Warnemünder Bahnhofsbrücke wieder komplett freigegeben

Pünktlich zum Start der Warnemünder Woche wurde die Warnemünder Drehbrücke über den Alten Strom wieder vollständig für den Fußgängerverkehr freigegeben

1. Juli 2011, von
Bahnhofsbrücke Warnemünde wieder vollständig freigegeben - Steffen Frühbote (Bauleiter, Groth & Co.), Sven Ahrens (Stadtforstamt), Anja Koch (Hafen- und Tiefbauamt) und Olaf Jantzen (Zimmerei Blum)
Bahnhofsbrücke Warnemünde wieder vollständig freigegeben - Steffen Frühbote (Bauleiter, Groth & Co.), Sven Ahrens (Stadtforstamt), Anja Koch (Hafen- und Tiefbauamt) und Olaf Jantzen (Zimmerei Blum)

42 Meter lang, sieben Meter breit und 80 Tonnen schwer ist sie, die 108 Jahre alte Drehbrücke, die im Ostseebad Warnemünde die Verbindung zum Bahnhof herstellt. Trotz ihres ehrwürdigen Alters wird die historische Überführung über den alten Warnowarm an Spitzentagen immer noch von mehr als 20.000 Fußgängern benutzt – da hat sich die alte Dame ihre Frischekur redlich verdient.

Nach acht Wochen Bauzeit wurde die Brücke heute pünktlich zum Beginn der 74. Warnemünder Woche wieder für den Fußgängerverkehr freigegeben. Neben Korrosionsschutzarbeiten wurden in dieser Zeit auch die gesamten Bohlen des Fahrbahnbereichs erneuert.

Zimmermeister Olaf Jantzen hat die neuen Eichenbohlen auf der Bahnhofsbrücke in Warnemünde verlegt
Zimmermeister Olaf Jantzen hat die neuen Eichenbohlen auf der Bahnhofsbrücke in Warnemünde verlegt

Knapp 220 massive Eichenbohlen wurden verlegt und mit jeweils 22 Bolzen verschraubt, erläutert Zimmermeister Olaf Jantzen von der Zimmerei Blum. Stolz zeigt er auf die Schrauben, mit denen die Bohlen in traditioneller Handwerkskunst befestigt wurden.

„4.800 Schrauben, das war ordentlich Arbeit“, erzählt der Zimmermeister und auch die Eichenbohlen haben es in sich gehabt. „120 Kilogramm bringt jede dieser Bohlen auf die Waage“, so Jantzen. Auch sie mussten ganz traditionell mit Muskelkraft an ihren Platz gebracht werden.

Verwendet wurde Holz, das aus der Rostocker Heide kommt. „Das ist nicht einfach nur Holz“, weist Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus auf eine Besonderheit hin, „das ist zertifiziertes Holz nach dem FSC.“ Dieses internationale Zertifikat belegt die nachhaltige Bewirtschaftung und konnte seit dem Jahr 2000 fortlaufend für die Rostocker Heide verteidigt werden.

Die Drehbrücke in Warnemünde ist wieder vollständig freigegeben - Sven Ahrens (Stadtforstamt), Olaf Jantzen (Zimmerei Blum), Senator Holger Matthäus, Anja Koch (Tief- und Hafenbauamt) und Heiko Tiburtius (Leiter des Rostocker Tief- und Hafenbauamtes)
Die Drehbrücke in Warnemünde ist wieder vollständig freigegeben - Sven Ahrens (Stadtforstamt), Olaf Jantzen (Zimmerei Blum), Senator Holger Matthäus, Anja Koch (Tief- und Hafenbauamt) und Heiko Tiburtius (Leiter des Rostocker Tief- und Hafenbauamtes)

Ein Teil der Eichen kommt aus dem Revier Schnattermann, der andere aus Wiethagen, erläutert Sven Ahrens, Revierleiter in Wiethagen. Im Stadtforstamt ist er für die Holzvermarktung zuständig. Auch die Lärchen für die bereits vor einem Jahr erneuerten Seitenbereiche stammen aus eigener Bewirtschaftung. Sie kommen aus Torfbrücke, einem der vier Reviere im Rostocker Stadtforst.

Letztes Jahr wurden die Bäume gefällt, anschließend kamen sie relativ schnell ins Sägewerk, wo sie dann noch ein gutes halbes Jahr trocknen konnten, beschreibt Ahrens den Prozess vom Baum bis zur Brückenbohle. Danach ging es noch eine Woche in die Trockenkammer, bevor die Hölzer gehobelt werden konnten. „Luftgetrocknet hätte man etwa sechs Jahre gebraucht“, so Ahrens, „man versucht die Natur hier etwas zu überlisten.“

1991 fand die letzte Sanierung statt und mindestens 10 bis 20 Jahre soll die Brücke auch jetzt wieder halten. „Vielleicht langt unser sehr gutes Holz aus der Rostocker Heide sogar noch zehn Jahre länger“, zeigt sich Matthäus zuversichtlich.

Schon am Wochenende haben die neuen Bohlen ihre erste Bewährungsprobe zu bestehen, dürften sich zum Warnemünder Umgang und dem Waschzuberrennen doch wieder zahlreiche Schaulustige auf ihr versammeln.

Auch wenn mit der Freigabe der Brücke die Arbeiten im oberen Bereich beendet sind, wird am Unterbau weiter gearbeitet, berichtet Anja Koch vom Tief- und Hafenbauamt. Sie ist vonseiten der Stadt für die Koordinierung des Projektes zuständig.

In den letzten Wochen wurde die Bahnhofsbrücke in Warnemünde saniert
In den letzten Wochen wurde die Bahnhofsbrücke in Warnemünde saniert

Voraussichtlich bis Ende September werden die Arbeiten am Unterbau der Brücke noch andauern, erläutert sie. So müssen die Schutztafeln im Wasser noch erneuert sowie der Korrosionsschutz des Stahlbaus abgeschlossen werden. Insgesamt werden bis dahin 260.000 Euro in das Projekt fließen.

Im Herbst soll dann auch das Drehen der Brücke nachgeholt werden, das beim diesjährigen Stromerwachen leider ausfallen musste. „Vielleicht klappt es zur Dorschwoche“, gibt sich Koch optimistisch.

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