Mittendrin statt nur dabei - Mitsegeln auf der Hanse Sail

Weil es so schön war … – noch einmal Hanse Sail

10. August 2010, von
Segler vor der Stadtkulisse von Rostock zur 20. Hanse Sail
Segler vor der Stadtkulisse von Rostock zur 20. Hanse Sail

Es ist wieder ruhig geworden am Stadthafen von Rostock. Man findet wieder Parkplätze und braucht keine Stunde vom Speicher zum Kabutzenhof. Die Hanse Sail ist vorbei.

Für mich war es nicht nur eine besondere, weil ich das erste Mal darüber berichten durfte, sondern auch das erste Mal auf einem der Schiffe dabei war.

Kriegsfischkunter Nordwind bei der Hanse Sail
Kriegsfischkunter Nordwind bei der Hanse Sail

Hier nun ein kleiner Ausschnitt aus dem, was man miterleben durfte, aus den Bildern und Kuriositäten, mit denen man diese 20. Hanse Sail verbinden mag.

Schon das Schiff, auf dem ich zu Gast war, steht stellvertretend für viele der abwechslungsreichen Teilnehmer. Wie die „Vagel Grip” war das Schiff ursprünglich als „Kriegsfischkutter” konzipiert.

Man könnte sich fragen, wie das zusammenpasst – es klingt ähnlich absurd wie „Kriegswaschmaschine” oder „Kriegsstraßenbahn”. Aber der Sinn dahinter wurde schnell aufgeklärt: Diese Kutter sollten im Zweiten Weltkrieg vor der Küste scheinbar normal fischen und gleichzeitig sich nähernde Bomberverbände melden.

Segler vor der Küste - Hanse Sail 2010
Segler vor der Küste - Hanse Sail 2010

Die „SSB Nordwind”, auf der ich mitfahren durfte, erfüllte diese Aufgabe allerdings nie. Sie wurde von den Alliierten erbeutet, bevor sie fertiggestellt werden konnte. Die darauf folgende Geschichte allein wäre einen Bericht wert, aber nur so viel: Nach langem Dienst als Seemannschaftsschulboot der Marine gelangte sie 2008 zum Marinemuseum Wilhelmshaven.

Die fünfköpfige Besatzung rekrutiert sich komplett aus ehemaligen Marineangehörigen, die auch nach ihrer Laufbahn das Steuerrad nicht aus der Hand zu geben gedenken. Und wenn man sich sie so betrachtet, stellt man schnell fest: Seefahren hält jung. Die bewegte Geschichte und die Männer, die solch museale Schätze am Leben halten: man konnte auf der Hanse Sail viele solcher Beispiele finden, jedes mit seiner eigenen Geschichte. Skipper Dieter Jung steuerte das Schiff durch das Gedränge auf dem Strom nach Warnemünde.

Großsegler „Dar Mlodziezy” bei der Hanse Sail
Großsegler „Dar Mlodziezy” bei der Hanse Sail

Dabei erklärt er mir die wichtigste Vorfahrtsregel auf See: Segelschiffe haben Vorrang. Außer wenn sie einen Kegel hissen, der signalisiert, dass sie mit Motorkraft unterwegs sind. Leider denkt daran nicht jeder. Gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten, zumal die Sicht nach vorn auf solch einem Kutter nicht die beste ist, zumindest wenn man wie ich nur Autofahren gewohnt ist.

Einmal von der Küste weg, macht sich sofort angenehme Ruhe breit. Kein Vergleich zum Trubel im Stadthafen oder am Kai in Warnemünde. Draußen, unter einem der wenigen Flecken Sonne tummelten sich die Großsegler auf ihrer Regatta.

Liveband auf einem Kutter bei der Hanse Sail Rostock
Liveband auf einem Kutter bei der Hanse Sail Rostock

Richtige Rennstimmung will allerdings bei zwei Windstärken nicht aufkommen. Auch wir probieren es kurz mit Segeln, aber wenn man irgendwo hinkommen will, dann an diesem Tag mit Motorkraft.

Viele Teilnehmer stört dies nicht, sie fahren, wie mir berichtet wird, mit vollen Segeln gegen den Wind – für manche ist der Schein eben wichtiger. Auch, dass es auf der Sail von „auf Kommerz ausgelegten Nachbauten” nur so wimmelt, stößt bei den Segelenthusiasten an Bord nicht nur auf Gegenliebe. Das ist wohl Geschmackssache. Oder, wie es auf der Rückfahrt von einem anderen Kutter, auf dem eine Liveband spielt, herüberschallt: „If it makes you happy, it can’t be that bad”.

Feuerwehrautoboot bei der Hanse Sail 2010
Feuerwehrautoboot bei der Hanse Sail 2010

Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Neben der komplett mit Schlagzeug und Gitarre ausgerüsteten Liveband fallen mir noch andere Besonderheiten ins Auge. So kreuzt auch ein schwimmendes Feuerwehrauto unseren Weg, und ein Seglerpärchen hat eine überdimensionale Quietscheente im Schlepp.

Daran, was mich so begeistert, merkt man wahrscheinlich, dass mich die Faszination am Segeln an sich noch nicht ganz gepackt hat – aber das ist ja das Tolle an der Hanse Sail: Es ist für jeden was dabei.

Segler vor Warnemünde bei der Hanse Sail
Segler vor Warnemünde bei der Hanse Sail

Und wie auch an Land, ist die Polizei unterwegs und verwarnt Schnellfahrer, bevor es bei den zeitweise extrem engen Verhältnissen zu Kollisionen kommt. Dies sei am Vortag bereits direkt vor der „Nordwind” geschehen, ist also gar nicht abwegig. Diese Fahrt vereinte noch einmal all das, wofür die Hanse Sail steht, im Guten wie im „Nicht so guten”. Doch wie gesagt, „wenn es dich glücklich macht, kann es so schlecht nicht sein”.

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