Streit um Torelemente am Kröpeliner Tor

Stadtplaner stellen Modell in Originalgröße auf und befragen die Passanten

29. Mai 2011, von
Modell des Kröpeliner-Tor-Platzes
Modell des Kröpeliner-Tor-Platzes

Rote Karte für Rostocks Stadtplaner. Anders kann man es kaum beschreiben, was die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) am Samstag am Kröpeliner Tor erleben musste.

Zwei Baugerüste in grüner Gaze verkleidet wurden rechts und links neben dem Rostocker Stadttor errichtet. 7,20 Meter ragen sie in die Höhe. Ihre weiteren Ausmaße: zwei Meter breit und 1,50 Meter tief. Maßstabsgetreu sollen die beiden Modelle den Passanten einen Eindruck über die räumlichen Dimensionen der Torelemente geben, die hier zukünftig stehen sollen. Denn der Platz soll sich verändern. Er muss sich verändern, ist das alte Pflaster nach all den Jahren an einigen Stellen sogar zur Stolperfalle geworden.

Die Stelen sollen die historische Stadtmauer mit dem Stadttor verbinden
Die Stelen sollen die historische Stadtmauer mit dem Stadttor verbinden

Dass der Platz umgestaltet werden soll, darüber herrscht zumindest Einigkeit. Die Frage ist nur: wie? Und darüber hat sich in jüngster Zeit ein Streit entbrannt. Ein wesentlicher Kritikpunkt sind sogenannten Torelemente, die am Samstag in Originalgröße für vier Stunden auf dem Platz modelliert wurden.

Die Torelemente sollen die historische Verbindung zwischen Kröpeliner Tor und Stadtmauer wiederherstellen. Der ursprüngliche Plan sah drei dieser Stelen zwischen Stadtmauer und Tor und eine weitere auf der anderen Seite des Tores vor. „Es geht um das Eintreten in die Stadt und das Herauskommen. Aber eben nicht, indem die Mauer geschlossen wird, sondern mit ganz transparenten Elementen,“ erklärt Landschaftsarchitekt Stefan Pulkenat die Idee der Torelemente.

Bäume schmücken den Platz am Kröpeliner Tor
Bäume schmücken den Platz am Kröpeliner Tor

Mithilfe eines Fragebogens wollten sich die Hansestadt Rostock und die RGS nun ein Meinungsbild von den Passanten einholen. „Wir haben bei diesem Projekt gemerkt, dass es sehr starke Diskussionen gibt, die zum Teil aber auch geführt werden, weil die Leute die Modelle nicht kennen“, erläutert Anja Eppner, die vom Amt für Stadterneuerung für persönliche Gespräche bereitstand. Gefragt wurde, ob die Wiederherstellung der historischen Verbindung überhaupt richtig sei und auch die räumliche Dimension als angemessen empfunden wird. Außerdem konnten Vorschläge zum Material abgegeben werden.

Allerdings ernteten die Stadtplaner überwiegend Ablehnung für den Entwurf. Hitzige Wortgefechte wurden im Schatten des Kröpeliner Tors ausgetragen. Und auch im Inneren des Gebäudes, wo zusätzlich ein Modell das neue Ensemble veranschaulichte, gingen die Diskussionen heiß her. Viele machten ihren Unmut Luft, und zwar nicht nur bezogen auf dieses konkrete Projekt. Ablehnende Meinungen zu vorherigen Umgestaltungsmaßnahmen in der Stadt wurden hier ebenso geäußert.

Das Kröpeliner Tor markiert einen Eingangsbereich zur Innenstadt
Das Kröpeliner Tor markiert einen Eingangsbereich zur Innenstadt

„Wozu brauchen wir das Ding? Das ist dasselbe wie beim Steintor. Es wird nur beschmiert und interessiert keinen, der etwas von der mittelalterlichen Bauweise versteht“, schimpfte eine ältere Frau. Eine andere pflichtete ihr bei: „Wenn man den Doberaner Platz ansieht: Kein Mensch schaut nach diesen komischen Dingern dort. Nicht einmal die Kinder nehmen das an. Es ist nur hinausgeworfenes Geld.“

„Das habe ich in der Form auch ein bisschen erwartet. Ganz wenige können sich mit den abstrakten Dingen vorstellen, was damit gemeint ist“, kommentiert Pulkenat die Reaktionen.

Die Rückmeldungen vom Samstag und die vorangegangenen Diskussionen reichten den Stadtplanern, um sich zu einem Verzicht auf die Aufstellung der Torelemente zu entschließen.

Und wie soll der Platz nun gestaltet werden? Dazu heißt es von der RGS: „Im Wesentlichen werden mit Ausnahme der Stelen die ursprünglichen und bereits vorgestellten Planungen umgesetzt. Anregungen aus den öffentlichen Vorstellungen werden  aufgenommen. Insbesondere bleiben weitere Bäume erhalten, u. a. die große Linde an der Stadtmauer.“

Die Umgestaltungspläne lösen heftige Diskussionen aus
Die Umgestaltungspläne lösen heftige Diskussionen aus

Die Anzahl der Bäume stellt eine weitere Streitfrage bei der Umgestaltung des Platzes dar. Eine konkrete Zahl, wie viele Bäume und Sträucher gefällt und wie viele neu gepflanzt werden, benennt die RGS auf unsere Anfrage nicht. „Es kann unterstellt werden, dass mit Einbeziehung der ca. 30 neu gepflanzten Bäume vor dem Kröpeliner-Tor-Center auch hier ein positiver Saldo entsteht.“

Auf den finanziellen Aufwand habe das Hin und Her bisher keine Auswirkungen, nur der Zeitplan wird sich nach hinten verschieben. Der ursprünglich für Ende August geplante Baubeginn kann nicht eingehalten werden.

Schlagwörter: Kröpeliner Tor (35)RGS (31)Sanierung (87)

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