19. Rostocker FilmFest 2011

Neue Kurzfilme aus Rostock und der Region im MAU-Club – „unbeDINGT“ von Philip Klein gewinnt den Publikumspreis – Zwei Preise für „Ein Baum“

24. September 2011, von
Jungregisseure Malte Pätz und Paula Baudach erhalten Glückwünsche von Festivalbegründer Matthias Spehr
Jungregisseure Malte Pätz und Paula Baudach erhalten Glückwünsche von Festivalbegründer Matthias Spehr

Die Attraktivität einer alten Weide ist für einen jungen Mann größer, als die der ihm zugeneigten Freundin? Diese Ungewöhnlichkeit mag wohl viele gestern Abend beim 19. Rostocker Filmfest verblüfft haben. Dass man sich zu einem Lieblingsort oder Baum besonders hingezogen fühlt, liegt vielleicht noch im Bereich des Vorstellbaren. Zu ihm eine Art Liebesbeziehung aufzubauen, seine Freundin dafür abblitzen zu lassen und eine erotische Nacht mit ihm zu verbringen, erscheint dann doch eher befremdlich.

Nach dem „Was-wäre-wenn-Prinzip“ haben Malte Pätz und Paula Bandach dieses Gedankenspiel in dem gut 18-minütigen Kurzspielfilm „Ein Baum“ in Szene gesetzt. Dabei sind die beiden 22-jährigen Rostocker Regisseure mit der Kamera (André Jagusch) und beim Schnitt so raffiniert vorgegangen, dass sie die dreiköpfige Filmfest-Jury überzeugten und mit dem Preis „Die silberne Kopftrommel“ ausgezeichnet wurden. Doch damit nicht genug. Auch Hauptdarsteller David Nádvornik wurde mit dem „Goldenen Toaster“ belohnt, ein Preis, der ihm für seine herausragende darstellerische Leistung des Nähe und Geborgenheit suchenden Jonas‘ beim Rostocker Filmfest verliehen wurde.

Die Filmgruppe New X-iT haben schon oft erfolgreich an Rostocker Filmfesten teilgenommen
Die Filmgruppe New X-iT haben schon oft erfolgreich an Rostocker Filmfesten teilgenommen

Die beste Filmidee hatte jedoch, so zumindest das Jury-Urteil, die Rostocker Filmgruppe New X-iT. Für ihren Film „HELMUT“ wurden sie mit den „Glänzenden Synapsen“ prämiert. Gruppenmitglied Aaron erklärt, wie es zu dieser Idee kam: „Es war in der heißen Zeit der Castor-Transporte. Inspirierend war, dass wir einen Bericht über einen Polizisten gehört hatten, der gegen seinen Willen bei einem Castor-Transport die Strecke überwachen musste, obwohl er selbst persönlich Atomkraftgegner ist. Uns hat daran interessiert, wo die Grenzen verschwimmen.“

Hannes Sternkiker nimm die Beatrix entgegen
Hannes Sternkiker nimm die Beatrix entgegen

Einen weiteren Preis vergab die Jury für den besten Animationsfilm. Die „Beatrix“ durften Anne Mantei, Kathleen Teichmann, Lutz Teichmann und Hannes Sternkiker mit nach Hause nehmen. In ihrem mit dem Figurenstopp-Trickverfahren animiertem Kurzfilm „Der Mond“, nach einem Märchen der Brüder Grimm, hauchten sie den drahtigen Figuren durch beeindruckende Lichteffekte Leben ein.

Mit „Der Mond“ konnten sich die jungen Filmemacher gegenüber den noch jüngeren Filmemachern von der Kindertagesstätte „Schritt für Schritt“ durchsetzen. Das fröhliche Chaos ihrer Legetrickgeschichte „Kptn. Käptn – Die Insel ist die Rettung“ sorgte nicht nur beim Festpublikum für Erheiterung, sondern war auch der Jury eine lobende Erwähnung wert.

Publikumspreisträger Philip Klein erhält den Goldenen Arthus
Publikumspreisträger Philip Klein erhält den Goldenen Arthus

Die Gunst des Publikums lag allerdings bei Philip Klein. In seiner Dokumentation „unbeDINGT“ setzt er sich mit der Beziehung zwischen Mensch und DING und der Frage nach dem Sein und Haben auseinander. Um „dieses Thema authentisch zu vermitteln“, lässt er zahlreiche Menschen zu Wort kommen. Sein Qigong-Lehrer, der Sohn von Bekannten seiner Eltern und Menschen, die er in Sehbehinderten- und Gehörlosenvereinen kennengelernt hat, stellen ihr Verhältnis zu materiellen Werten und ihre Bedeutung für das persönliche Glück dar. Für diese Arbeit erhielt der zukünftige Student für Medienkunst und -gestaltung den mit 300 Euro dotierten Publikumspreis „Goldener Arthus“.

Fünf Preise wurdem beim 19. Rostocker Filmfest vergeben
Fünf Preise wurdem beim 19. Rostocker Filmfest vergeben

Insgesamt wurden Geldpreise im Wert von 650 Euro sowie zahlreiche Sachpreise beim 19. Rostock Filmfest vergeben. 31 Filme wurden zuvor eingereicht, von denen 13 schließlich im MAU-Club gezeigt wurden. Die Entscheidung sei nicht einfach gewesen. Auf Ausgewogenheit sei es angekommen, erklärt Festivalbegründer Mattias Spehr die Programmauswahl, sowohl was Genre (Kurzspielfilme, Animation, Musikclip, Dokumentation) betrifft, als auch eine weite Alterspanne (ab fünf Jahre aufwärts) sei der Programmjury wichtig gewesen. Ein breites Spektrum aktueller, nichtkommerzieller Produktionen Rostocker Filmemacher sollte gezeigt werden.

Der Wettbewerb wird durch den Bundesverband Deutscher Film-Autoren ausgeschrieben und vom Institut für Neue Medien Rostock veranstaltet.

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