Spaziergang über die Ostsee: Tagestour nach Dänemark

Mit Bus und Fähre von Rostock ins dänische Mittelalterzentrum Nykøbing

19. August 2010, von
Scandlines Fähre Richtung Dänemark
Scandlines Fähre Richtung Dänemark

Wie oft habe ich schon in Warnemünde am Strand gesessen und den großen Fähren sehnsüchtig hinterher geträumt, wenn sie die Warnowmündung passierten. Ach, da müsste man mal mitfahren. Ein Kurztrip nach Skandinavien – das wär doch mal was!

Aber ohne Auto? Wie soll man da zum Fährhafen kommen und wie kommt man vom Hafen zum Zielort weiter? Na klar, mit Bus oder Bahn.

Das bedeutet aber, mindestens drei verschiedene Fahrpläne herauszusuchen, drei verschiedene Tickets zu kaufen (womöglich auch noch in verschiedenen Sprachen und Währungen) und ganz viel Geduld für Fahrt- und Wartezeiten aufzubringen. Viel zu kompliziert – das muss doch auch einfacher gehen.

Mittelalterzentrum in Nykobing
Mittelalterzentrum in Nykobing

Geht es auch! Am Dienstag habe ich es ausprobiert, dank eines Aktionsangebotes, welches der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling und sein Kollege John Brædder, Bürgermeister der dänischen Gemeinde Guldborgsund, initiiert haben. Und so habe ich mich nicht nur auf die Fahrt in ein fernes Land hinter dem Horizont begeben, sondern auch eine höchst interessante Zeitreise unternommen, die mich ins mittelalterliche Dänemark führte.

Fährterminal in Rostock
Fährterminal in Rostock

Morgens um 7:40 Uhr ging es los, mit einem Stadtbus, der ohne Zwischenstopp direkt von der Bushaltestelle „Kröpeliner Tor“ zum Seehafen fuhr. Beim Fährterminal war dann ab 8:15 Uhr Zeit zum einchecken. Eine halbe Stunde hieß es warten, ehe der Terminalbus uns zur Fähre brachte, die pünktlich um 9 Uhr ablegte. Nach einer Stunde und 45 Minuten Seefahrt machte die „Kronprins Frederik“ in Gedser fest. Dort wartete schon ein Reisebus für die Weiterfahrt ins Mittelalterzentrum nach Nykøbing, welches wir gegen 11:45 Uhr erreichten.

Schmied im Mittelalterzentrum Sundkøbing
Schmied im Mittelalterzentrum Sundkøbing

Mehr als vier Stunden hatte ich nun Zeit, ins dänische Mittelalter einzutauchen und Sundkøbing zu entdecken. Sundkøbing ist die Nachbildung einer kleinen Stadt, wie sie etwa um 1400 ausgesehen haben könnte. Häuser, Schiffe, selbst die kleinsten Details sind nach heutigem Wissen authentisch rekonstruiert worden.

Es gibt keine Museumstafeln, auf denen nachzulesen ist, was man sieht. Mit allen Sinnen sollen die Besucher erleben, wie es im Alltag der Menschen im Mittelalter zuging. Und wenn doch mal eine Frage entsteht, kann sie vielleicht ein Bewohner von Sundkøbing beantworten.

Allerdings kennen sie weder Autos noch Handys und glauben auch, dass die Erde flach wie ein Pfannkuchen sei. In ihrer originalgetreuen Kleidung lassen sie sich bei der Ausübung ihres Handwerkes beobachten. Sogar an den Kochstellen brutzelt Feuer, über dem warme Suppen zubereitet werden.

Höhepunkt des Tages im Mittelalterzentrum ist sicherlich für viele das Ritterturnier. Hier wird gezeigt, wie sich die Edelmänner auf sportliche Weise ihre Zeit vertrieben. Auch die Demonstration der großen Schleudern und das Bogenschießen waren beliebte Anlaufpunkte bei den Besuchern von Sundkøbing.

Mittelalterliches Handwerkerhaus
Mittelalterliches Handwerkerhaus

Um 16 Uhr war es dann wieder Zeit für den Weg zurück, zurück in die Zukunft, ins Rostock des Jahres 2010. Bus, Fähre, Bus – pünktlich um 19:25 Uhr war ich wieder an der Haltestelle „Kröpeliner Tor“. Für die gesamte Strecke inklusive Eintritt ins Mittelalterzentrum habe ich nur ein Ticket benötigt.

Lust bekommen? Am 19., 24. und 26. August gibt es weitere Touren. Tickets sind bei Scandlines erhältlich – Kostenpunkt: 14 Euro für Erwachsene oder 39 Euro für ein Familienticket (max. 2 Erwachsene und 3 Kinder bis 11 Jahre).

Leuchturm in Rostock-Warnemünde
Leuchturm in Rostock-Warnemünde

Dieses Aktionsangebot für Fußgänger ist ein Testlauf innerhalb eines Projektes namens Interface. Deutsche, Dänen, Schweden und Polen haben sich dafür zusammengetan, um Potentiale für Fußgängerfährpassagiere in der südlichen Ostsee zu ermitteln und attraktive Angebote zu entwickeln.

Ein Schwerpunkt liegt dabei in Rostock, wo sich Stadtverwaltung, Hafen- und Entwicklungsgesellschaft, Verkehrsverbund Warnow, Scandlines und TT-Line an diesem Projekt beteiligen.

Gerade in Rostock sollen noch Hemmnisse abgebaut werden, die die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrssystems behindern. Dafür will man die Fahrpläne von Bus, Fähre und Bahn besser aufeinander abstimmen und Kombitickets anbieten. Schon ab Mai nächsten Jahres ist ein Shuttlebus von der Rostocker Innenstadt zum Fährterminal im Seehafen geplant.

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