Die Prognose zum Einwohnerwachstum wird überprüft

Stadtplaner stellen Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses „Zukunftsplan Rostock“ vor

30. Januar 2019, von
Ergebnisse Zukunftsplan Rostock
Ergebnisse Zukunftsplan Rostock

4.783 Gramm Gummibärchen, Bonbons und anderes Zuckerzeug wurden im letzten Jahr verzehrt bei den 14 Veranstaltungen zum „Zukunftsplan Rostock“, an denen etwa 600 Menschen teilnahmen. 1.260 Rückmeldungen gab es zu den drei erarbeiteten Szenarien, die sich mit der Frage befassten, welche Flächen des Stadtgebietes künftig auf welche Weise genutzt werden sollen.

Ausgangspunkt war die Notwendigkeit einen neuen Flächennutzungsplan (FNP) zu erstellen unter der Annahme, dass die Einwohnerzahl Rostocks in den nächsten 20 Jahren auf 231.000 wächst. Schwerpunkt sei daher der Bau von Wohnungen. 26.000 Wohneinheiten auf bis zu 490 ha Fläche seien nötig. Außerdem 50 ha für Gewerbe, 17 ha für Wissenschaft, 375 ha für die Hafenentwicklung: Insgesamt sollen also über 900 ha für diese Entwicklung zur Verfügung stehen.

Soweit die statistische Auswertung des Bürgerbeteiligungsprozesses, den die Stadtverwaltung der FNP-Erstellung vorausgestellt hat. Von einem intensiven Jahr spricht der Leiter des Amtes für Stadtplanung, Ralph Müller: „Wir nehmen das sehr sehr ernst.“ Die Ergebnisse sollen nun in die behördliche Ausarbeitung des Planes einfließen. Sie sind jedoch nur einer von vielen Bestandteilen von Konzepten und weiteren Plänen, wie beispielsweise dem Umwelt- und Freiraumkonzept oder dem Hafenentwicklungsplan, die dabei berücksichtigt werden.

Inhaltlich wurden die Äußerungen, Wünsche und Vorstellungen aus der Bürgerbeteiligung in neun Kernthesen zusammengefasst. Eine deutliche Positionierung habe es zu verdichteten Wohnräumen gegeben. „Das haben sich die meisten gewünscht“, hebt Müller eines der herausragendsten Erkenntnisse hervor. Applaus erntete die Vorstellung der These, in der es um den Erhalt der Kleingartenanlagen ging. Viel Unmut hatten die Planer von den Kleingärtnern im letzten Jahr auf sich gezogen, als sie Parzellen vom Plan strichen, um Platz für andere Nutzungen zu schaffen. Eine Extra-Veranstaltung wurde zu diesem Thema eingeschoben.

Hier die Kernthesen im Überblick:

  1. Urbane verdichtete Wohnquartiere schaffen
  2. Mindestens einen neuen größeren Stadtteil vorrangig entwickeln
  3. Bestehende Gewerbegebiete modernisieren und erweitern
  4. Arbeiten und Wohnen in der Stadt zusammenbringen
  5. Kleingarten so weit wie möglich erhalten
  6. Landschaftsräume schützen und wohnortnahes Grün erhalten
  7. Die soziale Mischung in der gesamten Stadt fördern
  8. Innovative Mobilität mit Fokus auf ÖPNV, Rad- und Fußverkehr fördern
  9. Stadtteile vernetzen und Verbindungen über die Warnow schaffen

Die Thesen seien untereinander widersprüchlich und enthalten Konfliktpotenzial. „Es wird an der einen oder anderen Stelle wehtun“, bereitet Ralph Müller die Rostocker auf Einschnitte vor.

Doch seien diese Einschnitte wirklich nötig, wird diese Entwicklungsprognose tatsächlich so aufgehen? Zweifel aus dem Publikum in der Rostocker Kunsthalle werden bei der anschließenden Diskussion laut.

Stimmt die Einwohnerprognose, ist eine der Fragen, die gleich von mehreren Rednern aufgeworfen wird. Chris Müller-von Wrycz Rekowski, Senator und OB-Kandidat, räumt ein: „Wir werden in diesem Jahr die Prognose noch einmal überprüfen. Ich denke, dass wir das nach unten korrigieren.“ Die Prognose stamme aus dem Jahr 2015, in dem die Einwanderung von Flüchtlingen auf einem Höhepunkt war. Heute stelle sich die Situation anders dar. Der Senator beschwichtigt. „Das macht uns keine Sorge. Wir stehen am Anfang eines mehrjährigen Prozesses und werden bei Bedarf nachsteuern.“

Schlagwörter: Bürgerbeteiligung (24)Stadtentwicklung (25)

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