Flüchtlingsboot M/S Anton zu Gast in Warnemünde

Die schwimmende Kunstinstallation auf dem Kutter Anton möchte auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen

3. Juli 2015, von
Flüchtlingsboot M/S Anton in Rostock-Warnemünde
Flüchtlingsboot M/S Anton in Rostock-Warnemünde

Seltsam und bedrückend wirkt die Szenerie am Liegeplatz 28 am Alten Strom in Warnemünde. Ein kleiner, alter Fischkutter hat dort heute festgemacht, hoffnungslos überladen. Überladen mit Menschen, die dicht gedrängt an Deck stehen.

Erst auf den zweiten Blick wird klar: Es sind 70 lebensgroße Bronzeskulpturen, die stumm an der Reling stehen und auf die vorbeieilenden Besucher der Warnemünder Woche schauen. Mit seinen Skulpturen, die aufgefischte Flüchtlinge darstellen, hat der dänische Künstler Jens Galschiøt den Kutter Anton in ein Flüchtlingsboot verwandelt.

Das globale Flüchtlingsproblem und Europas Verantwortung für eine menschliche Behandlung der Flüchtlinge sollen mit der schwimmenden Kunstinstallation in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden.

Doch es geht den Organisatoren nicht nur um die Situation der Flüchtlinge und die moralische Pflicht gegenüber unseren Mitmenschen, die versuchen Krieg, Hunger, Verfolgung und Armut zu entfliehen. Diskutiert werden sollen auch die vielfältigen Ursachen von Flucht und Vertreibung sowie die Notwendigkeit einer fairen Entwicklungs- und Handelspolitik.

Skipper Knud Andersen vor dem Flüchtlingsboot M/S Anton in Warnemünde
Skipper Knud Andersen vor dem Flüchtlingsboot M/S Anton in Warnemünde

Früher selbst als Fischer zur See gefahren, erzählt der dänische Skipper Knud Andersen, wie enttäuscht er von den Ergebnissen der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen war und die Idee für dieses Projekt entstand. „Wir empfanden die mangelnden Ergebnisse des Gipfels als großes Fiasko, wollten aber nicht aufgeben.“ Mit seinem kleinen dänischen ökologischen Verein „Lebendige See“, der einen Fokus auf Meeresschutz und praktische Fischerei legt, möchte er mit Küstenbewohnern weltweit ins Gespräch kommen. „Wir müssen Lösungen finden. Es ist nicht die Schuld der Flüchtlinge, wenn die Dinge falsch laufen. Wir tragen mit unserer Lebensweise auch eine Verantwortung“, sagt Knud Andersen und weist auf die Auswirkungen der CO2-Emissionen und des Land- und Sea Gabbings der Industriestaaten gerade in den Ländern Afrikas hin.

Die Ausstellung auf dem Flüchtlingsboot Anton ist während der Warnemünder Woche täglich von 14:00 bis 20:00 Uhr am Liegeplatz 28 am Alten Strom geöffnet. Besucher sind eingeladen, sich näher über Ursachen und Folgen der Flüchtlingsströme zu informieren und sich an der Diskussion über Handels-, Flüchtlings- und Entwicklungspolitik zu beteiligen.

Zusätzlich gibt es ein Begleitprogramm:

  • 04.07.2015, 14 Uhr, Kirche Warnemünde
    Ausstellungseröffnung
  • 06.07.2015, 20 Uhr, Kirche Warnemünde
    Vortrag: „… da haben wir es nicht mehr ausgehalten“ – Warum Menschen alles hinter sich lassen,
  • 07.07.-09.07.2015, 10 Uhr bis 14 Uhr, Alter Strom
    Workshop „Flüchtlingsleben weltweit und hier“ für Schulklassen
  • 07.07.2015, 20 Uhr, Kirche Warnemünde
    Filmvorführung: Die Piroge, Senegal/Frankreich 2012 (OmU)
  • 09.07.2015, 20 Uhr, Kirche Warnemünde
    Vortrag: Was hat Fisch mit Flucht zu tun? – Hintergründe zu Fluchtursachen, Referent: Francisco Mari, Brot für die Welt
  • 10.07.2015, 19 Uhr, Kirche Warnemünde
    Internationaler Gottesdienst mit der Evangelischen Studierendengemeinde Rostock

Das Projekt des dänischen Vereins „Lebendige See“ wird in Kooperation mit Brot für die Welt, dem Mecklenburgischen Kirchenkreis, Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche, der Evangelischen Studierendengemeinde und dem Kirchlichen Entwicklungsdienst durchgeführt.

Schlagwörter: Alter Strom (104)Asyl (27)Warnemünde (911)Warnemünder Woche (66)

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