Volkstheater Rostock: Schließung des Großen Hauses

Mängel beim Brandschutz lassen Bühnen der größten Spielstätte des Rostocker Volkstheaters leer bleiben

22. Februar 2011, von
Volkstheater Rostock, Großes Haus
Volkstheater Rostock, Großes Haus

Der letzte Vorhang ist gefallen, das Volkstheater Rostock schließt. Nicht ganz und nicht für immer, doch mindestens bis zum Ablauf der aktuellen Spielzeit Ende Mai muss das Rostocker Theater auf seine größte und wichtigste Spielstätte verzichten – das Große Haus.

Hauptproblem sind die gravierenden Mängel beim Brandschutz. Bereits 1942 wurde das Große Haus zur zentralen Spielstätte, Mitte der 70er gab es die letzten großen Umbaumaßnahmen.

Holger Matthäus
Holger Matthäus

Seit der Wende finden regelmäßige Brandschauen nach der Versammlungsstättenverordnung statt, erläuterte Bausenator Holger Matthäus. Alle dabei aufgezeigten Mängel seien immer umgehend beseitigt worden. So erfolgte etwa die Direktaufschaltung der Brandmeldeanlage beim Brandschutz- und Rettungsamt, Brandlasten wurden aus Fluren und wichtigen Räumen entfernt, es wird keine Pyrotechnik mehr verwendet und zusätzlich wurden Brandschutzhelfer an wichtigen Stellen im Volkstheater postiert.

Nach den letzten Brandschauen sei jedoch eine Reihe baulicher und technischer Mängel festgestellt worden, die abgestellt werden müssen, um einen gefahrlosen Betrieb sicherzustellen. „Es kann nicht ausgeschlossen werden“, so Matthäus, „dass es im Brandfall zu Situationen kommt, die wir nicht beherrschen.“

Eine nicht mögliche Trennung in Brandabschnitte, fehlende Brandschutztüren und Rauchabzüge wurden ebenso bemängelt wie nicht vorhandene zweite Rettungswege bei einer Reihe von Nutzungseinrichtungen des Hauses. Aber auch auf den ersten Blick scheinbar kleine Probleme dürften erhebliche bauliche Maßnahmen nach sich ziehen. Offene Leitungsdurchbrüche in den Wänden sorgen laut Matthäus dafür, „dass wir die gesamte Elektrik im Haus anfassen müssen.“

Dr. Liane Melzer, Roland Methling, Holger Matthäus, Peter Leonard
Dr. Liane Melzer, Roland Methling, Holger Matthäus, Peter Leonard

Daher könne derzeit weder ein Zeitrahmen für den Bauablauf bestimmt, noch etwas zu den Kosten gesagt werden. Experten arbeiten derzeit an Lösungsvorschlägen.

Die Summe dieser ganzen technischen und baulichen Mängel ist so groß, dass erhebliche Maßnahmen notwendig sind. Ein Weiterbetrieb, bei dem sichergestellt ist, dass nichts passiert, sei in der jetzigen Form nicht möglich, erläuterte der Bausenator.

Es sei eine der schwersten Entscheidungen, erklärte auch Oberbürgermeister Roland Methling, doch „die Sicherheit der Besucher des Volkstheaters Rostock, die Sicherheit der Schauspieler und der Künstler in diesem Haus geht vor“, betonte das Stadtoberhaupt und legte Wert darauf, dass das Bekenntnis der Hansestadt Rostock zum Volkstheater bestehen bleibt.

Peter Leonard
Peter Leonard

Auch wenn keine Einsturzgefahr für das Große Haus besteht, werden die Bühnen der größten Spielstätte des Volkstheaters Rostock in den nächsten Monaten leer bleiben. Das hat Konsequenzen – sowohl für den Spielbetrieb als auch für die Besucher. Bereits das für morgen geplante Konzert der Pasternack-Big-Band wird in die Stadthalle verlegt.

„Wir bemühen uns um Ersatz, solange das Große Haus nicht bespielbar ist“, versichert Intendant und Geschäftsführer Peter Leonard: „Wir sind für Sie da!“ Karten und Abonnements behalten vorläufig ihre Gültigkeit. Und auch die Mitarbeiter des Volkstheaters müssen sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, unterstrich Kultursenatorin Dr. Liane Melzer.

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4 Kommentare

  • Henning-Walter Prahl sagt:

    Einfach lächerlich ist diese Provinzposse. Die große Bühne wird trotz ewig bekannter Mängel von heute auf morgen geschlossen und das Traurige dabei ist, dass kein Bausenator und der OB sowieso nicht weiß, welche Arbeiten notwendig sind und was es kostet.
    Statt am Kanonsberg die Euros zu verbuddeln, hätten für das Theater längst Erste Hilfe Maßnahmen durchgeführt werden können!!

    Der Gewinn der Theater GmbH wird enorm steigen, aber dann nehmen wir von der WIRO nochmal schnell 10 MIO und die Welt ist wieder in Ordnung.

  • Holger Matthäus sagt:

    Toll, dieser populistische, wenig fachkundige Kommentar! Sehr geehrter Herr Prahl, ich lade Sie herzlich in mein Büro ein, um Hintergründe zu diskutieren; wer was wie machen muss und kann und wie was wo zusammenhängt. Und danach möchte ich Ihre Meinung gerne hören. Kommen Sie bitte: Telefon 381 6000

  • Fred Müller aus Rostock sagt:

    Ein erneuter Paukenschlag fürs Volkstheater. Doch es ist nicht das Finale einer beachtenswerten großen Inszenierung, das Vermelden der Verbesserung der Besucherzahlen oder ein sonstiges freudiges Ereignis, von dem es in der letzten Zeit nur wenige gab.
    Diesmal geht es um die Schließung des Großen Hauses. Bauliche Gründe sind es und die offizielle Vermeldung dieser Tatsache klingt, als ob es eine Überraschung wäre. Ist dem wirklich so ? Dieses Thema geisterte immer mal wieder durch die Landschaft und wurde scheinbar (bisher) ignoriert. Nun ist Handeln angesagt – im Interesse der Sicherheit aller – Besucher und Mitarbeiterschaft. Bleibt die Frage: Wie weiter mit dem Volkstheater oder dem, was aktuell davon übriggeblieben ist.
    Neue Spielstätten zu finden, wird unmöglich sein. In der notwendigen Größenordnung gibt es keine Räumlichkeiten in der Stadt. Musiktheater, Ballett und Philharmonische Konzerte sind im Theater am Stadthafen nicht realisierbar. Ein Neubau des Großen Hauses – aktuell nicht finanzierbar. Aber vielleicht ist die Schließung des Großen Haus ja auch das Ende des (nicht mehr wirklich bedeutenden) Theaters in Rostock.

  • katrin beese-mai sagt:

    es gab durchaus in jüngster vergangenheit sehenswerte inszenierungen am rostocker theater – in allen sparten. das hinabgleiten, oder jetzt auch stürzen, in die bedeutungslosigkeit liegt wohl eher am mangelhaften management, fehlendem leitbild und wenig esprit in werbeangelegenheiten. dass dies auch anders geht, hat deutlich „abbey road“ – eine Kooperation!!! – bewiesen. doch leider ist sowohl die theaterleitung als auch die stadtverwaltung augenscheinlich lernresistent, denn weder aus fehlern noch aus erfolgen werden hier lehren gezogen. sehr bedauerlich für die eh schon karge kulturlandschaft der immer unbedeutend werdenden hansestadt.

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