Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ in der HMT

„Ich hab‘ in Penna einen Liebsten wohnen …“

19. März 2010, von

Italienisches Liederbuch an der HMT Kennen Sie Hugo Wolf? Nein? Paul Heyse vielleicht? Auch nicht? So wie vermutlich viele Rostocker, habe auch ich diese Fragen verneinen müssen. Zum Glück bietet die Hochschule für Musik und Theater (HMT) derzeit die Möglichkeit, diese Bildungslücke zu schließen. Und nicht nur das.

„Ich hab‘ in Penna einen Liebsten wohnen …“ – unter diesem Motto luden Studenten und Professoren am Donnerstag zur Premiere in den Katharinensaal der HMT.

Das „Italienische Liederbuch“ galt es gestern auf die Bühne zu bringen, ein nach Gedichten von Paul Heyse geschaffener Liederzyklus Wolfs.

Julia Marie Kähne, Eva Marie Pausch und Frieder Post Eine große Herausforderung für alle Mitwirkenden, enthält das Liederbuch doch Stücke mit außerordentlich hohem Anspruch an die Sangeskünstler und die sie begleitenden Pianistinnen. Der Liederzyklus gliedert sich grob in den „Prolog“, die „Wechselspiele“, den „Abschied“, den Liedern zu „Dichtung und Wahrheit“ und den „Epilog“. Wer hätte gedacht, dass man 53 Lieder in etwa 90 Minuten vortragen kann?! Darüber hinaus will die Rostocker Darbietung einer einstudierten Choreographie folgen. Ob das gelingt?

Licht aus. Spot an.

Pianistinnen Jing Li & Sefuri SumiDie Bühne: Schwarzer Boden, bunte Würfel in den Nationalfarben Italiens. Fünf Frauen singen zum Auftakt das Titelstück. Die vier Männer folgen ihnen im zweiten Lied. Die Gesänge rühren mich, die Inszenierung überrascht und lässt mich an den Wendungen im Liederreigen leicht teilhaben. Es sind Lieder vom Finden der Liebe, von der Enttäuschung aufgrund verschmähter oder verloren gegangener Liebe, Lieder der Wut, der Trauer und der Freude. Schnell wird mir klar, worum es hier geht. Gefühle, die wohl jeden Menschen tief im Inneren regen.

Soldat (Jae Sung An) und traurige Geliebte (Misato Mochizuki) Die beiden Pianistinnen spielen fein nuanciert, manchmal auch kraftvoll. Dabei flankieren sie die Szenerie, so dass ich mal von links und mal von rechts ein Piano vernehme. Oft übernimmt Eines, wenn der letzte Ton des Anderen gerade verklingt.

Diesem Wechselspiel unterwerfen sich auch die Sängerinnen und Sänger. Hier ein Solo, dort ein Duett. Danach ein Terzett, Quartett. Wolfs Liederbuch bietet eine Fülle an Variationen. Wechselnde Standorte der Sängerinnen und Sänger. Rufe schallen aus unterschiedlichen Ecken.

Regisseur Reinhard Schau „Silenzio!“ Rief da nicht gerade Regisseur Reinhard Schau? Huch! Hinter mir hebt eben eine zarte Frauenstimme an zu singen. Der ganze Raum wird einbezogen, das Publikum ist mittendrin. Unmittelbar.

Die eigentlich karge Bühne wandelt sich immerfort. Gerade noch ein Haus, bilden die „italienischen Würfel“ kurz darauf ein Pult, dann wieder eine trennende Mauer.

Die Würfel auf der Bühne werden für das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Paare genutzt, einer spielt sogar Schicksal. Wie der wohl fällt?

Mit traumwandlerischer Sicherheit gelingt es den Rostocker Studenten am Premierenabend, mich mitzunehmen auf diese emotionale Reise. Ihre Stimmen bieten eine Vielfalt an Klangfarben, ihr Gesang ist facettenreich und von hohem Niveau. Alle sind durchweg auch als einzelne Charaktere in ihren Rollen überzeugend.

„Ich hab‘ in Penna einen Liebsten wohnen …“ an der HMTKurzweilig ist die Inszenierung, viel zu schnell sind die 90 Minuten im Katharinensaal vorbei. Am Ende gab es lang anhaltenden verdienten Applaus für die Rostocker Studentinnen und Studenten, den Regisseur Reinhard Schau und dessen Assistentin Anne Krey sowie für alle am Erfolg der Aufführung beteiligten Musiklehrer und Techniker.

Wer die Premiere verpasst hat, kann die überaus gelungene Aufführung noch am 20. und 21. März jeweils um 19:30 Uhr in der HMT genießen.

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