Zoll-Hochschule in Lichtenhagen soll 2025 starten

Bereits in vier Jahren sollen die ersten Studenten des gehobenen Zolldienstes ihr Studium auf dem neuen Bildungscampus in Rostock-Lichtenhagen beginnen – der Bund investiert über 100 Mio. Euro

10. September 2021, von
Startschuss für die Zoll-Hochschule des Bundes in Rostock-Lichtenhagen: Ralf Mucha (Ortsbeiratsvorsitzender, Lichtenhagen v.l.), Rainer Albrecht (Landtagsabgeordneter), Carmen-Alina Botezatu (Leiterin der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung Rostock), Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen, Finanzminister Reinhard Meyer, Stefan Kortmann (Hauptstellenleiter des Geschäftsbereiches Facility Management der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Rostock) und Gerda Koszinowski (Direktionspräsidentin bei der Generalzolldirektion)
Startschuss für die Zoll-Hochschule des Bundes in Rostock-Lichtenhagen: Ralf Mucha (Ortsbeiratsvorsitzender, Lichtenhagen v.l.), Rainer Albrecht (Landtagsabgeordneter), Carmen-Alina Botezatu (Leiterin der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung Rostock), Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen, Finanzminister Reinhard Meyer, Stefan Kortmann (Hauptstellenleiter des Geschäftsbereiches Facility Management der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Rostock) und Gerda Koszinowski (Direktionspräsidentin bei der Generalzolldirektion)

Der Startschuss für den künftigen Bildungscampus des Zolls in Rostock ist gefallen. An der neuen Hochschule des Bundes in Lichtenhagen sollen bereits in vier Jahren die ersten Studenten für den gehobenen Zoll-Dienst ihre Ausbildung beginnen. Bis dahin ist ein komplett neuer Campus mit Hörsälen, Audimax, Mensa und Unterkünften für bis zu 600 Studenten geplant. Der Bund investiert einen dreistelligen Millionenbetrag in die Ausbildungsstätte des Zolls.

Land überträgt Baugrundstück an den Bund, Planungen können beginnen

Heute Mittag hat Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) das landeseigene Grundstück im Rostocker Nordwesten offiziell an die Direktionspräsidentin bei der Generalzolldirektion Gerda Koszinowski übergeben. Zusammen mit Stefan Kortmann von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) unterzeichnete Meyer den Vertrag und machte damit den Weg für die Bauplanung frei.

3,1 Millionen Euro fließen für das 32.400 Quadratmeter große Grundstück vom Bund ans Land. Unter Berücksichtigung der Altlasten sei dies „ein marktüblicher Preis“, sagt Finanzminister Meyer, betont jedoch, dass es darum ging, die Hochschule nach Rostock zu holen – egal, ob auf eine landeseigene, kommunale oder private Fläche.

Auch für Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen ist die Ansiedlung für die Stadtentwicklung „viel, viel mehr wert“ als der Kaufpreis. „600 junge Menschen essen auch mal eine Currywurst, ein Brathähnchen oder gehen einkaufen“, sieht der Verwaltungschef die Ansiedlung als Motor für das Viertel und die gesamte Stadt. Madsen hofft, dass die Hochschule auch der Segregation im Plattenbauviertel Lichtenhagen entgegenwirkt, „ein Stadtteil mit besonderen Herausforderungen“.

Ambitionierter Zeitplan bis 2025

Auch wenn das Grundstück jetzt dem Bund gehört, bauen wird das Land – im Rahmen einer sogenannten Organleihe. Zuständig für das Projekt ist Carmen-Alina Botezatu, Leiterin der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung Rostock. Sie zählt auf, was auf dem Campus alles entstehen soll: Büro- und Verwaltungsgebäude, Seminar- und Schulungsgebäude mit Bibliothek, 24 Lehrsälen und 48 Gruppenarbeitsräumen, ein Audimax, ein Wirtschaftsgebäude mit Mensa sowie Einzelunterkünfte für 600 Studenten einschließlich einem 300 Quadratmeter großen Fitnessraum. Insgesamt ergibt sich für das Großprojekt ein Flächenbedarf von 40.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche.

Zunächst stehen bauvorbereitende Maßnahmen an. Dazu gehören Kampfmittelberäumung, Baugrunduntersuchungen, die Verlegung von Leitungen, aber auch der teilweise oder komplette Abriss der vorhandenen Bauten. Läuft alles nach Plan, ist im nächsten Jahr Baubeginn. Bereits 2025 sollen die ersten Zöllner ihr Studium beginnen. „Der Zeitplan ist ambitioniert“, weiß auch Finanzminister Meyer, doch „wir haben versprochen, das mit allem, was wir können als Stadt, zu unterstützen“, bekräftigt Madsen.

Modernisierung und Umbau oder Abriss und Neubau?

Ob die vorhandenen Bauten abgerissen und komplett durch Neubauten ersetzt werden, steht noch nicht fest. „Es besteht die Möglichkeit, diese abzureißen oder sie teilweise zu erhalten“, sagt Baudirektorin Botezatu. Dies wolle man den Entwürfen überlassen.

Die Gebäude in der Möllner Straße 10-12 wurden Mitte der 1970er Jahre als Institut für Lehrerbildung „Jacques Duclos“ zur Ausbildung von Unterstufenlehrern (Grundschullehrer) in der DDR errichtet. Nach der Wende wurden sie von der Juristischen Fakultät der Uni Rostock, später als Unterkunft für Geflüchtete und zuletzt vom Institut für Qualitätsentwicklung genutzt. Derzeit stehen die Häuser leer.

Der Hochschulcampus entsteht in direkter Nachbarschaft von Finanzamt und Polizeirevier. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat die Wiro gerade mit dem Bau von 318 Wohnungen begonnen. Nur wenig weiter südlich plant Semmelhaack mehr als 200 Wohneinheiten auf dem Gelände der ehemaligen Allende-Poliklinik in Lütten Klein.

Torsten Dräger, Zoll Rostock
Torsten Dräger, Zoll Rostock

Rostock punktete bei Standortsuche mit Uni, ÖPNV und Strandnähe

Bislang findet das Studium zentral in Münster statt, am Fachbereich Finanzen der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Die Kapazitäten reichen dort jedoch nicht mehr aus. Der Bund suchte einen neuen Standort mit einer Universität, mindestens 100.000 Einwohnern und einem Bezug zum Zoll. In Mecklenburg-Vorpommern kam nur Rostock in Frage. Das Land bewarb sich und die Hansestadt bekam den Zuschlag – trotz Nebel und Regen am Besichtigungstag mit dem zuständigen Staatssekretär, erinnert sich Madsen. „Aber wo sonst, kommt man in zehn Minuten mit dem Fahrrad ans Meer?“

Universität, ÖPNV-Anbindung und nicht zuletzt die Grundstücksgröße haben eine Rolle bei der Entscheidung des Bundes für Rostock gespielt. Gefordert waren nur etwa 20.000 Quadratmeter. Das Grundstück in Lichtenhagen bietet ausreichend Reserven für künftige Erweiterungen.

„Wir brauchen dringend qualifizierten Nachwuchs“, sagt der Rostocker Zollbeamte Torsten Dräger angesichts geburtenschwacher Jahrgänge und vieler Kollegen, die aus dem Dienst ausscheiden. Mit dem neuen Standort wird die Ausbildung entzerrt. „Für Rostock ist das natürlich top, auch für uns als Zöllner“, freut sich Dräger.

Das duale Studium dauert drei Jahre, theoretischer Unterricht an der Hochschule und Praktika in den jeweiligen Einsatzstellen wechseln sich ab. Die Ausbildung endet mit dem Abschluss Diplom-Finanzwirt (FH).

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