Rostocker sehen zunehmende Versiegelung kritisch

Bürgerveranstaltung zur Vorbereitung eines neuen Umwelt- und Freiraumkonzeptes für Rostock

12. Oktober 2018, von
Ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung zum neuen Umwelt- und Freiraumkonzept für Rostock
Ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung zum neuen Umwelt- und Freiraumkonzept für Rostock

Es gehe nicht um Kleingärten und auch nicht um die drei Szenarien des Flächennutzungsplans (FNP), grenzte Marina Dettmann vom Amt für Stadtgrün gleich zu Beginn der Bürgerbeteiligungsveranstaltung in der Rathaushalle das Thema ab. Es geht um die Erarbeitung eines Umwelt- und Freiraumkonzeptes. Dieses sei allerdings eine der vielen Grundlagen, der in die Erneuerung des Flächennutzungsplanes einfließe und auch an einem Kleingartenkonzept werde derzeit gearbeitet. In den letzten Wochen hatten Vorschläge der Stadtverwaltung Kleingartenanlagen immer mehr zu Gunsten anderer Flächennutzungen zu beschneiden und zu entfernen für Proteste gesorgt.

Der Druck auf Freiflächen wächst angesichts des gegenwärtigen und prognostizierten Anstiegs der Einwohnerzahl Rostocks. Die Stadt benötigt Bauland für Wohnhäuser und neue Gewerbeansiedlungen. Aber auch die neuen Einwohner wollen nicht in einer Betonwüste leben. Daher soll mit diesem Konzept die Freiraumqualität gestärkt werden, so das Amt für Stadtgrün. Das Bevölkerungswachstum in Rostock sei jedoch nicht der einzige Anlass für die Neukonzipierung. Ebenso sollen die Herausforderungen des Klimawandels berücksichtigt und die soziale Teilhabe gefördert werden.

Nach einer Bestandsaufnahme Anfang des Jahres wurde ein erstes Leitbild entwickelt. Bei der Analyse der Stärken und Schwächen haben die Planer ihre Amtsstuben verlassen und mit Hilfe eines moderierenden Berliner Büros die Einwohner um Rat gefragt. Ideen, Anregungen und Hinweise von Rostockern zu Fragen wie: Wo fehlen Grün- und Freiflächen im Gebiet? Auf welchen Flächen hältst Du Dich bevorzugt auf? Welches sind Deine Lieblingsorte? Wo sollte die Qualität des urbanen Grüns verbessert werden? Wo fehlen Wegeverbindungen im Grünen? Welche Bedeutung spielen die Gräben, Gewässer und Kleingärten im Gebiet für die Erholung?

Vier Bürgerbeteiligungsveranstaltungen haben bereits stattgefunden. Die letzte ist für den 30. Oktober für die Stadtbereiche Gehlsdorf, Toitenwinkel, Dierkow und Brinckmansdorf geplant.

Etwa 80 Anwohner – nicht nur aus den thematisierten Stadtbereichen Kröpeliner-Tor-Vorstadt, Stadtmitte, Südstadt, Biestow, Hansaviertel, Gartenstadt/Stadtweide und Reutershagen – haben gestern an der als World Café bezeichneten Workshopmethode teilgenommen. An gut gefüllten Tischen wurde über Grünflächen, Wege und Plätze sowie Gewässer ausgiebig diskutiert. Neben vielen an ganz konkrete Orte geknüpfte Hinweise wie „mobiles Grün auf der Kröpi“, „der Kanonsberg ist zu kahl“ oder „wir brauchen im Stadthafen keinen weiteren Strand, wir haben ja die Ostsee“ wurden auch immer wieder allgemeine Wünsche geäußert.

So kamen die Blumenwiesen, die das Amt für Stadtgrün anlässlich des 800. Stadtjubiläums in vielen Stadtteilen erblühen ließ, ausgesprochen gut an. „Wir wollen mehr davon auch in den nächsten Jahren“, „Blühwiesen statt monotoner Rasenflächen“ lauteten die Wünsche hierzu. Probleme im Innenstadtbereich sahen die Teilnehmer – die bis auf wenige Ausnahme zu den älteren Semestern gehörten – in dem Mangel an Spielplätzen für unter Sechsjährige und auch für Jugendliche sollten attraktive Aufenthaltsorte im Freien und Trimm-dich- Fade geschaffen werden. Die L22 oder auch bestimmte Ampelanlagen werden als Barrieren empfunden, wenn es darum geht sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der Stadt fortzubewegen. Kritisch wurde auch gesehen, dass den Autos zu viel Parkplatz eingeräumt wird und Plätze und Straßen dadurch an Attraktivität nehmen. „Wir können unsere Autos aber nicht mit in die Wohnung nehmen“, konterte eine Bewohnerin.

Insgesamt sorgten sich die Teilnehmer angesichts einer zunehmenden Versieglung der Freiflächen. Geschätzt wird nicht nur ihr Wert für die Naherholung, sondern auch ihre ökologische Bedeutung. Konkret wurde angemahnt, dass Biotope stärker vernetzt werden sollten und naturnahe Ufer der Warnow erhalten und ausgeweitet werden. Auch das Gebiet der Peezer Bachmündung, das am anderen Ende der Stadt östlich des Seehafens liegt, solle erhalten bleiben.

Noch in diesem Jahr wollen die Veranstalter der Bürgerbeteiligungsworkshops einen ersten Entwurf für das Konzept erstellen, inklusive eines Maßnahme- und Umsetzungspaketes. Entscheiden darüber wird dann schließlich die Bürgerschaft.

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