Wie klingt Goethe? – AIDA Konzerte für Teens

Norddeutsche Philharmonie Rostock spielt Beethoven und Dukas für Tausende Rostocker Schüler

18. März 2011, von

Wie klingt Goethe? Mit einer Testfrage eröffnete der 1. Kapellmeister der Norddeutschen Philharmonie Rostock Manfred Hermann Lehner die diesjährigen AIDA Konzerte für Teens.

Würden die rund tausend Schüler in der Scandlines Arena die Textvorlagen für Beethovens „Egmontouvertüre“ und den „Finalsatz der 9. Sinfonie“ dem richtigen Dichter zuordnen? Letzteres war den Reaktionen des jungen Publikums nach deutlich bekannter, aber die „Ode an die Freude“ war schließlich von Schiller, das wussten viele. Also stammt das erste Klangbeispiel wohl von Goethe. Bingo!

Egmont, ein eher selten gespieltes Drama Goethes, bildete die Grundlage für Beethovens Schauspielmusik. „Die Ouvertüre ist unglaublich berühmt und wird heute an jeder Ecke noch gespielt“, regte der Dirigent die jungen Leute zum Ohrenspitzen an. Und wer genau hinhöre, der weiß eigentlich schon durch diese instrumentale Einleitung, wie es ausgeht, so Manfred Hermann Lehner.

Norddeutsche Philharmonie Rostock spielt Konzerte für Teens in der Scandlines Arena
Norddeutsche Philharmonie Rostock spielt Konzerte für Teens in der Scandlines Arena

Doch um das herauszubekommen, bedarf es bei dem einen oder anderen sicherlich noch etwas an Übung. Also erklärte der Kapellmeister, worin sich die beiden gegensätzlichen Themen unterscheiden und wofür sie stehen. Auch auf den Klang der zärtlichen Liebe zwischen Egmont und Clärchen sowie das Kopf-ab-Motiv, das den Tod der Hauptfigur andeutet, machte er aufmerksam, bevor das Orchester schließlich die Ouvertüre im Ganzen vorstellte.

So gut wie gar nicht zu hören bekommt man hingegen das Melodram aus Beethovens Schauspielmusik zu Egmont, welches die Norddeutsche Philharmonie ebenfalls für das Konzert vorbereitet hatte.

Auch der zweite Teil des Konzertes befasste sich mit einem Musikstück, das von einer Textvorlage Goethes inspiriert wurde. Doch bevor sich das Orchester der Ballade „Der Zauberlehrling“ in der musikalischen Fassung von Paul Dukas widmete, waren die Schüler selbst gefragt, musikalisch in Erscheinung zu treten.

Zum Glück kannten so gut wie alle anwesenden Schüler das Gedicht und „mussten“ es sogar auswendig lernen. Beste Voraussetzungen also, um den Refrain gemeinsam zu rappen. Nach ein paar Übungsdurchläufen, in denen das Tempo und die Lautstärke immer weiter nach oben getrieben wurden, entstand so ein beeindruckender durch das Orchester mit sinfonischer Musik unterlegter Zauberlehrlingsrap, was auch bei den Teens ausgesprochen gut ankam und mit viel Beifall belohnt wurde.

Manfred Hermann Lehner
Manfred Hermann Lehner

„Die jungen Leute reagieren sehr stark auf Rap und Mitmachen“, beobachtet Manfred Hermann Lehner, der bereits im letzten Jahr die Konzerte für Teens dirigierte, immer wieder. „Mit Beethovens dramatischen Stellen und da, wo es kracht und etwas passiert, erreicht man sie. Mit leisen Tönen ist es ganz schwer.“ Der Zugang zur klassischen Musik werde aufgrund der Bildungssituation für Jugendliche immer schwieriger, schätzt der 37-jährige Musiker ein: „Wir tun es gern, aber wir kämpfen auch gegen enge Stundenpläne, das Freizeitangebot, Handys und iPhones. Aber es ist die Mühe wert.“

6000 Schüler haben insgesamt in den letzten beiden Tagen an einem der sechs Konzerte in der Scandlines Arena teilgenommen. Die Sechst- bis Elfklässler kamen dabei überwiegend aus Rostocker Schulen. Aber auch aus Sanitz und Rövershagen reisten Schüler zum Sinfoniekonzert. Initiiert wurde dieses Angebot vom Schulamt, um einmal im Jahr breitenwirksam die Jugendlichen mit klassischer Musik in Berührung zu bringen.

„Ich glaube nicht, dass man alle erreicht. Aber bei einem kleinen Teil hat man schon etwas gewonnen“, schätzt der Dirigent die Wirksamkeit dieser Massenveranstaltung ein, bei der es hier und da schon recht unruhig in den Reihen wurde.

Lucas und Alex
Lucas und Alex

Bei Lucas und Alex, zwei dreizehnjährigen Schülern der Heinrich-Schütz-Schule, ist dies offensichtlich gelungen. „Ziemlich cool“, fand zumindest Alex das Konzert der Norddeutschen Philharmonie. Auch sein Freund Lucas pflichtet ihm bei. Er kennt klassische Musik vor allem durch seine Oma und spielt sogar selbst Gitarre.

„Ich glaube schon, dass es den Schüler gefallen könnte“, ist auch die Koordinatorin dieser Veranstaltung Madelaine Blaudzun überzeugt. „Das Problem ist, dass man erst mal zuhören muss, um die Musik wahrzunehmen. Es ist auch eine Frage der Hörgewohnheiten“, so die Musiklehrerin vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium.

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