Warnemünde plant Neugestaltung des Kirchenplatzes

Von dem Problem, viele Vorstellungen unter einen Hut zu bringen

23. Mai 2012, von
Der (alte) Kirchenplatz in Warnemünde
Der (alte) Kirchenplatz in Warnemünde

Hitzig war es gestern in Warnemünde, und das lag nicht nur am sommerlichen Wetter. Zum zweiten Mal lud das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft ein, um über die Zukunft des Kirchenplatzes zu sprechen. Fest steht, dass dieser im nächsten Jahr grundlegend erneuert werden soll. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, in dem es nur mit kleinen Schritten vorangeht, denn die Vorstellungen und Wünsche von ungefähr 180 Anliegern sollen darin verwirklicht werden.

„Unser Ziel ist ein offener und bürgernaher Planungsprozess“, erklärt Anja Epper von der Stadtverwaltung. Dazu gab es bereits Anfang März zwei nicht öffentliche Treffen mit den Mietern, Eigentümern und Gewerbetreibenden, in denen Prioritäten und Ziele für das weitere Vorgehen erarbeitet wurden. Kernpunkte, auf die man sich dort verständigt hatte, waren eine Reduzierung der Parkplätze, mehr Grün, Schaffung von Freiflächen für verschiedene Aktivitäten und eine Stärkung der Fußgängerfunktion auf dem gesamten Platz.

Landschaftsplaner Hannes Hamann vor einem Entwurf des Kirchenplatzes
Landschaftsplaner Hannes Hamann vor einem Entwurf des Kirchenplatzes

Diese Vorstellungen hat Landschaftsplaner Hannes Hamann in vier verschiedene Entwürfe umgesetzt, die gestern im Technologiezentrum präsentiert und diskutiert werden sollten. Doch die Ideen hatten mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. So wurden die momentan noch 130 Parkplätze in allen Fällen stark reduziert und allein auf die Ostseite der Kirche gelegt. Gleichzeitig sollen die Bürgersteige verbreitert werden, um mehr Platz für Außengastronomie zu haben und eine Fläche für besondere Aktivitäten wie den Weihnachtsmarkt zu schaffen. Alle Entwürfe setzen zudem auf eine starke Aufstockung des Baumbestandes durch Neupflanzungen.

Planungswerkstatt zur Gestaltung des Kirchenplatzes
Planungswerkstatt zur Gestaltung des Kirchenplatzes

Doch schon diese Bäume sind ein Hauptstreitpunkt in der Diskussion um die Zukunft des Kirchenplatzes. Einige Anwohner kritisierten, dass in den Entwürfen zu viele Bäume vorgesehen seien. Doch nicht nur die Menge der Begrünung wirft Fragen auf, sondern auch der Umgang mit dem jetzigen Bestand. Ein Baumgutachten zeigte, dass die 18 Bäume, die sich im Moment auf dem Platz befinden, in einem sehr schlechten Zustand sind. So ist geplant, höchstens sechs davon zu erhalten, was zu Kritik führte, weil alte Bäume einen höheren ökologischen Wert hätten.

Und auch die anderen Punkte wurden nicht weniger kontrovers besprochen. Besonders strittig waren auch die Parkplätze. Zu wenig? Zu viel? Mehr links? Oder doch ganz anders? Hier zeigte sich besonders gut, wie sehr die verschiedenen Vorstellungen auseinandergehen. Die Anwohner begrüßten natürlich die Reduzierung des Verkehrs, die Gewerbetreibenden fürchteten dadurch jedoch Gewinneinbußen.

Verschiedene Fragen wurden bearbeitet
Verschiedene Fragen wurden bearbeitet

So wurde lange diskutiert, Vorteile wurden abgewogen und am Ende alles zusammengetragen. Das führte aber noch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Erst einmal sollen auch die fehlenden Warnemünder die Möglichkeit bekommen, sich zu äußern. Alles wird dann im Sommer ausgewertet und wahrscheinlich in einem ganz neuen, oder stark angepassten Konzept verarbeitet werden. Erst wenn irgendwann ein konkreter Vorschlag vorliegt, soll über die Finanzen geredet werden. Auch das sorgte für Kritik: „Wie können wir über die Sanierung sprechen, wenn wir nicht wissen, ob wir uns das leisten können“, fragte eine Anwohnerin.

Ja, so eine Bürgerbeteiligung ist kein einfacher Prozess. Gerade bei 180 Betroffenen gehen Wünsche und Vorstellungen sehr weit auseinander. Trotzdem bleibt es spannend zu beobachten, wie sich das Projekt Kirchenplatz weiter entwickelt und ob wirklich im nächsten Jahr mit dem Umbau begonnen werden kann. Vielleicht setzt sich auch eine ganz verrückte Idee durch. Wie wäre es, die Kirche abzubauen? Dann wäre auf jeden Fall genug Raum für Parkplätze, Bäume und den Weihnachtsmarkt.

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