3. Drinnen=Draußen.Textfest im Peter-Weiss-Haus 2011

Live-Literatur und Releaseparty für die 12. Ausgabe der Literaturzeitschrift Weisz auf Schwarz

5. September 2011, von
Michael Zoch bei Textfest im PWH
Michael Zoch bei Textfest im PWH

Schrankwandmenschen, kenternde Höckerschwäne, schwule Planeten mit Weltraumgehabe und Mädchen von der Datumsgrenze bevölkern die Gedichte von Michael Zoch. Erst kürzlich hatte der 45-jährige Lyriker aus Braunschweig seinen dritten Gedichtband unter dem Titel „Kometen vom Fass“ veröffentlicht. Mit ausgefallenen und kraftvollen Sprachbildern werden darin dem lyrischen Du in einem reimlosen Rausch von Assoziationen die „dünnen Wirklichkeiten“ vor Augen gemalt.

Kraftvoll war auch ihr Vortrag vom Dichter selbst beim Drinnen=Draußen.Textfest. Das war gut für seine Sprechmuskulatur und gut für das Publikum im Peter-Weiss-Haus, das dem Vortrag gebannt folgte.

Die dritte Auflage des Textfestes „Drinnen=Draußen“ stand ganz im Zeichen der Wahlen. Schon im Vorfeld hatten die Veranstalter von der Literaturzeitschrift Weisz auf Schwarz (WAS), vom Literaturhaus und dem Kulturreferat des AStAs auf das literarische Ereignis im Peter-Weiss-Haus mit bunten Plakaten und dem Slogan „Wählt WAS“ aufmerksam gemacht.

Wolfram Lotz, Michael Zoch und Textfestgast im Gespräch unter Rettungsregenschirmen
Wolfram Lotz, Michael Zoch und Textfestgast im Gespräch unter Rettungsregenschirmen

WAS sollte man also wählen?/! Am Vorabend zur Landtagswahl wurde dem Publikum ein Stimmzettel mit fünf Kandidaten ausgehändigt, die sich nacheinander vorstellten. „Wir verzichten auf die Kreuze“, hob Moderator Steffen Dürre doch bald den Wettbewerbscharakter auf. Die Autoren auf der Bühne sollten einfach nur lesen und die Gäste im gut gefüllten Studio einfach nur hören.

Michael Zoch machte den Auftakt, gefolgt von Wolfram Lotz. Der diesjährige Preisträger des Kleist-Förderpreises für junge Dramatiker, Jahrgang 1981, las über „Einige Engelerscheinungen in Amerika“ und entlockte damit den Zuhörern hin und wieder ungläubiges Lachen. Der Text dürfte den aufmerksamen Lesern der WAS sicherlich aus der letzten Ausgabe bekannt sein. Es sei denn, Wolfram Lotz sollte mit seiner Einschätzung über Literaturzeitschriften – „dass die ja niemand liest, selbst wenn man sie abonniert“ – recht behalten.

Offizielle Performance: Beisetzung des Sommers im Freigarten beim Textfest
Offizielle Performance: Beisetzung des Sommers im Freigarten beim Textfest

Was wir natürlich für die neueste Ausgabe nicht hoffen, die zum Textfest traditionell frisch gedruckt erschien. In der Pause konnte sie schon mal durchgeschmökert werden. Drinnen oder draußen im Freigarten, der an diesem freundlichen Spätsommerabend zum Verweilen einlud. Hier wurde der Sommer auch nur eine gute Stunde später mit einem feierlichen Ritual offiziell beigesetzt.

Die Skypeverbindung zu Stefan Schmitzer in Graz war leider gestört
Die Skypeverbindung zu Stefan Schmitzer in Graz war leider gestört

Doch bevor es soweit war, hatten noch drei weitere Autoren ihren Auftritt. Der von Stefan Schmitzer war allerdings leider nur sehr kurz. Per Skype sollte der österreichische Schriftsteller von seiner Wohnung in Graz zum Rostocker Textfest zugeschaltet werden und so dem Publikum einen Einblick in sein literarisches Schaffen ermöglichen. Die Verbindung war jedoch so gestört, dass man sich entschloss, vorzeitig abzubrechen.

Lukas Rauchstein
Lukas Rauchstein

Bühne frei also für einen bekannten Gast bei „Drinnen=Draußen“. Schon im letzten Jahr hatte Oliver Kluck hier gelesen. Aber nicht nur hier lässt sich der 1980 auf Rügen geborene Schriftsteller regelmäßig in unserer Hansestadt sehen. Bereits im Juli hatten ihn die Veranstalter zu einem Gespräch in die Uni eingeladen. Im November wird das Volkstheater Rostock sein Stück „Über die Möglichkeiten der Punkbewegung zur Gestaltung des regionalen Stadtraums“ uraufführen.

Nicht zum ersten Mal unterhielt auch Lukas Rauchstein das Textfestpublikum mit seinen gewitzten Liedern, die er ins Piano und ins Akkordeon pumpte. Auch in diesem Jahr bildete er wieder den musikalischen Abschluss, für den er begeisterten Applaus erhielt.

Drinnen=Draußen, WAS kümmern Raum und Zeit. Wer am Samstag nicht beim Textfest dabei war, erhält mit diesem Videomitschnitt einen kleinen Eindruck von Oliver Klucks Beitrag.

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