„Für Wasserbauer sind die Rammschläge Musik in den Ohren", freute sich Ralf Mertz von der Züblin AG am Nachmittag beim offiziellen Baustart am Warnemünder Werftbecken. Gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) gab er stellvertretend für die an Planung und Bau beteiligten Unternehmen das Startsignal für den ersten Rammschlag.
„Die Bevölkerung, die ringsherum lebt und wohnt, findet das nicht so und muss entsprechend geschützt werden", verwies Mertz zugleich auf die andere Seite der Medaille. Mehr als zehn Jahre hat das aufwändige Planungs- und Genehmigungsverfahren gedauert. Auflagen sollen sowohl Mensch als auch Natur schützen, etwa durch einen Schlickvorhang und einen Blasenschleier.
Über 100 Millionen Euro investieren Stadt und Land in den kommenden fünf Jahren in die Herrichtung des 15 Hektar großen maritimen Gewerbeparks am traditionsreichen Werftstandort. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Vorhaben mit 78,3 Millionen Euro.
„Bis zur Fertigstellung werden hier über 6.000 Tonnen Stahl verbaut", beschreibt Falk Zachau, Leiter des Hafen- und Seefahrtamtes, die Größenordnung des Projekts. „Das ist dreimal so viel wie seinerzeit für den Bau des Ostseestadions."

Die Bauarbeiten gliedern sich in fünf voneinander abhängige Teilprojekte. Zunächst werden 28 Bestandsgebäude zurückgebaut und vorhandene Abfall- und Recyclingmaterialien entsorgt. Es folgen umfangreiche Bodensanierungen - sowohl an Land als auch im Bereich der bestehenden Spundwände. Im Anschluss erschließen eine Hauptstraße und drei weitere kleine Straßen das Gebiet. Parallel werden sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen neu verlegt. An vier Liegeplätzen mit Längen zwischen 11,50 und 331,50 Metern entstehen neue Spundwände. Für die Liegeplätze ist ein Tiefgang von etwa 9,5 Metern vorgesehen. Zudem wird ein Teil des bisherigen Werftbeckens verfüllt, um zusätzliche Vorstell- und Logistikflächen zu schaffen.
Angesiedelt werden sollen vor allem Unternehmen aus den Bereichen Offshore-Windenergie, Netzinfrastruktur und maritime Energietechnik sowie weitere maritime Dienstleister. Einer der ersten Ankernutzer steht mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz bereits fest.
Nach der Ansiedlung von Liebherr im Überseehafen ist das Projekt die zweitgrößte Infrastrukturmaßnahme in der jüngeren Geschichte des Rostocker Hafens. Landesweit rangiert das Vorhaben nach dem Neubau der Peenestrombrücke derzeit auf Platz zwei der größten Infrastrukturinvestitionen in Mecklenburg-Vorpommern.
Visualisierung: Hafen- und Seemannsamt Rostock