der Premiere am Freitag zeigte. Viele der 120 Gäste erkannten die Szenerie und lachten schon, als die Schauspieler die Bühne betraten.

Die Rollen, der Hilfe suchende und ahnungslose Kunde und der dominante Händler, fanden sich bei Lüdecke und Hallervorden sehr häufig und auch in der Rostocker Inszenierung waren einige Sketche nach diesem Muster aufgebaut, für meinen Geschmack zu viele. Denn durch die Bündelung an Szenen, in denen eine starke auf eine scheinbar unterlegene Figur traf, wirkte das Bühnenstück leider stellenweise etwas abwechslungsarm und die spritzigen Dialoge verloren etwas an Kraft.

Georg Haufler als Adolf Hitler bei der Premiere
Georg Haufler als Adolf Hitler bei der Premiere

Vom Telefonshop ging es im Laufe des Abends noch in den Computerladen, ein Immobilienbüro, zum Arbeitsamt und in eine Fernsehsendung. Für zwei Szenen schlüpfte Eckhard Ischebeck in ein grünes Kleid und die Rolle einer Frau, was für viele Lacher im Publikum sorgte. Dass Männer manchmal wirklich Probleme im Haushalt haben, bewies der Schauspieler direkt selbst: Sein etwas unordentliches Zusammenlegen eines Hemdes brachte eine Dame im Saal zum Ausruf: „Das würde eine Frau aber besser hinkriegen.“

Auch wenn die Tagesaktualität natürlich fehlt, so geht das Stück doch kritisch und spöttisch mit vielen gesellschaftlichen Phänomenen um. Ob nun seltsame Besuche beim Arbeitsamt oder Rechtsradikalismus, vor keinem Thema wird zurückgeschreckt. Und so stecken in den zwei kurzweiligen Stunden viele clevere Beobachtungen und bitterböse Witze. Diese werden von den Schauspielern mit viel Begeisterung präsentiert.

Franz N. Kröger
Franz N. Kröger

Diese Begeisterung übertrug sich auch auf das Premierenpublikum. Franz N. Kröger war zum Beispiel hellauf begeistert von dem Stück. Besonders Georg Haufler als ahnungsloser Kunde überzeugte ihn komplett, auch wenn er die Vorlagen bisher nicht kannte. „Man kennt das einfach, dass man total überfordert in einem Geschäft steht und dann auch noch schlechten Kundenservice bekommt. Aus meinen Erfahrungen mit der Telekom könnte ich auch so manche Sketche machen“, erzählte der Mann.

Ein Besuch in der Bühne 602 lohnt sich also auch, wenn man mit Frank Lüdecke bisher noch gar nicht in Berührung kam. Und Fans von „Hallervordens Spott-Light“ sollten einen Besuch sowieso fest einplanen.

Fotos 1+2: Frank Neumann, Bühne 602

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