Bürgerinitiative präsentiert Entwurf für Mühlenstraße

Wie es mit der Mühlenstraße in Warnemünde weitergeht, ist ungewiss – die Bürgerinitiative „Rettet den Küstenwald“ präsentierte ihre Ideen für die Umgestaltung der Geschäftsstraße

11. November 2021, von
Der östliche Teil der Warnemünder Mühlenstraße ist bereits Fußgängerzone - seit letztem Sommer gibt es hier Außengastronomie (Foto: Archiv)
Der östliche Teil der Warnemünder Mühlenstraße ist bereits Fußgängerzone - seit letztem Sommer gibt es hier Außengastronomie (Foto: Archiv)

Noch gibt es seitens der Stadt keine neuen Ansätze, wie es mit der Mühlenstraße in Warnemünde weitergeht. Vor mehr als zehn Jahren wurden die Planungen auf Eis gelegt, nachdem die Anwohner den Erhalt der 140 Jahre alten Kopflinden verlangten. Die bereits eingeplanten Fördermittel flossen in andere Straßen des Seebades. Am Dienstagabend stellte die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Küstenwald“ im Ortsbeirat ihre Ideen für die Zukunft der Geschäftsstraße vor – unter Erhalt der 62 alten Bäume.

„Die gute Nachricht ist“, so BI-Sprecherin Annette Boog, „es gibt heute die technischen Möglichkeiten, die Straße und die Gehwege zu sanieren und alle Bäume stehen zu lassen.“ „Sie haben zwei Weltkriege überstanden, sie haben die Wende überstanden, sie haben die Fällabsichten von vor zehn Jahren überstanden und sie haben die letzten drei Dürrejahre unproblematisch überstanden. All diese Altbäume haben einen Vitalaustrieb von einem Meter pro Jahr“, betont Boog. „Diese Bäume können noch ganz lange stehen, wenn wir sie stehen lassen“, zieht sie den Vergleich zu den 300 Jahre alten Linden am Schloss Bothmer.

So könnte die Mühlenstraße in Warnemünde künftig aussehen (Zeichnung: Volker Wirth)
So könnte die Mühlenstraße in Warnemünde künftig aussehen (Zeichnung: Volker Wirth)

Die Idee mit dem Arbeitstitel „Der Mühlenjunge“ stammt aus dem Zeichenbüro des Diedrichhägers Volker Wirth. Namensgeber ist das Kunstwerk von Reinhard Buch, das derzeit etwas abseits auf dem Fußweg zur Mühle steht und einen besseren Platz verdient hätte, so Boog. Die Figur könnte künftig im Zentrum eines kleinen Kreisverkehrs auf Höhe der Dänischen Straße stehen. Reicht der Platz dafür nicht aus, wäre auf der Kreuzung eine Verkehrsinsel in schmaler Bootsform mit Bänken denkbar. Zusätzlich ist eine bessere Anbindung für Fußgänger und Radfahrer an den Kirchenplatz geplant.

Der Entwurf sieht eine verkehrsberuhigte Straße vor. Nur noch Radfahrer, Anwohner, Lieferanten in festgelegten Zeitfenstern und natürlich Rettungsdienste dürfen hier künftig fahren. Bei der Sanierung sollen die alten Straßenproportionen erhalten bleiben. In der Mitte ist ein etwa drei Meter breiter asphaltierten Bereich vorgesehen, an den Straßenrändern soll das alte Kopfsteinpflaster freigelegt werden. Hier wäre Platz für Außengastronomie oder haltenden Lieferverkehr. Stellflächen für Pkw – wie jetzt noch im westlichen Teil – soll es nicht mehr geben. „Wir können uns vorstellen, dass es dann in der Mühlenstraße keine Parkplätze für Autos mehr gibt“, erläutert Boog. Die Erdstreifen unterhalb der Bäume bleiben erhalten, die Gehwegplatten werden diagonal und ungebunden verlegt.

Dass die Kopflinden erhalten werden müssen, steht für den Ortsbeirat außer Frage. Dafür könnten sie zum Naturdenkmal erklärt werden, sagt dessen Vorsitzender Wolfgang Nitzsche (Linke): „Dann vergreift sich niemand mehr daran.“ Daran werde bereits gearbeitet, bestätigt Matthias Ehlers vom Umweltausschuss, solch ein Antrag an die Bürgerschaft müsse jedoch „wasserdicht formuliert“ werden.

Im Ortsbeirat kümmert sich Axel Tolksdorff um das Thema und die Kommunikation mit dem zuständigen Bausenator Holger Matthäus. Erst müsse geklärt werden, wie die Straße künftig aussehen soll. Mit Bürgersteigen, wie von der BI vorgeschlagen, oder soll die Mühlenstraße ohne Gehwege, aber unter Erhalt des alten Baumbestandes, eher einen Boulevardcharakter bekommen, fragt der Warnemünder. Auf jeden Fall sollen die Gewerbetreibenden in die Planungen einbezogen werden, verspricht Tolksdorff. Matthias Ehlers warnt jedoch vor „zu viel Lobbyismus in die eine oder andere Richtung“ – Gastronomen hätten andere Anforderungen als die restlichen Gewerbetreibenden, Gäste andere Wünsche als Anwohner. Er fordert daher eine breite Bürgerbeteiligung.

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