AfD-Demo gegen Moscheebau und Gegendemo in Reutershagen

Knapp 1000 Menschen schließen sich unter dem Motto „Interreligiöse Solidarität“ dem Bündnis „Rostock nazifrei“ zur Gegendemo an

26. März 2019, von
Demo des Bündnisses Rostock nazifrei
Demo des Bündnisses Rostock nazifrei

Knapp 1000 Menschen zogen heute unter dem Motto „Interreligiöse Solidarität“ vom Holbeinplatz durch das Komponistenviertel in Richtung Markt Reutershagen. Hier hatten sich etwa 250 Menschen versammelt, um gegen einen Moscheebau in Rostock zu demonstrieren. Anlass waren Berichte über die Planung eines Moscheebaus auf einer Grünfläche am Holbeinplatz.

„Wir wollen keine Moschee in Rostock,“ rief Steffen Reinicke von der AfD, die zu der Kundgebung mobilisiert hatte, und vor Ort Unterschriften für einen entsprechenden Bürgerentscheid sammelte. Sie sei sinnlos, denn Flüchtlinge würden sowieso das Land wieder verlassen. „Eine Moschee symbolisiert die Landnahme einer fremden, aggressiven Religion.“ Außerdem könne man überall beten, „wenn es ganz dringend ist, sogar auf einem Scheißhaus“, redet der AfD-Sprecher gegen eine befürchtete Islamisierung Rostocks an.

AfD-Demo in Rostock-Reutershagen
AfD-Demo in Rostock-Reutershagen

Die kann Maher Fakhouri hingegen nicht erkennen und wirft der AfD vor, „Angst und Hass zu schüren auf dem Rücken von Flüchtlingen und Muslime.“ Seit 1985 lebt der Muslim in Rostock und ist Vorsteher der hiesigen islamischen Gemeinde. Seit 21 Jahren nutzt der Islamische Bund eine Baracke in der Südstadt als Moschee und lädt hier regelmäßig zum Tag der offenen Tür ein. Fast genauso lange engagiert sich Fakhouri im interreligiösen Arbeitskreis, dessen Vertreter auf der Gegendemonstration des Bündnisses „Rostock nazifrei“ Hand in Hand zusammenstanden (der jüdische Vertreter hatte krankheitsbedingt abgesagt).

Der jetzige Gebetsraum sei absolut unwürdig. Im Winter ist er zu kalt und für weit über hundert Menschen auch viel zu klein, erläutert Pastor Tilman Jeremias. „Der Islamische Bund ist momentan nicht in der Lage das Projekt Moscheeneubau weiterzuführen. Die Gemeinde bekommt kein Geld aus Saudi-Arabien. Sie ist auf Spenden angewiesen und deshalb ist der Pachtzins, den die Stadt verlangt, momentan für sie nicht leistbar.“ Für den interreligiösen Arbeitskreis fordert der Bischof öffentlich die Stadt auf, den Pachtzins zu senken, damit die islamische Gemeinde bauen kann.

Mit 600 Kräften war die Polizei im Einsatz, um u.a. die Demonstranten beider Lager voneinander zu trennen.
Mit 600 Kräften war die Polizei im Einsatz, um u.a. die Demonstranten beider Lager voneinander zu trennen.

Unter die Gegendemonstration hatte sich auch Michael Stürzenberger gemischt und geriet mit ihnen aneinander, als der ehemalige Bundesvorsitzende der inzwischen aufgelösten rechtspopulistischen Kleinpartei „Die Freiheit“ erkannt wurde. Später – nach dem AfD-Umzug um ein paar Reutershäger Häuser – war er der Hauptredner, dessen Beitrag von den Gegendemonstranten lautstark mit Rufen wie „Ganz Rostock hasst die AfD“ begleitet wurde.

„Jeder konnte sein Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen“, lautete am Ende das Fazit der Polizei. Mit 600 Einsatzkräften aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg war sie im Einsatz und hatte zuvor und während der Demonstrationen Halteverbote und Vollsperrungen angeordnet.

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4 Kommentare

  • W. Kloock sagt:

    Ich kann nicht verstehen, dass die Stadt Rostock an diesem zentralen Punkt unbedingt einen Moscheeneubau zulassen will. Vom Haltepunkt Holbeinplatz erfolgt ein Großteil des Zuschauerzugangs zum Ostseestadion. Die Moschee ist an diesem Platz eine Provokation für alle, die es nicht mit dem Islam halten. Ärger und Unfrieden ist damit vorprogrammiert.

  • Max sagt:

    klar ist der Platz ein Provokation für alle Rostocker , Gebetsraum warum nicht aber kein Minoret oder zu sehr das es nicht in unseren Kulturkreis passt , den Islam ist nicht der Deutsche Kulturkreis , selbstverständlich Gebetsraum , einen Ort wo sich diese Leute treffen , wenn Sie es selbst bezahlen , ohne Steuergelder

  • Veronika sagt:

    Wie es wohl die islamischen Bürger finden, wenn man eine Kirche dort bauen würde.
    Ich glaube da wäre auch keiner begeistert und der Ort ist auch nicht gut gewählt.
    Eskalationen sind dort doch vorbestimmt.
    Man sollte eine Lösung finden, wo beide Seiten mit leben können.
    Ich bin der Meinung, dass der Deutsche in seinem Heimatland noch selbst darüber bestimmen sollte.

  • Johannes sagt:

    W.Kloock, Max, Veronika.. schämt euch!! Ich liebe meine Heimat, solch dämliche Aussagen führen dazu, dass der Rest der Republik denkt es leben nur Nazis dort. Offensichtlich.
    Anstatt zu kommentieren, was ein schlechter Ort für eine Moschee in der Stadt wäre und von welchen Geldern dies bezahlt werden sollte, mal einen vernünftigen Vorschlag bringen, der Alternativen und Kompromisse hervorbringt. Es leben seit Jahrzehnten etliche Vietnamesen und Türken in der Stadt, zum Dobi Döner rennt ihr doch auch alle.

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