Sonnenfinsternisse über Deutschland sind meist eine Sache für Statistiker: ein kleiner Biss aus der Sonnenscheibe, hoch am Himmel, schnell vorbei. Diesmal nicht. Am 12. August schiebt sich der Mond vor über 80 Prozent der Sonne. So tief war die Sonne über Deutschland seit 1999 nicht mehr verdeckt — bei uns an der Küste war es zuletzt 2015 ähnlich viel. Und das Beste: Kaum irgendwo lässt sich das Schauspiel so gut verfolgen wie hier bei uns, mit freiem Blick über die Ostsee.

Sonnenfinsternis in Warnemünde – Ablauf und Zeiten

Die Sonne sinkt vom Westen zum Westnordwesten und wird dabei zunehmend vom Mond bedeckt: erster Kontakt 19:13 Uhr, größte Verfinsterung um 20:06 Uhr mit 80 Prozent der Sonnenfläche in nur 5,1 Grad Höhe, Untergang um 20:49 Uhr — noch angebissen.
Verlauf der Sonnenfinsternis am 12. August 2026 in Warnemünde – die tiefste Finsternis seit 1999. Betrachtet man den Durchmesser beträgt die Bedeckung sogar rund drei Prozent mehr als bei der Fläche.

Um 19:13 Uhr knabbert der Mond die Sonnenscheibe erstmals an, da steht die Sonne noch gut sichtbar fast genau im Westen. Bis zum Höhepunkt um 20:06 Uhr wandert sie weiter nach Westnordwesten und sinkt dabei immer tiefer. Von der Sonne bleibt dann nur eine schmale Sichel, die knapp über dem Wasser schwebt – und um 20:49 Uhr versinkt sie, noch immer angebissen, im Meer. Das rechnerische Ende der Finsternis findet bereits unter dem Horizont statt.

Genau diese Tiefe macht den Unterschied zwischen einem guten und einem verpassten Abend. Zum Höhepunkt steht die Sichel nur noch etwa drei fingerbreit (am ausgestreckten Arm) über dem Horizont. Im Binnenland reicht jede Baumreihe, jede Häuserzeile, um sie zu verdecken. Am Warnemünder Strand dagegen liegt in Blickrichtung nichts als die Ostsee.

Ereignis

Zeit (MESZ)

Sonnenhöhe

Azimut

Richtung

Beginn (erster Kontakt)

19:13

12,6°

278,1°

Westen

Maximum (80 % bedeckt)

20:06

5,1°

288,6°

Westnordwesten

Sonnenuntergang

20:49

−0,2°

297,1°

Westnordwesten

Rechnerisches Ende

ca. 20:54

-

-

bereits untergegangen

Beobachten und Augen schützen

Den besten Blick auf das Himmelsspektakel hat man in Warnemünde von der Westmole aus und natürlich vom langen breiten Strand – betretet aber bitte nicht die geschützten Dünen! Stellt euch an den Strand, Blick aufs Wasser – die Sonne steht dann schräg links über der offenen See und wandert im Lauf des Abends von West nach Westnordwest. Kommt früh, am besten schon vor 19:13 Uhr. Zwischen Maximum und Sonnenuntergang bleiben nur 43 Minuten, in denen die Sichel sichtbar tiefer sinkt – der spannendste Teil des Abends.

Unbedingt die Augen schützen

Auch eine zu 80 Prozent bedeckte Sonne verbrennt ungeschützt die Netzhaut. Nötig ist eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille nach ISO 12312-2. Sonnenbrillen, berußte Gläser, Rettungsdecken oder belichtete Filme reichen nicht. Wollt ihr durch Kamera, Fernglas oder Teleskop schauen, braucht ihr einen geeigneten Filter vor dem Objektiv – eine Finsternisbrille hinter dem Fernglas schützt nicht, im Gegenteil. Ausführliche Hinweise gibt das Bundesamt für Strahlenschutz.

Bleibt jetzt nur noch, auf klaren Himmel zu hoffen. Und falls doch Wolken tief über dem Meer hängen: Die Brille habt ihr nicht umsonst gekauft. Schon am Vormittag des 2. August 2027 gibt es die nächste „SoFi", wie Fans die Sonnenfinsternis liebevoll abkürzen – an der Ostseeküste mit rund einem Drittel der Sonnenfläche zwar deutlich bescheidener, aber allemal einen Blick wert.

Danach: Sternschnuppen satt

Polarlicht über der Ostsee vor Warnemünde: Direkt über dem Horizont liegt ein gelbgrünes Leuchtband, darüber färbt sich der gesamte Himmel kräftig magenta, durchzogen von senkrechten Strahlen; rechts steht ein besonders heller rosa Beamer. Links oben zieht eine Perseiden-Sternschnuppe einen feinen weißen Strich. Die spiegelglatte See wirft die Farben zurück, am Horizont die Lichter einzelner Schiffe auf Reede. Vorn dunkle Dünen mit Strandhafer, zwei Buhnenreihen ragen ins Wasser.
Am 12. August 2026 kommt beides zusammen: abends die Sonnenfinsternis, in der Nacht darauf das Maximum der Perseiden-Sternschnuppen. Am 13. August 2024 gab es auch Polarlicht.Foto: Archiv

Wer nach Sonnenuntergang am Strand bleibt, wird belohnt. In derselben Nacht erreichen die Perseiden ihr Maximum, der ergiebigste Sternschnuppenstrom des Jahres. Und weil um 19:37 Uhr Neumond war, stört später kein Mondlicht am Himmel – dunkler werden Perseidennächte nicht. Erst die halb verfinsterte Sonne im Meer, dann Sternschnuppen über der Ostsee: Der 12. August hat das Zeug zum schönsten Himmelsabend des Jahres.

Wie entsteht eigentlich eine Sonnenfinsternis?

Eine Sonnenfinsternis gibt es nur bei Neumond: Sonne, Mond und Erde stehen dann annähernd auf einer Linie, und der Mond wirft seinen Schatten auf die Erde.

Dass dies nicht jeden Monat passiert, liegt an der leicht gekippten Mondbahn – meist zieht der Schatten oberhalb oder unterhalb der Erde vorbei. Und dass der kleine Mond die riesige Sonne überhaupt verdecken kann, ist ein kosmischer Zufall: Er ist rund 400-mal kleiner, steht uns aber auch rund 400-mal näher, sodass beide am Himmel fast gleich groß erscheinen.

Wo der Kernschatten die Erde trifft, wird die Sonne komplett verdeckt – am 12. August ist das in Teilen Spaniens, Grönlands und Islands der Fall. Warnemünde streift nur der Halbschatten, deshalb sehen wir hier eine partielle Finsternis: Der Mond schiebt sich vor einen Teil der Sonne, ohne sie ganz zu verdecken.