Werftarbeiter kämpfen um ihre Jobs

Mitarbeiter von Werften und Zulieferern demonstrierten vor der Nationalen Maritimen Konferenz in Rostock-Warnemünde für ihre Arbeitsplätze

11. Mai 2021, von
Werftarbeiter kämpfen vor der Nationalen Maritimen Konferenz in Rostock-Warnemünde um ihre Jobs
Werftarbeiter kämpfen vor der Nationalen Maritimen Konferenz in Rostock-Warnemünde um ihre Jobs

„Für die Menschen. Für die Zukunft. Für den Schiffbau.“ Während im Warnemünde Cruise Center die 12. Nationale Maritime Konferenz eröffnet wurde, demonstrierten gestern Mittag Beschäftigte von Werften und Zulieferern vor dem Terminal für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Werftarbeiter fordern Unterstützung

„Wir sind in einer absolut desolaten Situation“, erklärte Thomas Behrens, Betriebsratsvorsitzender der Neptun Werft. „Wir sind durch Corona in Unterlast gekommen in allen Bereichen.“ Seit Juni 2020 arbeite die Belegschaft immer wieder in Kurzarbeit, so Behrens. „Es geht irgendwann wieder los“, zeigt er sich optimistisch, doch bis dahin brauche es Unterstützung aus der Politik, um Fachkräfte und gut bezahlte Arbeitsplätze zu halten.

„Die Kollegen sind zuhause, die wissen nicht, was los ist und wir brauchen endlich die Entscheidung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds, damit wir den Kollegen eine Perspektive bieten können“, forderte Jörg Sens, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei MV Werften, Klarheit. „Wir brauchen diese Industriearbeitsplätze, die sind rar gesät in Mecklenburg-Vorpommern.“

Die Werftenkrise wirkt sich auch auf die zahlreichen Zulieferer aus. „Wir sind abhängig von den Werften, weil wir hauptsächlich Schiffsmotoren bauen“, erklärte Anne Urban von Caterpillar. „Wir sind seit über einem Jahr in Kurzarbeit und das massiv. Unsere Kollegen – vor allem in der Produktion – die leiden richtig darunter, denen fehlt extrem viel Geld.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Wirtschaftsminister Harry Glawe stellten Hilfen für MV Werften in Aussicht
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Wirtschaftsminister Harry Glawe stellten Hilfen für MV Werften in Aussicht

Hilfen für MV Werften in Aussicht gestellt

„Wir sitzen alle in einem Boot“, versuchte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Gemeinsamkeit von Politik und Beschäftigten zu betonen. Die finanzielle Unterstützung durch Land und Bund sei jedoch nicht unumstritten, so Schwesig: „Die eine Hälfte sagt, das ist richtig, die andere Hälfte sagt, nee nicht mehr so viel Geld.“

„Wir werden alle unsere rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten ausschöpfen, dass wir diesen Bereich unterstützen – darauf können Sie sich verlassen“, versprach die Landeschefin.

Bis Ende Mai soll es ein „positives Ergebnis“ für die MV Werften geben, kündigte Wirtschaftsminister Harry Glawe an. Wie dieses aussehen könnte, umriss er nur grob: Die Global 1 soll weitergebaut und die Endeavor ausgeliefert werden. Aktuell laufen die Verhandlungen mit dem Genting-Konzern sowie dem Bund über Finanzhilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

Ob das zweite Kreuzfahrtschiff der Global-Klasse gebaut wird, wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben und ob Genting vielleicht doch Alternativen, wie den Bau von Windkraftplattformen, in Betracht zieht, ist ungewiss.

Kritik an Dumpingpreisen aus China

Von einem „Kampf gegen den asiatischen Markt“ sprach Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. So belasse China 99 Prozent der Aufträge in diesem Bereich im eigenen Land, bei Südkorea und Japan seien es immer noch 91 bzw. 70 Prozent. Die europäischen Auftraggeber hingegen würden 95 Prozent in den asiatischen Raum geben.

Es würde Belege dafür geben, dass China Schiffe unter Materialpreis anbietet. „Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist Dumping, das ruiniert bei uns ganze Industrien“, kritisierte Brackmann. In Europa, mit den USA und Indien werde jetzt der Schulterschluss gesucht, um etwa über das Investitionsschutzabkommen für einen fairen Wettbewerb zu sorgen.

Werftarbeiter kämpfen vor der NMK in Rostock-Warnemünde um ihre Jobs:

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