Das Bad Doberaner Münster

Geschichte in Backsteinoptik

5. September 2009, von

Das Doberaner Münster von außen

Über Bad Doberan als ansehnliches Städtchen hatte ich ja bereits geschrieben. Seine wichtigste Sehenswürdigkeit aber verdient einen eigenen Eintrag, handelt es sich hierbei doch um ein Prachtexemplar gotischer Baukunst.

Parkanlage um das Doberaner Münster
Parkanlage um das Doberaner Münster

Das Doberaner Münster war bis ins 16. Jahrhundert hinein die Klosterkirche des Klosters Bad Doberan, seit der Reformation steht es nun in evangelischer Tradition. Im Mittelalter war besagtes Kloster nicht nur reich an Grundbesitz, sondern auch politisch von großer Bedeutung. Hier wurden traditionell die Mitglieder der landesfürstlichen Familie bestattet. Und obwohl das Münster seitdem von Kriegen und Machtspielen gezeichnet und mehr als einmal restauriert wurde, sieht man ihm seine ehemalige Stellung auch heute noch schon von Weitem an. Stolz steht es zwischen alten Bäumen, ein perfekt konstruiertes mittelalterliches Backsteingebäude, auch ohne aufwändige Verzierungen ehrfurchteinflößend genug.

Sissi und ich stapfen beeindruckt durch die Parkanlage, die es umgibt. Verschlungene Wege, hier und da ein Denkmal. Verhalten plätschert ein Bach, ein spiegelglatter Teich spiegelt Baumkronen. Weiter hinten kann man die Ruine der Wolfsscheune (Siechenhaus des Klosters, danach eine Spinnerei, bis ein Sturm

Ruine der ehemaligen Wolfsscheune
Ruine der ehemaligen Wolfsscheune
sie zerstörte) ausmachen. Jogger hecheln durch die beeindruckende Szenerie, zerstören die bedeutungsschwangere Atmosphäre wie Nutella auf einem anmutigen Käsebrot mit Tomaten und Zwiebeln mit Pfeffer und Salz und Basilikum…(- ah, ich hab’ Hunger.)
Zwei schwatzende Gärtnerinnen beschäftigen sich engagiert mit ihren Rechen, um den ohnehin überaus gepflegten sattgrünen Rasen von eventuellen Verunreinigungen zu befreien. Muss frustrierend sein, der Job.

Führungen durch das Doberaner Münster
Führungen durch das Doberaner Münster

Nach diesem kleinen Spaziergang kommen wir am Haupteingang an. Dort informiert uns ein Schild, dass es hin und wieder, wenn mindestens 5 Personen zu einer bestimmten Zeit da und interessiert sind, auch Führungen gibt. An diesem Morgen scheint aber nicht allzu viel los zu sein. Um die fortwährend nötigen Restaurationen zu bezahlen, wird für eine Besichtigung Eintritt verlangt.

Immerhin dürfen wir ohne Blitz festhalten, was wir sehen (ja, ich personifiziere die Kamera. Wir unterhalten uns auch.). Alles ist hoch und schmal, viel Licht, die Schritte hallen. An manchen Stellen sind Gerüste aufgestellt, Bauarbeiter stehen darauf und fachsimpeln vor sich hin. Im Doberaner Münster gibt es einen beeindruckenden Hochaltar, der leider auch gerade restauriert wird. Ein großes goldenes Kreuz überstrahlt in einigen Metern Höhe die Bänke mit den Gläubigen.

Fenster im Doberaner Münster
Fenster im Doberaner Münster

Ich könnte mich an dieser Stelle detailliert über all die Grabstätten und besonderen Altäre auslassen, aber das findet ihr auf jeder anderen Seite. Nur soviel sei gesagt: Auch für mich als Atheistin war die gotische Architektur wirklich atemberaubend anzusehen, zugleich massiv und trotzdem luftig, fast bewegt. Durch die bunten, hohen Fenster dringt farbiges Licht ein, es brennen Kerzen, es gibt Gedenktafeln und viele Figuren. Mit welchem Gefühl man auch immer hinein geht, man kommt ruhiger wieder hinaus, man spürt die Geschichte, spürt, dass man seinen Horizont, wenn auch nur instinktiv, erweitert hat.

Doberaner Münster

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