Die 4. Revolution – Energy Autonomy

Erneuerbare Energien – Filmvorführung und Diskussion

7. April 2010, von
Windkraftanlagen bei Rostock
Windkraftanlagen bei Rostock

Eine bescheidene Frage: Wann haben Sie zuletzt über den Schutz unserer Umwelt oder gar regenerative Energien nachgedacht? Sparen sie Strom? Schalten Sie das Licht aus, wenn es nicht unbedingt gebraucht wird? Oder heizen Sie gar bei offenem Fenster auf der höchsten Stufe?

Ich schaue aus meinem Fenster und sehe Windkrafträder am Horizont. Wie oft mache ich mir eigentlich Gedanken über die Energie, die ich verbrauche, und ihre Entstehung?

Gestern wurde mir wieder bewusst, wie wichtig dieses Thema ist.

Am Abend war ich zu Gast im Hansa-Filmpalast, wo der Film „Die 4. Revolution“ von Carl A. Fechner gezeigt wurde. Initiator dieses Abends war die Heinrich-Böll-Stiftung MV. Der Film handelt von der Zukunftsvision einer Welt, in der Energie zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. Darüber hinaus soll diese Energie jedermann erreichen und auch finanzierbar sein. Es geht also um eine radikale Umstrukturierung im Bereich der Energieversorgung. Diese soll nicht mehr von großen Energiekonzernen und ihren Kraftwerken gewährleistet werden, sondern von einzelnen Dörfern, Regionen oder sogar Familien. Hierfür notwendig sind lediglich technische Neuerungen.

Die „4. Revolution“ ist also eine technische Revolution und folgt der landwirtschaftlichen, der industriellen und der Informationsrevolution. Regenerative Energiequellen, wie die Sonne, der Wind oder das Wasser, sind kostenlos und für jedermann verfügbar. Vorausgesetzt man besitzt die dafür notwendige Technik zu ihrer Umsetzung. Fossile und atomare Energiequellen dagegen werden immer teurer und ihr Verbrauch bzw. ihre Gewinnung schädigen die Umwelt.

Der Film zeigt verschiedene Möglichkeiten und erste Initiativen zur Umsetzung einer solchen Utopie. Es werden Vorreiter und weltweite Projekte vorgestellt. So kommt etwa der Unternehmer Matthias Willenbacher zu Wort. Er baute 350 Windkraftwerke sowie ein Bürogebäude, das mehr Energie produziert als es verbraucht. Der Elektroingenieur Ibrahim Togola hingegen sorgt im Film dafür, dass auf dem Dach einer Entbindungsstation in Mali ein Solarmodul angebracht wird. Nun müssen die Hebammen dort nachts nicht mehr mit Taschenlampen während der Arbeit hantieren.

Christine Decker, Heinrich-Böll-Stiftung
Christine Decker, Heinrich-Böll-Stiftung

Das Gespräch im Anschluss an den Film moderierte Christine Decker von der Heinrich-Böll-Stiftung. Anwesend waren auch Umweltsenator Holger Matthäus, Helge Kramer vom Bürgersolarverein Neustrelitz sowie Johann-Georg Jaeger vom Bündnis 90/ Die Grünen.

Helge Kramer aus Neustrelitz betonte zu Beginn der Besprechung den für jede Veränderung unerlässlichen Willen der Menschen. Zugleich aber sei ein finanzieller Anreiz vonnöten. Dies habe der Film gut herausgestellt.

Über ein besonderes Rostocker-Projekt in Sachen Umweltschutz sprach dann Holger Matthäus. Es handle sich um die Initiative für eine Bürger-Solarstrom-Anlage, über die wir bereits berichtet haben. Eine solche soll bis zur Jahresmitte auf einem Gebäude der WIRO in Lichtenhagen und Lütten Klein installiert werden. Allerdings, so Matthäus, würden immer noch Investoren gesucht, die bei der nächsten Sitzung der Initiative im April natürlich gern gesehen seien.

Holger Matthäus
Holger Matthäus

Auf die Frage nach weiteren derzeitigen Maßnahmen im Bereich der erneuerbaren Energien in Rostock antwortete Matthäus mit einem Hinweis auf die äußerst umweltfreundliche Fernwärme-Erzeugung in der Gas- und Dampfturbinenanlage in Rostock-Marienehe. Dort wird Fernwärme gleichzeitig mit Strom erzeugt. Kraft-Wärme-Kopplung, ein sehr umweltschonendes Verfahren. Wird doch der bei der Stromerzeugung verwendete Dampf in einem zweiten Schritt genutzt, um Wasser zu erwärmen.

Matthäus unterstrich, dass in Rostock über die Hälfte des Wärmeverbrauchs in diesem Heizkraftwerk produziert werde. Über 70 % der Rostocker Wohnungen würden damit versorgt werden. Ein Verfahren, mit dem Rostock derzeit „gut dran“ sei, wie er erläuterte. 2018 aber müsse das Heizkraftwerk Marienehe durch einen Neubau ersetzt werden. Wählte man dann einen anderen Energieträger als das derzeitige Erdgas, etwa Biomasse, so könnte über die Hälfte der Stadt regenerativ versorgt werden.

Wo viel Licht ist, gibt es natürlich immer auch Schatten. Benutzungszwang, fehlender Wettbewerb und teils saftige Preiserhöhungen stehen den Vorteilen gegenüber. Nicht umsonst durchleuchtet das Bundeskartellamt seit dem Herbst letzten Jahres den Fernwärmesektor in Deutschland.

4. Revolution - Energy Autonomy, Diskussion mit Christine Decker, Johann-Georg Jaeger und Holger Matthäus
4. Revolution - Energy Autonomy, Diskussion mit Christine Decker, Johann-Georg Jaeger und Holger Matthäus

„Wie aber sieht es in Mecklenburg-Vorpommern mit erneuerbarer Energie aus? Ist hier der Umstieg auf regenerative Energiequellen noch Zukunftsmusik oder durchaus umsetzbar?“, fragte Christine Decker Johann-Georg Jaeger von Bündnis 90/ Die Grünen.

„Also Mecklenburg-Vorpommern ist überhaupt kein Problem.“, antwortete Jaeger. Hier würden jetzt schon 40 % der Energie aus Windkraft gewonnen und 1 % des Stromes werde aus Photovoltaik gewonnen.

Dazu käme noch Biomasse. Kurz und gut, es würden bereits 60 % unseres Strombedarfes aus regenerativen Energiequellen stammen. Meck-Pomm läge da ganz weit vorn.

Ist also „alles paletti“ in Sachen regenerativer Energien bei uns?

Der Film hat gezeigt, dass die „4. Revolution“ trotz aller bisherigen Errungenschaften und den Bemühungen einzelner Vorreiter nur in Ansätzen Wirklichkeit wird. Ein Herr aus dem Publikum sprach in diesem Zusammenhang von der „Macht der Mächtigen“, die längst noch nicht sinnvoll genutzt werde. Doch kurz darauf hieß es in einer Wortmeldung, diese Macht läge ebenso bei jedem Einzelnen von uns und jeder könne als Energieverbraucher darüber entscheiden, ob und wie er dabei etwas für die Umwelt tun wolle.

Ein Thema, das uns noch lange beschäftigen dürfte, im Kleinen ebenso wie im Großen.

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