Hansa Rostock unterliegt dem Erzrivalen St. Pauli mit 1:3

Trotz früher Unterzahl gelang Hansa Rostock im hitzigen Nordderby durch Mintal der Ausgleich, bevor Saglik den Sieg für St. Pauli mit einem Doppelpack klar machte

19. November 2011, von

Das Nordduell zwischen Hansa Rostock und St. Pauli sorgte heute für ausverkaufte Ränge in der DKB-Arena. 24.200 Zuschauer, darunter etwa 2.400 Pauli-Anhänger, verfolgten das Spiel der beiden Traditionsvereine.

Bevor Schiedsrichter Guido Winkmann die Partie anpfeifen kann, muss Pauli-Keeper Philipp Tschauner erstmal seinen Torraum von den zugeworfenen Bananen befreien – es sollte nicht die letzte unschöne Szene seitens der Fans bleiben.

Björn Ziegenbein - hier gegen Pauli-Torhüter Philipp Tschauner - zeigte ein gutes Spiel, für einen Treffer reichte es jedoch nicht
Björn Ziegenbein - hier gegen Pauli-Torhüter Philipp Tschauner - zeigte ein gutes Spiel, für einen Treffer reichte es jedoch nicht

Hansa startet selbstbewusst ins Spiel, bereits in der 3. Minute kann Björn Ziegenbein nach einem Freistoß von Michael Blum den ersten Torschuss abgeben. Dieser wird jedoch abgefälscht und auch aus der anschließenden Blum-Ecke können die Rostocker keinen Gewinn ziehen. Vier Minuten später erwischt Ziegenbein das Leder nach einer schönen Ablage von Marek Mintal nicht richtig – der Ball geht am rechten Pfosten vorbei.

In der 8. Minute sorgt Hansa-Youngster Tom Weilandt, der heute den angeschlagenen Mohammed Lartey ersetzt, für eine spielentscheidende Szene. Zusammen mit Pauli-Kapitän Fabio Morena steigt der 19-Jährige zum Kopfball auf, nimmt dabei jedoch den Ellenbogen zu Hilfe und trifft Morena im Gesicht.

Für diesen dummen und völlig unnötigen Ellenbogencheck sieht Weilandt zu Recht die Rote Karte. Fast die komplette Partie müssen die Gastgeber mit dezimierter Mannschaft auf dem Rasen auskommen, die Planungen von Trainer Peter Vollmann sind damit schon früh hinfällig.

Tobias Jänicke (Hansa Rostock) im Zweikampf mit Fabian Boll (St. Pauli)
Tobias Jänicke (Hansa Rostock) im Zweikampf mit Fabian Boll (St. Pauli)

Aus der Überzahl kann St. Pauli zunächst keinen Vorteil ziehen, Hansa spielt weiter überraschend offensiv und zeigt sich immer wieder in der gegnerischen Hälfte. Besonders Ziegenbein möchte es heute wissen und sucht immer wieder den Abschluss, so in der 19. Minute, als er eine Mintal-Flanke an der rechten Torraumgrenze volley nimmt, den Kasten jedoch verfehlt.

Nachdem die erste halbe Stunde herum ist, werden die Gäste stärker. Nach einem Zuspiel von Kevin Schindler kommt der Ex-Rostocker Fin Bartel in der 31. Minute aus knapp zehn Metern zum Schuss, verfehlt jedoch das Hansa-Tor. Drei Minuten später scheint der am rechten Pfosten völlig frei stehende Markus Thorandt selbst so überrascht davon zu sein, dass die von Dennis Daube getretene Ecke zu ihm kommt, dass er den Ball nicht unter Kontrolle bekommt.

Noch gefährlicher wird es in der 39. Minute auf der anderen Seite, als Robert Müller nach einer tollen Flanke von Ziegenbein das Führungstor für die Rostocker auf dem Fuß hat. Aus drei Metern scheitert er jedoch an dem glänzend reagierenden Pauli-Schlussmann Tschauner. Dominic Peitz bekommt den Abpraller, findet jedoch keine Lücke mehr und die Aktion wird zum Bumerang.

Nach einem schnellen Konter über Max Kruse, Fin Bartes und Deniz Naki versenkt Kruse das Leder fast vom Elfmeterpunkt im Kasten der Rostocker – der neunte Saisontreffer des Torjägers vom Kiez.

Nach dem Zünden von Pyrotechnik wird die Partie zwischen Hansa Rostock und St. Pauli für zehn Minuten unterbrochen
Nach dem Zünden von Pyrotechnik wird die Partie zwischen Hansa Rostock und St. Pauli für zehn Minuten unterbrochen

Was folgt sind unschöne Szenen auf den Rängen. Als erst bei den Pauli-Anhängern Knaller und bengalische Feuerwerke gezündet werden und anschließend Leuchtraketen aus dem Hansa-Block folgen, wird das Spiel für zehn Minuten unterbrochen.

Nach der Wiederaufnahme passiert in der ersten Hälfte nicht mehr viel, ein Distanzschuss von Pavel Kostal geht knapp über den Querbalken und beendet die ersten 45 Minuten. Mit dem Stand von 0:1 verabschieden sich sie Mannschaften in die Halbzeitpause.

Marek Mintal gelingt gegen St. Pauli der Ausgleich für Hansa Rostock
Marek Mintal gelingt gegen St. Pauli der Ausgleich für Hansa Rostock

Trotz Unterzahl zeigt sich Hansa nach dem Wiederanpfiff weiterhin engagiert und offensiv. Nach einer Flanke von Blum kann Torhüter Philipp Tschauner den Schuss von Müller zwar noch abwehren, bekommt den Ball jedoch nicht zu fassen. ‚Phantom‘ Marek Mintal lässt sich diese Chance nicht entgehen und versenkt das Leder aus vier Metern zum durchaus verdienten Ausgleich für die Rostocker.

Nach einem tollen Doppelpass zwischen Mintal und Ziegenbein hat Ziege freie Bahn und scheitert in der 63. Minute erst an Florian Bruns. Auf der anderen Seite geht ein Schuss von Kruse kurz darauf über die Latte. Ansonsten passiert nicht viel – bis zur 80. Minute.

Zehn Minuten vor Spielende gibt es einen Freistoß für St. Pauli. Bruns bringt diesen von der rechten Strafraumecke zentral vors Rostocker Tor, von wo der eingewechselte Mahir Saglik die Gäste mit einem Kopfballtor erneut in Führung bringt.

Nach der Niederlage gegen St. Pauli steht Hansa auf dem Relegationsplatz - Trainer Peter Vollmann wirkt nachdenklich
Nach der Niederlage gegen St. Pauli steht Hansa auf dem Relegationsplatz - Trainer Peter Vollmann wirkt nachdenklich

Hansa versucht noch einmal alles, entsprechend viel Platz bleibt hinten. In der Nachspielzeit nutzt Pauli seine Konterchance. Holst steht zwar für den herausgelaufenen Müller im Tor, kann den zweiten Treffer von Saglik jedoch nicht verhindern – mit 1:3 geht das Nordderby zu Ende.

St. Pauli kann sich nach dem Dreier in Rostock vorerst auf den 3. Tabellenplatz schieben und unterstreicht damit seine Aufstiegsambitionen. Hansa Rostock rutscht hingegen im Kampf um den Klassenerhalt auf den Relegationsplatz ab.

Spannend wird es in der DKB-Arena bereits am kommenden Freitag wieder – dann ist der 1. FC Union Berlin bei Hansa Rostock zu Gast.

Tore:
0:1 Max Kruse (40. Minute)
1:1 Marek Mintal (50. Minute)
1:2 Mahir Saglik (80. Minute)
1:3 Mahir Saglik (90+1. Minute)

Aufstellung, FC Hansa Rostock:
Kevin Müller (Torwart)
Peter Schyrba (Tobias Jänicke, ab 68. Minute), Pavel Kostal, Matthias Holst, Sebastian Pelzer (Kapitän; Stephan Gusche, ab 88. Minute)
Robert Müller, Dominic Peitz
Björn Ziegenbein, Tom Weilandt (Rote Karte in der 8. Minute), Michael Blum
Marek Mintal (Lucas Albrecht, ab 72. Minute)

Fotos: Joachim Kloock

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3 Kommentare

  • torsten pingel sagt:

    Aus Rostocker Sicht ein sehr geschönter Bericht. Besonders was die Geschehnisse um das Spiel herum anbelangt. Dem Pauli-Keeper wurden keine Bananen zugeworfen, er wurde wiederholt mit allem möglichen (bis hin zur Kornflasche), aber hauptsächlich Bananen beworfen, wie auch die anderen Paulispieler. Es gab ständige Verbrennungen von Paulidevotionalien, Hass-Gesänge „Deutsche wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli“. Nachdem im Pauliblock 1 Bengalo entfacht wurde, wurde der gesamte Block von zwei Seiten mit mindesten 5 Leuchtspurraketen bzw. Geschossen samt Krachern beschossen, dies geschah unter dem Applaus von tausenden HRO-Anhängern.

  • Uwe sagt:

    Mir als Hansa-Fan sind diese Dinge mehr als zuwider und wir überlegen uns wirklich, ob wir nächste Woche überhaupt noch zum Union-Spiel gehen sollen.

    Rivalität? Klar! Derby? Toll! Kampf auf dem Rasen? Na, und ob! Spannungsgeladene Ränge? Unbedingt! Der Rest? Nein, danke!

    Ich finde das Bewerfen von Spielern (und dass man beim Ausführen einer Ecke von Ordnern mit Schirmen geschützt werden muss) noch viel schimmer als die Pyrotechnik.

    Nur wäre es am Millerntor nicht anders gewesen (Stichwort: Bierbecher) bzw. wird es im nächsten Jahr nicht sein – leider! Denn außer Strafen, die die Falschen treffen, und vielen Worten passiert (fast) nichts – bis zum nächsten Mal!

  • Roger sagt:

    Jeder Besucher muß sich zuvor als Fan im jeweiligen Vereins-Fan-Club personalisieren lassen. Nur personalisierte Besucher dürfen Spiele besuchen. Das wäre der erste Schritt in eine sportlich orientierte Fussballzukunft.

    Ich bin aus diesem Grund schon lange kein Fan mehr, obwohl es sicher schade ist.

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