Volkstheater Rostock: Siegerentwurf für Theaterneubau gekürt

So könnte das neue Volkstheater Rostock am Bussebart aussehen – im Planungswettbewerb vergab die Jury einen ersten Platz und zwei dritte Plätze

16. September 2019
Theaterneubau in Rostock: OB Claus Ruhe Madsen, Bauherrin Sigrid Hecht, RGS-Aufsichtsratvorsitzender Rainer Albrecht und Theaterintendant Ralph Reichel präsentieren den Siegerentwurf (Foto: KOE)
Theaterneubau in Rostock: OB Claus Ruhe Madsen, Bauherrin Sigrid Hecht, RGS-Aufsichtsratvorsitzender Rainer Albrecht und Theaterintendant Ralph Reichel präsentieren den Siegerentwurf (Foto: KOE)

„Der Siegerentwurf zeigt einen sehr demokratischen Bau, der von allen Seiten begehbar und erlebbar ist, der sich ideal in das Umfeld einfügt und gleichzeitig die Funktionalität eines Theaters optimal erfüllt. Das Foyer präsentiert sich offen. Durch die direkt nebeneinander angeordnete Raumbühne und das große Haus ergeben sich Synergieeffekte in der Flexibilität der Nutzung.“ Nach einem kreativen, intensiven Arbeits- und teils kontroversen Diskussionsprozess stehen die Preisträger des Wettbewerbes für den Theaterneubau fest: Das Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte GmbH aus Berlin wurde von der Jury mit dem ersten Platz ausgezeichnet, gefolgt von den Entwürfen der Architekturbüros Bez + Kock aus Stuttgart und pfp architekten aus Hamburg, die sich gleichrangig Platz drei teilen. „Allen drei Preisträgern ist es gelungen, sich städtebaulich in die Umgebung einzufügen und auf die funktionalen Anforderungen des Auslobers eine gelungene Antwort zu finden“, begründet die Jury.

Der Planungswettbewerb wurde im Auftrag der Hanse- und Universitätsstadt Rostock durch die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH (RGS) europaweit ausgelobt. Die Architekten waren aufgerufen, realisierbare Entwürfe für den Theaterneubau vorzulegen. Aus dem Bewerbungsverfahren gingen zehn Arbeiten hervor, die zum Wettbewerb zugelassen wurden. Die Büros kommen aus Berlin, Hamburg, Stuttgart, Paris und Bregenz. Die Jury, bestehend aus Architekten, Vertretern der Stadtverwaltung und des Volkstheaters, bewerteten die Arbeiten anhand ihrer gestalterischen und räumlichen Qualität, der Umsetzung der Nutzungsanforderungen, des Verhältnisses der Baukosten zur Brutto-Grundfläche und der städtebaulichen Gesamtidee. Besondere Beachtung fanden zusätzlich die Gestaltung der Erdgeschossfassaden sowie die Wirkung des Objektes als Solitär. „Das Volkstheater ist ein wichtiger kultureller Grundpfeiler und trägt damit zu einer Steigerung der Lebensqualität in unserer Stadt bei. Zu viele Jahre wurde über den Neubau diskutiert – mit dem Wissen, dass das Bestandstheater nicht zukunftsfähig ist. Mit dem Wettbewerb beginnen wir nun endlich zu handeln. Wir sollten in Rostock ein Theater haben, auf das wir alle stolz sein können. Ein Theater, das feine und experimentelle Kunst zulässt und gleichzeitig Kunst für ein breites Publikum fördert. Wir haben einen offenen, freundlichen, designorientierten Entwurf ausgewählt, der einerseits die städtebaulichen Strukturen respektiert und anderseits mit seinem Panoramadeck allen Rostockern und deren Gästen einen beeindruckenden Blick über unseren Stadthafen ermöglicht“, verdeutlicht Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen, der als Jurymitglied über die Entwürfe mitbestimmen durfte.

Theaterneubau Rostock - Siegerentwurf, Ansicht vom Stadthafen (Entwurf: Hascher Jehle Assoziierte GmbH, Berlin)
Theaterneubau Rostock - Siegerentwurf, Ansicht vom Stadthafen (Entwurf: Hascher Jehle Assoziierte GmbH, Berlin)

Auch Theaterintendant Ralph Reichel gehörte zum Preisgericht: „Rostock hat die einmalige Chance ein neues Theater zu bekommen. Bei der Konzeption der Aufgabenstellung wurden daher konkrete Angaben zu Flächen, Bedarfen und Kosten festgelegt. Nur wenn diese eingehalten werden, kann das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden. Diese Vorhaben werden von den prämierten Entwürfen erfüllt. Deswegen kann jetzt aus dem Traum Realität werden“, sagt er.

Die Umsetzung des Bauprojektes wird in der Hand vom „Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock“ liegen. Der Wettbewerb wurde europaweit veröffentlicht. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat zugesagt, das Projekt Theaterneubau mit bis zu 51 Millionen Euro zu unterstützen. „Der Neubau ist dringend erforderlich. Die aktuelle Spielstätte weist erhebliche Mängel hinsichtlich der technischen Anlagen auf, die im schlimmsten Fall zu einer Beeinträchtigung des Spielbetriebes führen können“, verdeutlicht RGS- und KOE-Chefin Sigrid Hecht. Als Bauherrin wird sie das Bauvorhaben von der Planung bis zur Fertigstellung begleiten: „Als nächstes werden wir unter Berücksichtigung der Juryentscheidung und der Wirtschaftlichkeit der Entwürfe mit den drei Preisträgern in die Verhandlungen gehen.“

Die Wettbewerbsbeiträge werden vom 07. bis 11. Oktober in der Rathaushalle, Neuer Markt 1, präsentiert. Im Anschluss können die Unterlagen vom 14. bis 23. Oktober in den Geschäftsräumen der RGS, Am Vögenteich 26, montags bis donnerstags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr eingesehen werden.

Weitere Informationen zum Theaterwettbewerb, zu den teilnehmenden Architekturbüros und den Entwürfen: www.rgs-rostock.de/theaterwettbewerb.

Theaterneubau Rostock - Siegerentwurf, Ansicht von der Langen Straße (Entwurf: Hascher Jehle Assoziierte GmbH, Berlin)
Theaterneubau Rostock - Siegerentwurf, Ansicht von der Langen Straße (Entwurf: Hascher Jehle Assoziierte GmbH, Berlin)

Zusammenfassung der Ergebnisse des Theaterwettbewerbs:

  • 1. Platz: Hascher Jehle Assoziierte GmbH aus Berlin (80 Tsd. Euro Preisgeld)
    • Staffelung des Volumens – Bezug zum Bestand und als Erinnerung an historische Gebäude
    • begehbare Gebäudeskulptur mit geschwungenen, gegeneinander versetzten Volumen
    • Bühnenturm: zweischaliger Baukörper mit transparenter Hülle und opakem Kern
    • Hauptzugang von Osten über Theaterplatz
    • Gastronomie auf Ebene 5 mit Blick auf den Stadthafen, Erschließung über Haupteingang, optional Gastronomie auf dem Dach des Bühnenturms
  • Es wurde kein 2. Platz vergeben.
  • 3. Platz: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart (60 Tsd. Euro Preisgeld)
    • Ergänzung Torsituation Eingang Lange Straße
    • gläserner schimmernder Kubus aus verschiedenen Glasbausteinen, Entmaterialisierung durch Reflexion des Lichts am Tag
    • vier einheitliche Fassaden
    • Hauptzugang von Osten über Theaterplatz
    • Gastronomie: Lange Straße mit Blick auf Lange Straße, Zugang von Süden
    • Dachbegrünung vorgesehen
  • 3. Platz: pfp architekten bda aus Hamburg (60 Tsd. Euro Preisgeld)
    • von innen herausstrahlender Theatersolitär und große auskragende Kuben
    • Fassaden aus geschosshohen Raumverglasungen und transluzenten Glasbausteinen – Fassaden mit beweglichen Fassadenscreens
    • Hauptzugang von Osten über Ecke Lange Straße/ Theatervorplatz
    • Gastronomie: EG-Niveau Lange Straße mit Blick auf den Stadthafen mit vorgelagerter Terrasse

Die Abstimmung erfolgte einstimmig.

Volkstheater Rostock – Entwürfe der Drittplatzierten für den Theaterneubau:

Quelle & Foto: Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hanse-und Universitätsstadt Rostock

Schlagwörter: Architekturwettbewerb (13)Volkstheater (247)

Das könnte dich auch interessieren:

1 Kommentar

  • Hans Schröder sagt:

    Na das sieht doch mal na was aus … und könnte ein echtes Schmuckstück werden.

    Endlich mal runde besondere Formen, kreative Architektur, in der von langweiliger Eckigkeit geprägten Neubauarchitektur dieser Stadt.

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.