Das Grunzmobil in Rostock

Ins Abseits gestellt: Aktivisten der Albert Schweitzer Stiftung wollen über Massentierhaltung und Fleischkonsum aufklären

16. November 2011, von
Das Riesenrad auf dem Neuen Markt steht schon für den Weihnachtsmarkt 2011
Das Riesenrad auf dem Neuen Markt steht schon für den Weihnachtsmarkt 2011

Es ist nicht mehr zu übersehen. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür – die Konsumhochzeit des Jahres. In den Supermarktregalen liegen ja schon seit den Sommermonaten Weihnachtsleckereien aus. Bald werden auch wieder die fetten Weihnachtsbraten auf den Tellern serviert. Nach und nach werden die Häuser mit Tannengrün und Weihnachtskugeln geschmückt. Auch die Rostocker Innenstadt macht sich bereit für den traditionellen Weihnachtsmarkt, der am 26. November offiziell eröffnet wird. Das Riesenrad auf dem Neuen Markt steht schon. An der Fischerbastion und in der Kröpeliner Straße werden Fahrgeschäfte, Verkaufsstände und Bratwurstbuden aufgestellt.

Da bleibt kein Platz für das Grunz-Mobil der Albert Schweitzer Stiftung, das heute und morgen in Rostock Station macht und über Massentierhaltung und Fleischkonsum informieren will. Am Steintor hat die Rostocker Versammlungsbehörde dem Kleintransporter mit Anhänger einen Stellplatz zugewiesen. Eine riesige Schweinefigur auf dem Dach des Anhängers ragt unübersehbar bis in fünf Meter Höhe. Wer sich dem Mobil nähert, hört qualvolles Geschrei von Schweinen, Puten und anderen Tieren aus der Massentierhaltung. Auf einer Videoleinwand erscheinen die dazugehörigen Filme mit Bildern aus Mastanlagen und Schlachthöfen, die viele Betrachter nicht unbeeindruckt lassen dürften. Doch interessierte Besucher bleiben aus. Kaum einer kommt am Grunzmobil vorbei. Bis auf ein paar Fahrgäste der Straßenbahn und wenige Passanten ist der Platz leer.

Das Grunzmobil der Albert Schweitzer Stiftung vor dem Steintor in Rostock
Das Grunzmobil der Albert Schweitzer Stiftung vor dem Steintor in Rostock

„Normalerweise stehen wir in der Fußgängerzone und hätten auch in Rostock die Kröpeliner Straße bevorzugt. Wir möchten Menschen erreichen, das ist an dem Standort leider nicht gegeben“, kommentiert Carsten Halmanseder von der Albert Schweitzer Stiftung. Vorzeitig bricht er die Aktion ab, auf der Suche nach einem geeigneteren Platz. Morgen soll das Grunzmobil von 11 bis 19 Uhr an der Langen Straße 23 in Richtung Marienkirche stehen.

Die Albert Schweitzer Stiftung setzt sich seit dem Jahr 2000 gegen die industrialisierte Massentierhaltung und für die Stärkung der vegetarischen Idee ein. Der geschäftsführende Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung Mahi Klosterhalfen erklärt:„ Das Problem ist, dass die Tierhaltung in Deutschland Dimensionen und (tierquälerische) Zustände erreicht hat, die von der breiten Mehrheit der Gesellschaft abgelehnt werden. Uns geht es darum, den Menschen zu zeigen, wie sie es vermeiden können, die Massentierhaltung zu unterstützen. Das will ja eigentlich niemand, doch wir tun es fast alle durch unser Kaufverhalten. Die Lösung ist, dass wir die tierquälerischen Zustände mit Messer und Gabel abschaffen, indem wir vermehrt oder vollständig vegetarisch / vegan essen. Das ist viel einfacher und schmackhafter als es sich die meisten Menschen vorstellen.“

Auf seiner Tour durch rund 100 deutsche Städten informiert das Grunzmobil über Formen der Tierproduktion, gibt Tipps zur vegetarischen Lebensweise und sammelt Unterschriften gegen quälerische Massentierhaltung. „Ziel ist es, 50.000 Unterschriften zu sammeln, damit wir eine offizielle Petition in den zuständigen Bundestagsausschuss einbringen können. Wir sind auf einem sehr guten Weg und werden unser Ziel voraussichtlich im Frühjahr 2012 erreichen“, sagt Mahi Klosterhalfen.

Schlagwörter: Essen (24)Protest (10)

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2 Kommentare

  • Jochen Fincke sagt:

    Wenn die Menschheit sich nicht selbst und in Bälde zum Schafott bringen will, dann muss sie ihre Essgewohnheiten überdenken. Aber Blindheit ist eben nicht nur eine Frage des Nichtsehens. Die Massentierhaltung ist eines denkenden und fühlenden Menschens unwürdig. Mehr gibt es eigentlich hierzu nicht zu sagen. Es sei denn, man ist Politiker, unwissend oder verdient an der Sache.

  • Hans Kolpak sagt:

    Selbst wenn alle Menschen in Deutschland Produkte aus der Massentierhaltung verschmähen, weil sie erkennen, daß in verfaulendem Fleisch nicht ein einziges „Stück Lebenskraft“ ist und Milch perfekte Kälbernahrung ist, dann bleibt immer noch der Export. Der teuflischen Versuchung, stinkende Mastfabriken im dünnbesiedelten Mecklenburg-Vorpommern anzusiedeln, können viele Politiker und Unternehmer aus Deutschland und den Niederlanden nicht widerstehen.

    Das dünn besiedelte Bundesland mit hohen Arbeitslosenzahlen und vielen Hartz-IV-Empfängern, vielen Ruheständlern und viel Abwanderungen in andere Bundesländer ist offensichtlich ein Eldorado für Fleischfabriken, die so viel stinkende Gülle produzieren, wie sie im Umkreis von 20 Kilometern nicht auf Wiesen und Feldern verteilt werden kann. Hier wird aus Gülle Gold auf Kosten der Steuerzahler. Diese extreme Art behördlich tolerierter Umweltverschmutzung ist ein ganz besonderer Dreck, angereichert mit Rückständen der pharmazeutischen Industrie, mit denen die Tiere vollgestopft werden.

    Hans Kolpak
    Deutsche ZivilGesellschaft

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