Castor-Transport nach Lubmin über Rostock?

Anti-Atom-Aktivisten halten Mahnwache vor dem Rostocker Hauptbahnhof

15. Dezember 2010, von
Anti-Atom-Protest: Mahnwache vor dem Rostocker Hauptbahnhof
Anti-Atom-Protest: Mahnwache vor dem Rostocker Hauptbahnhof

Ein Zug mit vier Castor-Behältern rollt auf unser Bundesland zu. Gestern Abend ist er aus dem südfranzösischen Aix-en-Provence losgefahren.

Hoch radioaktive Brennstäbe, die zuvor in der Atomanlage Cadarache aufgearbeitet wurden, sollen damit transportiert werden. Insgesamt handelt es sich wohl um 52 Brennstäbe vom ehemaligen Atomfrachter „Otto Hahn“ und 2000 bis 3000 Brennstäbe aus dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe. Ziel ist Lubmin bei Greifswald, wo das hoch radioaktive Material eingelagert werden soll.

Nach aktuellen Berichten wird der Zug wahrscheinlich die Strecke über Schwerin und Stralsund nehmen und damit auch über Rostock fahren, bevor er am Donnerstag sein Ziel im vorpommerschen Seebad erreichen soll.

Protestplakat gegen den Castor-Transport nach Lubmin vor dem Rostocker Hauptbahnhof
Protestplakat gegen den Castor-Transport nach Lubmin vor dem Rostocker Hauptbahnhof

Vor dem Rostocker Hauptbahnhof haben bereits gestern Abend Aktivisten vom Rostocker Atomnetzwerk und dem AntiAtombündnis NordOst ihr Zelt aufgeschlagen. Mit einer Mahnwache wollen sie ihren Unmut gegen die Atompolitik der Bundesregierung ausdrücken und gegen die Castor-Transporte protestieren.

Ganz allgemein geht es ihnen aber auch darum, das Wort Demokratie mit Leben zu füllen. „Wir wollen im öffentlichen Raum deutlich machen, dass Demokratie etwas ist, was uns alle angeht. Nicht nur wir, sondern auch Generationen nach uns werden durch die Entscheidung einiger Weniger beeinflusst“, sagt Rebecca Südmersen.

„Es geht mir nicht darum, dass wir lokalpatriotisch sagen, wir wollen keinen westdeutschen Müll in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wollen den Castor-Transport zum Anlass nehmen, um deutlich zu machen, dass wir mit der Energiepolitik der Bundesregierung absolut nicht einverstanden sind. Wir fordern, dass die Atomkraftwerke abgeschaltet werden und auf 100 Prozent erneuerbare Energien umgestellt wird,“ bekräftigt die 25-Jährige Rostockerin.

Daniel Schmidt und Rebecca Südmersen nehmen an der Mahnwache teil
Daniel Schmidt und Rebecca Südmersen nehmen an der Mahnwache teil

Auch Daniel ist mit der Politik der Bundesregierung unzufrieden: „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Meinungen der Menschen berücksichtigt werden. Deshalb müssen wir laut sagen, was wir wollen,“ kritisiert der 28-jährige Bildungsreferent.

Trotz frostiger Temperaturen und Schnee verharren die Aktivisten auf dem Konrad-Adenauer-Platz vor dem Rostocker Hauptbahnhof aus. Mit weit sichtbaren gelb-schwarzen Plakaten und in Gesprächen wollen sie Passanten auf das Thema aufmerksam machen und dafür sensibilisieren.

Anti-Atom-Protest vor dem Rostocker Hauptbahnhof
Anti-Atom-Protest vor dem Rostocker Hauptbahnhof

Dass sie damit diesen Castor-Transport nicht aufhalten werden, ist ihnen durchaus bewusst. „Die Mahnwache direkt kann natürlich nicht viel ändern, aber wir wollen präsent sein und zeigen, dass wir nachhaltig für unsere Mitmenschen sorgen wollen,“ so der Atomkraft-Gegner.

Bereits in den vergangenen Tagen und Monaten haben die umstrittenen Castor-Transporte Proteste und Demonstrationen hervorgerufen. Auch in Rostock wurde mehrmals Atom-Alarm ausgerufen.

Heute soll der Zug mit den Castor-Behältern die deutsche Grenze passieren und am Donnerstag in Lubmin eintreffen. Mehrere Protestaktionen sind auf der etwa 1500 Kilometer langen Strecke geplant. Begleitet wird der Transport von einem Großaufgebot an Polizeikräften und Sicherheitsmaßnahmen.

Welchen Weg der Zug genau nehmen wird, wird aus taktischen Gründen erst kurzfristig entschieden. Der Castor Ticker informiert in regelmäßigen Abständen über den Aufenthalt des Zuges.

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