Ein Minus von zwei Prozent – und keine Überraschung

Rostock schrumpft, aber es tut nicht weh. So lässt sich die Kernaussage der aktualisierten Bevölkerungsprognose zusammenfassen, die die Kommunale Statistikstelle der Hanse- und Universitätsstadt bis zum Jahr 2040 fortgeschrieben hat. Grundlage sind die Melderegisterdaten der Jahre 2015 bis 2025; methodisch folgt die Berechnung den in den Vorjahren angewandten Standards.

Bevölkerungsentwicklung Rostocks bis 2040 nach Prognosevarianten

Einwohner mit Hauptwohnsitz · ab 2025 Prognose

Daten als Tabelle
JahrIstOptimistischMittlerePessimistischNatürlich
2012203.104
2013203.673
2014203.848
2015206.033
2016207.492
2017208.516
2018209.085
2019209.477
2020209.755
2021209.273
2022210.802
2023211.692
2024211.993
2025211.568211.568211.568211.568211.568
2026211.174211.089211.062210.031
2027210.867210.611210.530208.491
2028210.655210.142209.980206.958
2029210.551209.695209.423205.441
2030210.563209.273208.865203.943
2031210.695208.884208.312202.469
2032210.954208.531207.768201.019
2033211.343208.217207.234199.588
2034211.775207.942206.737198.171
2035212.250207.704206.275196.759
2036212.764207.500205.845195.344
2037213.313207.325205.444193.914
2038213.890207.173205.062192.459
2039214.487207.036204.695190.970
2040215.100206.911204.338189.445
Quelle: Kommunale Statistikstelle Rostock

Die mittlere Variante – jene, die die Statistiker als wahrscheinlichste Entwicklung einschätzen – kommt für 2040 auf rund 207.000 Personen. Gegenüber 2025 ist das ein Rückgang von 4.663 Menschen oder zwei Prozent – ausgehend von 211.568 Einwohnerinnen und Einwohnern zum Jahresende 2025. Ein dramatischer Einbruch sieht anders aus. Und vor allem: Die Zahlen bestätigen im Wesentlichen, was schon die Prognosen der Vorjahre erwarten ließen.

Geburtenrückgang vs. Zuzug

Bevölkerungsgewinn bzw. -verlust bis 2040

Geburtensaldo und Wanderungssaldo · ab 2025 Prognose

Daten als Tabelle
JahrGeburtendefizitWanderungsgewinnSaldo
2012-2081.2861.078
2013-403817414
2014-138785647
2015-2161.8891.673
2016-3581.8571.499
2017-3121.072760
2018-526924398
2019-689985296
2020-684489-195
2021-896380-516
2022-1.3082.9771.669
2023-1.3462.340994
2024-1.4571.842385
2025-1.4921.069-423
2026-1.5371.058-479
2027-1.5381.058-480
2028-1.5291.059-470
2029-1.5091.060-449
2030-1.4821.060-422
2031-1.4501.061-389
2032-1.4141.061-353
2033-1.3761.062-314
2034-1.3371.062-275
2035-1.3011.062-239
2036-1.2661.062-204
2037-1.2371.062-175
2038-1.2151.062-153
2039-1.1981.062-136
2040-1.1871.062-125
Quelle: Kommunale Statistikstelle Rostock

Die Zahlen dahinter sind deutlich: 2025 kamen in Rostock 1.276 Kinder zur Welt, im Rekordjahr 2015 waren es noch über 2.000 – ein Minus von rund 40 Prozent innerhalb einer Dekade. Es ist bereits der vierte Rückgang in Folge. Dass in der Hansestadt mehr Menschen sterben als geboren werden, ist zwar seit 1991 der Fall; die Lücke hat sich zuletzt aber rasant vergrößert. 2012 lag das Geburtendefizit bei 208 Personen, 2019 bei 689 – 2025 bei 1.492.

Dagegen hält allein die Wanderung, und ausgerechnet die verliert an Kraft. 2022 gewann Rostock durch Zuzüge noch 2.977 Menschen, geprägt vor allem von den Geflüchteten aus der Ukraine. 2024 waren es noch 1.842 und 2025 nur noch 1.069. Damit reicht der Zuzug erstmals seit Jahren nicht mehr aus, um das Geburtendefizit zu decken: Unter dem Strich verlor die Stadt 2025 rund 420 Einwohner.

Genau an dieser Stelle wird die Prognose interessant. Sie unterstellt bis 2040 einen konstanten Wanderungsgewinn von gut 1.000 Personen jährlich – also exakt das Niveau von 2025. Selbst unter dieser recht wohlwollenden Annahme bleibt der Saldo in jedem einzelnen Prognosejahr negativ: 2026 mit minus 479 Personen am deutlichsten, danach schwächt sich das Minus ab, bis 2040 nur noch 125 Personen fehlen. Aufsummiert ergibt genau das den Rückgang um 4.663 Menschen. Bricht der Zuzug stärker ein, fällt das Minus entsprechend größer aus.

Die Altersstruktur kippt

Bevölkerung nach Alter und Geschlecht 2025 vs. 2040

Balken: Bestand 2025 · Linie: Prognose 2040 (mittlere Variante)

Daten als Tabelle
AlterMännerFrauenMänner 2040Frauen 2040
0637620718685
1684609702670
2710649687656
3782705678646
4831815672639
5841767669635
6793793669634
7921840670635
8893876672638
9857829675643
10921928679646
11901802683649
12819821688653
13884846695659
14865818703666
15864827698666
16878849748686
17930862830794
18977988992999
191.1371.1981.1781.283
201.2471.4381.3321.444
211.4271.6091.4211.560
221.5671.5851.5631.611
231.5781.5851.6081.618
241.5861.6581.6331.568
251.9051.6581.6731.548
261.7871.6141.6691.462
271.6411.4061.6361.419
281.7151.4381.6301.381
291.6031.2771.5961.341
301.3781.2091.5691.316
311.2861.0881.5451.293
321.2311.0321.5221.262
331.2311.0131.4931.234
341.2771.1471.4801.219
351.8741.5671.4601.219
361.8081.4981.4601.226
371.8101.5111.4561.214
381.7951.5921.4381.214
391.6901.4921.4211.239
401.5931.3811.4681.253
411.4681.4161.4371.258
421.5531.3381.3951.210
431.4891.3441.4051.235
441.4421.3091.3711.189
451.4611.3111.3011.170
461.4021.2291.2611.124
471.3251.2231.2341.104
481.2791.1641.2251.100
491.1011.0521.2301.171
501.0729101.4721.416
519639071.4421.389
529569051.4541.406
531.0361.0501.4481.472
541.2431.1091.4111.418
551.1161.2101.3661.353
561.2571.2011.3101.386
571.2961.2951.3571.342
581.2911.3121.3301.355
591.3761.4151.3051.332
601.4451.4651.3141.344
611.4861.5751.2821.281
621.4351.5991.2371.283
631.4201.4971.2021.244
641.4241.5341.0871.170
651.3891.5321.0631.062
661.3201.5169861.061
671.1451.3939671.057
681.1671.3801.0011.161
691.0941.4551.1221.199
701.1421.4061.0211.266
711.1661.4391.0961.245
721.0871.4701.0961.303
731.0841.4041.0721.299
749641.3541.1021.362
759711.2461.1191.377
768251.1001.1171.434
776879221.0621.423
786409551.0261.318
794216529961.310
804947369461.271
817169958711.220
827001.0947381.094
836631.1297131.042
847941.2476391.041
857481.235622956
866671.106590912
87554954508860
88453823460757
89397679372666
90295550328550
91219440244432
92123260175318
9392224134273
947016577165
955114968144
96429673142
97184654116
9810443686
99115379195
Quelle: Kommunale Statistikstelle Rostock

Am sichtbarsten wird der demografische Wandel dort, wo Kommunalpolitik konkret wird – in Kitas, Schulen, Pflegeheimen. Die Zahl der älteren und hochbetagten Menschen nimmt weiter zu, während sich die jüngeren Altersgruppen schwächer entwickeln als in früheren Prognosen angenommen. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei Kindern im Schul- und Kindergartenalter aus.

Für die Verwaltung sind das keine abstrakten Kurven. Schulentwicklungsplanung, Kita-Bedarfsplanung, Pflegeinfrastruktur, Wohnungsbau und Nahverkehr hängen an diesen Zahlen – Fehleinschätzungen kosten am Ende Millionen.

Als Rostock noch von 230.000 träumte

Ein Blick ins Archiv zeigt, wie stark sich der Blick auf die Zukunft verschoben hat. Im Februar 2016 stellte die Stadt eine Prognose vor, die für 2035 satte 230.945 Einwohner erwartete – ein Plus von rund 25.000 Personen gegenüber den 206.033 Rostockerinnen und Rostockern vom 31. Dezember 2015. Damals rechnete man mit steigenden Geburtenziffern, kräftigem Zuzug und einer spürbaren Zuwanderung Geflüchteter. Seither wurde die Erwartung Schritt für Schritt nach unten korrigiert: 2020 auf 215.802 für das Jahr 2035, 2022 auf 207.293 und 2024 auf 208.236 für 2040. Die aktuelle Zahl fügt sich in diese Reihe ein.

Zehn Jahre lang keine 200.000-Einwohner-Stadt

Historisch betrachtet bewegt sich Rostock ohnehin weit unterhalb seiner Bestmarke. Die 200.000er-Grenze überschritt die Stadt erstmals 1971 mit 201.304 Einwohnern. Von da an ging es fast zwei Jahrzehnte lang nur aufwärts, bis zum historischen Höchststand im Vorwendejahr 1988: 253.990 Menschen lebten damals in Rostock – rund 42.000 mehr als heute.

Danach folgte der Absturz. Arbeitslosigkeit, Abwanderung ins Umland und ein dramatischer Geburtenrückgang kosteten die Stadt binnen 14 Jahren fast ein Viertel ihrer Bevölkerung. Im Jahr 2000 rutschte Rostock mit 197.769 Einwohnern erstmals seit 1971 wieder unter die symbolische Marke von 200.000. Den Tiefpunkt markiert das Jahr 2002 mit 194.978 Einwohnern – so wenige wie zuletzt Ende der 1960er-Jahre.

Der Weg zurück dauerte lange: Ganze zehn Jahre lang, von 2000 bis 2009, war Rostock rechnerisch keine 200.000-Einwohner-Stadt mehr. Erst 2010 knackte die Hansestadt die Marke wieder – mit 200.621 Personen. Danach folgte eine lange Wachstumsphase bis zum vorläufigen Höchststand von 211.993 Einwohnern im Jahr 2024. Sollte die Prognose eintreffen, läge Rostock 2040 mit rund 207.000 Menschen ungefähr dort, wo die Stadt schon 2016 stand.