Stena Line zieht von Rostock nach Hamburg

Stena Line verlagert seinen Unternehmenssitz von Rostock nach Hamburg und flaggt die Fähre „Mecklenburg-Vorpommern“ ins schwedische Register um

2. Dezember 2020
Stena Line zieht von Rostock nach Hamburg und flaggt die Fähre Mecklenburg-Vorpommern um (Foto: Archiv)
Stena Line zieht von Rostock nach Hamburg und flaggt die Fähre Mecklenburg-Vorpommern um (Foto: Archiv)

Die Stena Line GmbH & Co. KG plant zum Frühjahr ihren Unternehmenssitz von Rostock nach Hamburg zu verlagern und dort ihr kommerzielles Geschäft zu konzentrieren. Mit der geplanten Verlagerung der Kundendienste zum Schwesterunterunternehmen Baltic RoRo Services GmbH soll ebenfalls die operative Einheit im Konzern gestärkt werden. Die Stena Line Gruppe plant, die Fähre Mecklenburg-Vorpommern vom deutschen ins schwedische Register umzuflaggen und künftig von der Stena Line Scandinavia AB betreiben zu lassen. Allen Mitarbeitern*innen an Bord der Mecklenburg-Vorpommern werden Arbeitsverträge bei der Stena Line Scandinavia AB angeboten. Der Routenbetrieb geht unverändert weiter.

„Mit den geplanten Veränderungen passen wir uns an die sich ändernden Marktbedingungen an und konzentrieren unser kommerzielles Geschäft in Hamburg. Hamburg ist einer der weltweit führenden Standorte der maritimen Wirtschaft, logistischer Knotenpunkt inmitten Europas und einer der am stärksten wachsenden Wirtschafts- und Digitalstandorte Deutschlands. Da wir im Frachtbereich zukünftig noch stärker auf integrierte Logistikkonzepte, intermodale Angebote und Transportketten aus einer Hand setzen, schafft die Nähe zu weiteren Unternehmen des Stena-Konzerns wie etwa Stena Glovis (Hamburg) und Stena Logistics GmbH (Bremen) Potentiale für eine noch engere Kooperation“, sagt Ron Gerlach, Trade Director und Geschäftsführer Stena Line Deutschland und ergänzt: „Wir freuen uns darauf, von Hamburg aus das Deutschlandgeschäft von Stena Line kommerziell auf die Zukunft einstellen zu können, um an den Traditionsstandorten Rostock, Travemünde und Kiel das Kerngeschäft – effiziente, kundenfreundliche Fährtransporte – weiter wachsen zu lassen und somit langfristig zu sichern.“

Mit der geplanten Auslagerung und Ausweitung des operativen Geschäfts zur Baltic RoRo Services GmbH (ebenfalls Teil der Stena Line Gruppe), fokussiert sich Stena Line auf den Kernbetrieb des Unternehmens an den Abfahrtshäfen in Deutschland: erstklassige, effiziente und flexible Fähr- und Hafendienstleistungen vor Ort für Passagiere und Frachtkunden. Baltic RoRo Services erbringt als eigenständiges Unternehmen Stauerei- und Check-In Dienstleistungen für Stena Line und Drittkunden.

Dazu Ron Gerlach: „Unsere von Deutschland ausgehenden Routen Kiel-Göteborg, Rostock-Trelleborg und Travemünde-Liepaja sind Vorzeigedienste in unserem europaweiten Routennetzwerk und werden in bewährter Stena Line-Qualität weiter betrieben. Über die Baltic RoRo Services planen wir zukünftig eine starke Präsenz in Rostock und Kiel zu etablieren und kundenfreundlich sowie hochqualitativ an der Kaikante unseren Service anzubieten.

Stena Line kündigt ebenfalls ihre globale Flaggenstrategie an, mit dem Ziel die Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten, Komplexität zu reduzieren und die Flexibilität im Netzwerk zu erhöhen. Im ersten Schritt plant Stena Line die Umflaggung der Fähre Mecklenburg-Vorpommern ins schwedische Register.

Quelle: Stena Line Group

Die Gewerkschaft EVG hat die Ankündigung der Stena Line, das Fährschiff „Mecklenburg-Vorpommern“ künftig unter schwedischer Flagge fahren zu lassen, ebenso scharf kritisiert, wie die Verlagerung des Geschäftssitzes von Rostock nach Hamburg. „Das ist ein ganz klarer Wortbruch“, machte die Leiterin der EVG-Geschäftsstelle Rostock, Anke Brauer deutlich. „Als im Frühjahr die Sassnitz umgeflaggt wurde, hieß es, das sei ein Einzelfall. Uns wurde zugesichert, dass die Mecklenburg-Vorpommern weiterhin im deutschen Schiffsregister bleiben würde. Jetzt wissen wir: das war nie die Absicht“, stellte die EVG-Geschäftsstellenleiterin fest. „Vermutlich hat die Geschäftsführung festgestellt, dass sich der Betrieb unter schwedischer Flagge besser rechnet und hat sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen“, machte sie deutlich.

„Für uns ist das nicht akzeptabel. Wir sehen keine Notwendigkeit für die angekündigten Veränderungen und lehnen diese entschieden ab“, erklärte Anke Brauer. „Unsere Betriebsräte sind gerade erst informiert worden, wir stehen mitten in Tarifverhandlungen, zudem gibt es zudem noch viele rechtliche Fragen, die ungeklärt sind – da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, stellte sie fest..

„Sollte Stena Line seine Pläne gegen unseren Widerstand durchsetzen, erwarten wir eine maximale Absicherung unserer Kolleginnen und Kollegen, indem beispielsweise die deutschen Tarifverträge weiterhin angewendet werden. Zugleich fordern wir, dass die bisherigen Sozialleistungen weiter gewährt werden. Und dass unsere Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen, etwa dem Check In Bereich, ebenfalls abgesichert werden und bei Übertritt in das Tochterunternehmen nicht schlechter gestellt werden“, erklärte Anke Brauer.

„Es kann nicht sein, dass die Geschäftsführung die Gewinne maximiert und unsere Kolleginnen und Kollegen dafür die Zeche zahlen sollen. Das ist mit uns nicht zu machen. Wir erwarten einen fairen Personalübergang“, so Anke Brauer.

Die Leiterin der EVG-Geschäftsstelle Rostock forderte für den Fall der Umsetzung einen angemessenen Sozialplan für alle Beschäftigten, die die angekündigten operativen Veränderungen nicht mitmachen könnten oder wollten. „Wer beispielsweise seinen Lebensmittelpunkt in Rostock hat und künftig in Hamburg arbeiten soll, ohne zu wissen welche Aufgaben er dort wie lange wahrnehmen soll, wird sich vermutlich um eine neue berufliche Perspektive bemühen“, stellte Anke Brauer fest.

„Diese unzureichende Kommunikation ist etwas, was uns ungemein ärgert. So darf man mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einfach nicht umgehen“, kritisierte Anke Brauer. Wieder einmal würden die Beschäftigten aus der Presse von Veränderungen erfahren. Wobei alle, die auf See sind, erst einmal ahnungslos blieben. „Konkrete Angaben, wie die jetzt verkündeten Pläne umgesetzt werden sollen, lassen auf sich warten – und das alles kurz vor Weihnachten. Das ist einfach unmöglich“, stellte die EVG-Geschäftsstellenleiterin fest.

Die EVG erwartet von der Geschäftsführung der Stena Line eine umfassende Absicherung der Beschäftigten im Hinblick auf die angekündigten operativen Veränderungen. „Und wir erwarten eine zeitnahe Information, welche konkreten Auswirkungen die geplanten Abläufe auf die Arbeitsplätze haben. So lange wir als Gewerkschaften noch zuständig sind, werden wir weiter für unsere Kolleginnen und Kollegen kämpfen. So einfach wie sich die Geschäftsführung das denkt, geht das sicher nicht“, so Anke Brauer von der EVG.

Quelle: Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Geschäftsstelle Rostock

Schlagwörter: Fähre (72)Ostsee (68)Seehafen (176)

Das könnte dich auch interessieren:

1 Kommentar

  • Holger Burmeister sagt:

    Stean Line ist eine Lachnummer, traurig. Schlechte schwedische Standards werden dann künftig den Fährbetrieb zwischen Rostock und Trelleborg bestimmen: siehe das Fährschiff Skane, schmutziges Restaurant, dreckige Kabinen, miserables Essen und miserabler Service dank überarbeiteter Servicekräfte

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.