Schmarl, Groß Klein, Toitenwinkel und Dierkow

Stadtteilrundfahrt zur Imagekampagne „Ein schönes Stück Rostock“

30. September 2010, von
Hochhaus in Dierkow
Hochhaus in Dierkow

Grau in grau, so stellt sich der ein oder andere vielleicht eine Stadtrundfahrt durch Wohnviertel, die von Plattenbauten aus den 70er und 80er Jahren geprägt sind, an einem verregneten Herbsttag vor. Am Montag war so ein Tag.

Eine lückenlose graue Wolkendecke, aus der es ständig nieselte, hatte sich über der Stadt ausgebreitet. Was für eine Trostlosigkeit, wenn es nicht die bunten Häuser in Schmarl, Groß Klein, Toitenwinkel und Dierkow geben würde.

Von grau in grau konnte jedenfalls keine Rede sein auf der Stadtteilrundfahrt, zu der anlässlich der diesjährigen Imagekampagne „Ein schönes Stück Rostock“ die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH (RGS) einlud.

Jörg Overschmidt in Schmarl
Jörg Overschmidt in Schmarl

Die bunten Farben der Fassaden kombiniert mit dem Herbstlaub hoben sich wohltuend vom trüben Einheitsgrau des Himmels ab. Dafür wurde in den letzten zwei Jahrzehnten viel getan. Förderprogramme wie „Stadtumbau Ost“ (12,2 Millionen Euro inkl. Evershagen) und „Die soziale Stadt“ (16,01 Millionen) haben dazu beigetragen, dass der Wohnungsbestand saniert und das Wohnumfeld verbessert werden konnte.

Hochhaus in Groß Klein
Hochhaus in Groß Klein

Hatten die Bewohner bis vor etwa fünf Jahren die Viertel noch scharenweise verlassen, so stabilisieren sich die Einwohnerzahlen mittlerweile. Auch weil einige Hochhäuser zurückgebaut wurden, stehen nicht mehr so viele Wohnungen leer wie früher.

Schmarl, Groß Klein, Toitenwinkel und Dierkow gewinnen wieder an Attraktivität. Diese entsteht nicht nur durch die augenscheinliche Aufwertung von Gebäuden und Außenanlagen. „Viele soziale Projekte wie Küchen, Kochkurse oder Existenzgründerinitiativen sind nicht sichtbar “, wies Jörg Overschmidt hin, als die Fahrt durch Schmarl führte.

In diesem Stadtteil ist der Mitarbeiter der RGS Quartiermanager und koordiniert die Projekte der Stadtteilentwicklung. Stolz zeigte er den modernisierten Schulkomplex in der Stephan-Jantzen-Straße, eine Sporthalle und das Stadtteil- und Begegnungszentrum „Haus 12“, wohin in den letzten Jahren Millionensummen geflossen sind. Aber es bleibt auch noch einiges zu tun. Eine zentrale Aufgabe steht noch im Rückbau des alten Gewerbekomplexes „Schmarler Landgang“ und der Gestaltung zu einer Grünfläche an, gab Jörg Overschmidt einen Ausblick auf zukünftige Projekte.

Monika Schneider in Groß Klein
Monika Schneider in Groß Klein

Seine Kollegin Monika Schmidt war hingegen schon recht zufrieden. „Groß Klein ist eigentlich schon richtig schön geworden durch die Baumaßnahmen der letzten Jahre“, meint die Quartiermanagerin des Stadtteils, welches nördlich an den IGA-Park angrenzt.

Groß Klein wird als Erstes wieder aus dem Programm „Die soziale Stadt“ herausgehen. Eines der größten Projekte in diesem Teil Rostocks war der Umbau einer Schule zum Stadtteil- und Begegnungszentrum „Börgerhus“ sowie die Gestaltung der umliegenden Freiflächen, die zu einem beliebten Treffpunkt für die Bewohner Groß Kleins geworden sind.

schaukel
schaukel

Auch die zehnjährige Celin und die elfjährige Caro fühlen sich hier wohl. Selbst bei trübem Wetter spielen sie lachend auf der Schaukel. „Hier kann man viel machen“, sind sich die beiden einig. „Warnemünde ist auch in der Nähe.“

Anschließend führte die Stadtteilrundfahrt durch den Warnowtunnel, an einem Gewerbegebiet vorbei in den Osten Rostocks nach Toitenwinkel. Hier ist Jens Anders von der Vereinigten Bürgerinitiative Toitenwinkel e.V. der zuständige Quartiermanager. Den Reiseteilnehmern zeigte er die neu gestaltete Fassade der Kita „Zwergenhaus“ und den idyllischen Teich am Friedensforum.

Jens Anders in Toitenwinkel
Jens Anders in Toitenwinkel

Hierbei handelte es sich um sogenannte Bürgerprojekte. Dafür werden jeweils etwa 50.000 Euro für ein Vorhaben bereitgestellt, an dessen Gestaltung sich die Einwohner aktiv beteiligen.

Aber auch in Toitenwinkel gibt es noch graue Flecken. Wie zum Beispiel eine Supermarktruine in der Pablo-Picasso-Straße. „Im Moment kommen wir mit dem Eigentümer nicht weiter“, ärgert sich der Quartiermanager. „Aber allen ist der Zustand ein Dorn im Auge.“

Hochhaus in Dierkow
Hochhaus in Dierkow

Auch in Dierkow ist noch nicht alles picobello. Aber die gärtnerisch-künstlerische Umsetzung des Labyrinths als Stadtteillogo im Rahmen der Gestaltung großer Freiflächen vor allem im Randbereich des Stadtteils kann sich sehen lassen. Eine positive Entwicklung hat auch der Hannes-Meyer-Platz genommen, betont Quartiermanager Christian Hanke. Auf Wunsch der Bürger konnte hier sogar ein Wochenmarkt etabliert werden.

„Ohne die Wohnungswirtschaft würde es nicht funktionieren, die Wohnbedingungen hier zu verbessern“, würdigte Reinhard Wolfgramm, Geschäftsführer der RGS, den Einsatz der in den vier Stadtteilen aktiven Wohnungsgesellschaften.

Christian Hanke und Roland Mehling
Christian Hanke und Roland Mehling

Auch wenn durch die Stadtteilrundfahrt deutlich wurde, wie viel bereits in Schmarl, Groß Klein, Toitenwinkel und Dierkow erreicht wurde, sieht Reinhard Wolfgramm die Ankündigung der Bundesregierung die Städtebauförderung zu kürzen kritisch. „Mit einer Halbierung hat niemand gerechnet“, sagte der RGS-Geschäftsführer.

Die Städtebauförderungsprogramme werden jeweils zu einem Drittel vom Bund, vom Land und von der Stadt finanziert. Sie wirken sich auch unmittelbar auf das Umfeld aus, da vor allem lokale Handwerker und Firmen engagiert werden.

Spielplatz in Groß Klein
Spielplatz in Groß Klein

„20 Millionen Euro werden im nächsten Jahr aus dem Vermögen der Hansestadt eingeplant“, informierte Oberbürgermeister Roland Methling auf der Tour. Besonders freut ihn, dass zunehmend Einrichtungen entstehen, die den Bürger direkt erreichen.

Vom 4. bis 19. Oktober wird es im Rahmen der diesjährigen Imagekampagne „Ein schönes Stück Rostock“ in Schmarl, Groß Klein, Toitenwinkel und Dierkow eine Reihe von Kultur- und Informationsveranstaltungen geben.

Schlagwörter: Börgerhus (5)Dierkow (182)Groß Klein (164)RGS (31)Schmarl (115)Stadtentwicklung (25)Toitenwinkel (157)

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1 Kommentar

  • Annett sagt:

    Ich bin gebuertiger Fishkopp der in 2001 nach Amerika ausgewandert ist… ich habe es ein Ritual gemacht meinen Kindern zu zeigen wo ich her komme und wo mein grosse geboren wurde… die Bilder von Dierkow tun mir in der Seele weh, besonders das eine mit dem Abriss Bagger… ich habe in dem abgerissenen Teil gewohnt… schon damals war Dierkow „ein grausamer Ort“, das ist was ich oft hoerte wenn ich gefragt wurde wo ich leben wuerde… meiner Tochter und mir hat es nicht geschadet and bis heute hab ich heimweh nach den kleinen Parks zwischen den Bloecken und den Spielplaetzen wo ich stundenlang mit meiner Tochter gesessen habe… es ist schoen zu sehen das noch einige gibt die die Hoffnung nicht aufgegeben haben… weiter so :)

    Annett aus Amerika

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