Der Rostocker Zoo begibt sich 2012 auf Darwins Spuren

Der Zoo Rostock fiebert der Eröffnung des Darwineums entgegen – Klassiknacht und weitere Veranstaltungen sollen die Besucher in den Zoo locken

9. Januar 2012, von
Baustelle Tropenhalle des Darwineums im Zoo Rostock
Baustelle Tropenhalle des Darwineums im Zoo Rostock

Von der Urzelle bis zur Stammzelle – ab Ende August sollen sich die Besucher des Rostocker Zoos auf eine Zeitreise durch die menschliche Entstehungsgeschichte nach der Theorie von Charles Darwin begeben können. Denn dann soll das Darwineum eröffnet werden. „Es ist das größte Ereignis überhaupt, was der Zoologische Garten Rostock erlebt und gebaut hat“, sagt Zoodirektor Udo Nagel.

Vor gut elf Jahren entstand erstmals die Idee für ein neues Menschenaffenhaus. Im letzten Frühjahr begannen die Bauarbeiten im Barnstorfer Wald. Im Moment laufen die Arbeiten im Inneren des 9 ha großen Gebäudes auf Hochtouren. Sand wird verschoben, Balkone für die Bepflanzung vorbereitet. „Von dem Beton ist nachher nichts mehr zu sehen“, erklärt Zooplanerin Kirsten Jacobi.

Illusionsmaler bringen den Urwald für die Menschenaffen an die Wand
Illusionsmaler bringen den Urwald für die Menschenaffen an die Wand

Dafür sorgen nicht zuletzt auch die drei Maler unter der Anleitung von Uwe Thürnau. Auf den beiden großen Giebelwänden lassen sie mit Abbildungen von Bäumen und Wasserfällen die Illusion eines Urwalds entstehen. Eine Mischung aus asiatischem und afrikanischem Urwald, wie Thürnau erklärt. „Das Ganze soll eine Schlucht werden, wo der Besucher durchgeht.“ Mit etwas Abstand betrachtet er die Farbflächen, die bereits in den letzten beiden Wochen aufgetragen wurden und versucht sich vorzustellen, wie das Bild mit der Haustechnik und den davor stehenden Pflanzen am Besten in Einklang zu bringen ist.

In dieser Kulisse sollen in ein paar Monaten die Rostocker Menschenaffen leben. Gorillamännchen Assumbo wird wieder Gesellschaft erhalten. Im Nachbargehege ziehen die Orang-Utans ein. Schnabeligel, Axolotl, Flughunde – etwa 40 Tierarten wird der Rostocker Zoo im Darwineum präsentieren.

Frank Fuchs erläutert das Darwineum anhand einer interaktiven Schautafel, die Teil der Ausstellung in der Darwinbox ist
Frank Fuchs erläutert das Darwineum anhand einer interaktiven Schautafel, die Teil der Ausstellung in der Darwinbox ist

„Eine museale Ausstellung zusammen mit lebenden Tieren und Dioramen“, kündigt Frank Fuchs an. Als Leiter der Abteilung Edutainment ist er Chefdidaktiker im Zoo und hat mit seinem Team in der Darwinbox eine Ausstellung zum Darwineum vorbereitet. Durch Schautafeln, Fotos und Modelle sollen sich hier „Erwachsene und Kinder ein bisschen Appetit machen“ auf das, was dann im Sommer fertig sein soll.

Die Eröffnung des Darwineums ist sicherlich der größte, aber nicht der einzige Glanzpunkt im Zoojahr 2012. Passend zum Thema können sich Ferienkinder im Sommer „Auf Darwins Spuren“ begeben. Klassiknacht, Zuckertütenfest und Taschenlampenkonzert sind weitere von 20 Veranstaltungen, mit denen der Zoo Besucher anlocken möchte.

Eisbärennachwuchs wird es hingegen wohl erst mal nicht geben, ließ der Zoodirektor heute durchblicken. Noch bis Ende Januar soll Eisbärin Vienna auf der Mutter-Kind-Anlage bleiben, bevor sie wieder mit Eisbärmännchen Blizzard flirten darf.

Dennoch ist der Zoo auf rund 80 Jungtiere, die im letzen Jahr geboren wurden, stolz. Einige, wie die Seebären Eddy und Anele, die Seehunde Botsmann und Kleiner Onkel oder die zukünftigen Darwineumbewohner, die Kattas Maurice und Pili, haben sich schon zu richtigen Besucherlieblingen entwickelt.

Im letzten Jahr hat es knapp 525.000 Gäste zu den Tieren in den Barnstorfer Wald gezogen, gut 20.000 mehr als im Vorjahr. Mit dem Darwineum sollen es noch mehr werden. Neue Parkflächen sollen dafür jedoch in absehbarer Zeit nicht gebaut werden, informiert Udo Nagel.

Als nächstes großes Projekt steht dann eine neue Anlage für die Eisbären an, so der Wunsch des Zoodirektors. Die jetzige Bärenburg stammt aus dem Jahr 1956.

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3 Kommentare

  • Leon sagt:

    Darwin würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass durch einen Bau, für den er als Namensgeber herhalten muss, einheimische Natur in großem Maßstab vernichtet wird! Stolz kann man hierauf nicht sein!
    Wenn Herr Nagel behauptet „Neue Parkflächen sollen in absehbarer Zeit nicht gebaut werden“, so erinnert mich das ganz stark an einen anderen Ausspruch eines bekannten DDR-Staatsoberhauptes: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“.

  • Andrea sagt:

    Die Natur wird nutzbar gemacht! Wer war denn außer ein paar Joggern und Hundebesitzern in diesem Teil des Barnstorfer Waldes? Selbst Spaziergänger gab es dort kaum. Jetzt wird dieses Erholungsgebiet endlich mal genutzt und zwar für ein tolles Projekt, auf das ich mich freue.

    Und hoffentlich kommen so viele Besucher, dass man über weitere Parkflächen nachdenken muss bzw. die vorhandenen am Neuen Friedhof nutzt.

    Das Gejammere der paar beleidigten Gegner kann ich nicht mehr hören!

  • Walter sagt:

    Gekürzt: Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen bzw. untermauern Sie Ihre Vermutungen mit Belegen. Aus dem Artikel geht nicht hervor, dass Parkplätze gebaut werden sollen. (Red.)

    Bitte mal bei der Landesforst nachfragen, wie die Auswirkungen der Baumfällungen sich für das Hansaviertel und die Südstadt auswirken. Die Luftverschlechterungen für die benachbarten Stadtteile werden von Zoo und Stadt billigend in Kauf genommen.
    Ich kann es nicht mit ansehen, wie die letzten grünen Oasen in Rostock systematisch zerstört werden (Barnstorfer Wald, Kanonsberg, Wallanlagen, …).

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