Live-Stream-Premiere von Effi Briest im VTR

Volkstheater Rostock überträgt Erstaufführung aus dem Großen Haus live im Internet

24. März 2011, von
Paul Walther als Mayor Crampas und Lisa Flachmeyer als Effi Briest im Volkstheater Rostock
Paul Walther als Mayor Crampas und Lisa Flachmeyer als Effi Briest im Volkstheater Rostock

Theater gehört ins Theater – so lautete heute die einhellige Meinung bei den Proben zu dem neuen Bühnenstück „Effi Briest“ des Rostocker Volkstheaters. Zum Theater gehört gemeinhin auch Publikum. Trotzdem werden die Premierenzuschauer nicht ins Theater kommen, sondern sich die Vorführung am Samstagabend vor dem Bildschirm anschauen.

Matthias Renner
Matthias Renner

Seit gut zwei Monaten probt das Schauspielensemble die Bühnenfassung des Romans von Theodor Fontane. Dramatisiert wurde es vom Thüringer Schauspieler und Regisseur Matthias Brenner, der es für das Große Haus des Rostocker Volkstheaters auch inszeniert hat. Kurz vor der Premiere kam jedoch das Aus für die reguläre Erstaufführung. Die Bühne wurde aus brandschutztechnischen Gründen für Theaterbesucher geschlossen.

Was also tun? Viel Arbeit war bereits in die Produktion von „Effi Briest“ investiert worden. Nicolaus-Johannes Heyse hatte ein aufwendiges Bühnenbild entworfen. Und das alles für leere Stuhlreihen?

Wenn das Publikum nicht in das Theater kommen kann, kommt das Theater zum Publikum, dachte man sich nun im Volkstheater und organisierte innerhalb von nur drei Wochen alles Nötige für eine Live-Stream-Übertragung der Premiere im Internet. Mit drei Kameras wird nun die Aufführung aufgezeichnet. Das Bildmaterial wird direkt ins Internet eingespeist und kann am kommenden Samstagabend von den Zuschauern am Computerbildschirm verfolgt werden.

Michael Nau und Rene Koch kümmern sich um den  Livestream der Premiere von Effi Briest aus dem Rostocker Volkstheater
Michael Nau und Rene Koch kümmern sich um den Livestream der Premiere von Effi Briest aus dem Rostocker Volkstheater

Zuständig für die Übertragung sind René Koch und Michael Nau. Letzterer hat bereits 2001 Erfahrung mit einem derartigen Projekt sammeln können. Damals übertrug das Volkstheater „Die Zauberflöte“ im Internet. „Wir waren die Ersten weltweit, die das gemacht haben“, erinnert sich Michael Nau. „Vor zehn Jahren haben wir dasselbe jedoch mit 30 Leuten in drei Monaten auf die Beine gestellt“, erzählt er. Dieses Mal musste alles in viel kürzerer Zeit, mit weniger Leuten umgesetzt werden.

„Das hier ist eine Lebensrettungsmaßnahme für das Produkt, damit es überhaupt einmal gezeigt wird“, betont Matthias Brenner. „Wir haben mit den Kameraleuten und dem Bildregisseur Stefan Brunst verabredet, dass die Schauspieler nichts anderes tun, als das, was sie machen würden, wenn Leute im Saal wären. Es gibt keine Blicke in die Kamera.“

Jörg Schulze als von Grasenabb in Effi Briest
Jörg Schulze als von Grasenabb in Effi Briest

Trotzdem sei es ein komisches Gefühl vor leeren Reihen zu spielen, erzählte Darsteller Jörg Schulze. „Eine total absurde Situation, weil Theater ja eigentlich ein Kommunikationsmedium ist. Es ist, als wenn man mit sich selber ein Gespräch führt.“ Für ihn ist dieser Moment aber auch spannend, eine Möglichkeit sich auszuprobieren. „Ich bin gespannt auf die Stimmung und wie es aufgenommen wird.“

Der Vorhang öffnet sich im Internet am Samstag, den 26.03.2011 um 19:30 Uhr unter www.volkstheater-rostock.de. Wer auf die Geselligkeit eines Theaterbesuches nicht verzichten möchte, kann sich einem Public-Viewing anschließen, wie es zum Beispiel in der „anderen buchhandlung“ und im MAU-Club stattfinden wird. Dort findet nach der Aufführung auch die Premierenfeier statt.

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