Grabmal von Friedrich Witte im Lindenpark erneuert

Rostocker Verschönerungsverein übergibt Grabobelisken des Rostocker Unternehmers und Pharmazeuten

25. Oktober 2011, von
Herbstliche Allee im Lindenpark
Herbstliche Allee im Lindenpark

Goldene Blätter, die vom Wind durch die engen Alleen segeln, machen einen Spaziergang durch den Lindenpark jetzt im Herbst besonders reizvoll. Hier und da kommt man an einem alten Grabmal vorbei. Es sind fast 80 auf dem etwa 17 Hektar großen Gelände. Sie zeugen von der Vergangenheit des Parks als Begräbnisstätte. Denn 1831 als erster kommunaler Friedhof Rostocks angelegt, wurden hier bis 1959 Bestattungen durchgeführt. Mit Ablauf der letzten Ruhefristen begann 1979 die Umgestaltung des Alten Friedhofs zu einem öffentlichen Park und die Grabflächen wurden beräumt.

Heute wissen Jogger, Spaziergänger mit und ohne Hund und spielende Kinder den Park am Saarplatz zu schätzen. Für seine Pflege ist das Amt für Stadtgrün zuständig, das 2010 ein umfassendes Sanierungskonzept für die Grünanlage entwickelt hat, welches den verbliebenen Grabdenkmälern besondere Beachtung schenkt.

Seit einigen Jahren bekommt das Amt ehrenamtliche Unterstützung vom Verschönerungsverein zu Rostock. Der Tradition eines gleichnamigen Vereins im 19. Jahrhundert folgend, haben seine 27 Mitglieder sich vor allem dem Erhalt und der Verschönerung von Grünanlagen und Gärten in Rostock verschrieben. Ausgangpunkt und wesentlicher Schwerpunkt ihres Engagements ist der Lindenpark.

Dr. Annegret Witte und Hannes Rother bei der Übergabe des erneuerten Grabobelisken von Friedrich Witte im Lindenpark
Dr. Annegret Witte und Hannes Rother bei der Übergabe des erneuerten Grabobelisken von Friedrich Witte im Lindenpark

Dank einer Spende von 10.000 Euro der Rostocker Kaufmannsköste konnte der Verein den Grabobelisken des 1893 verstorbenen Rostocker Unternehmers und Pharmazeuten Friedrich Witte nun erneuern lassen. „Der Obelisk ist alt und stand ursprünglich an anderer Stelle. Im Zuge der Umgestaltung zu einem Park ist er in den heutigen Bereich versetzt worden, wobei der alte Sockel verloren ging. Es gibt Fotos von vor 1980, die zeigen, dass auch das alte Medaillon weg war,“ beschreibt Hannes Rother, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, den vorherigen Zustand. Nun wurde der Obelisk restauriert. Die Firma Steinmetzhaus hat ihn wieder mit einem Sockel versehen, aufgebaut und gereinigt. Das neue Medaillon wurde vom Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich angefertigt. Das Profilporträt Friedrich Wittes lehnt sich eng an die Gestaltung des Originals an, das von Frederick Roth, einem amerikanischen Verwandten der Familie, geschaffen wurde.

Heute nun wurde das erneuerte Grabmal unter Anwesenheit der Urenkelin Dr. Annegret Witte aus Duisburg der Öffentlichkeit übergeben. „Ich freue mich und ich denke, auch er würde sich sehr freuen, dass jetzt wieder so etwas Schönes an ihn hier in Rostock erinnert.“

Friedrich Witte auf dem Medaillon des Rostocker Bildhauers Wolgang Friedrich
Friedrich Witte auf dem Medaillon des Rostocker Bildhauers Wolgang Friedrich

Doch wer war eigentlich Friedrich Witte? Friedrich Witte wurde 1829 in Rostock geboren. Nach der Ausbildung als Apotheker verkaufte er die alte Hirschapotheke seines Vaters, um mit dem Erlös in Rostock die chemische Fabrik Friedrich Witte in der Schnickmannstraße zu gründen, wo heute immer noch der Wittespeicher seinen Namen trägt. Er entwickelte hier Verfahren zur Herstellung von Coffein, Pepsin und Peptol und exportierte seine pharmazeutischen Produkte weltweit.

Neben seinen unternehmerischen Tätigkeiten engagierte sich Friedrich Witte auch politisch. Er gehörte der national-liberalen Bismarckpartei an und war über viele Jahre lang kaufmännischer Senator in Rostock und Reichstagsabgeordneter.

Wie ein intensiver Briefwechsel bezeugt, pflegte Friedrich Witte bis zu seinem Lebensende eine besondere Beziehung zum Dichter Theodor Fontane. Die beiden hatten sich in Berlin in der polnischen Apotheke kennengelernt, wo Witte Lehrling und Fontane Provisor waren. Die beiden verband ihr gemeinsames Interesse für Literatur. Diese Verbindung wurde intensiviert, als sich Friedrich Witte und seine Frau Anna um die einzige Fontane-Tochter Martha kümmerten, die sie oft in das Rostocker Familienhaus in der Lange Straße einluden.

In seinem Tagebuch schreibt Fontane über Witte nach dessen Tod: Er war „ein ganz ausgezeichneter Mensch, von seltener Integrität und großer Güte.“

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