Jörg Schwanz & Manfred Chladek - Möbel & Akte

Aktzeichnungen und Möbelobjekte am Alten Markt

22. Januar 2010, von
Jörg Schwanz & Manfred Chladek - Galerie am Alten Markt
Jörg Schwanz & Manfred Chladek - Galerie am Alten Markt

Die Galerie am Alten Markt dürfte der Leserschaft spätestens seit der Ausstellung von Britta Naumann und Anne Sewcz bekannt sein, die gleichzeitig ja auch den Abschied von Galeristin Helga Manowski bedeutete. Unter einer neuen Leitung existiert die Kunstgalerie im Schatten der imposanten Petrikirche aber nach wie vor. Auch in Zukunft werden hier junge und regionale Künstler Platz für Verkaufsausstellungen finden und so vom Rostocker Kunstverein unterstützt werden.

Außergewöhnliche Möbelskulptur von Jörg Schwanz
Außergewöhnliche Möbelskulptur von Jörg Schwanz

Zur Debüt-Ausstellung unter der neuen fachlichen Leitung darf die Galerie trotz städtischer Sparmaßnahmen im neuen Glanz erstrahlen. Innerhalb eines einzigen Tages wurden nach langer Zeit endlich die Wände neu gestrichen und die Fenster professionell gereinigt – möglicherweise gleichzeitig auch ein symbolischer Akt der Erneuerung. Der Galerie tut es jedenfalls gut und den Besuchern gefällt, was sie sehen.

Und zu sehen gibt es diesmal eine Menge außergewöhnlicher, gewöhnungsbedürftiger aber auch sehr ästhetischer Kunst. In der neuen Ausstellung werden noch bis zum 27.02.2010 Aktzeichnungen zusammen mit Möbelobjekten zu sehen sein. Was auf den ersten Blick eine seltsame Kombination ergibt, ist bei genauerem Betrachten eine harmonische und stimmige Mischung, ja fast schon eine Verwandtschaft.

Jörg Schwanz & Manfred Chladek - Ausstellungseröffnung
Jörg Schwanz & Manfred Chladek - Ausstellungseröffnung

Die feierliche Ausstellungseröffnung fand wie gewohnt am Freitagabend statt. Viele Gäste der Rostocker Kunst- und Literaturszene sind zu diesem Anlass erschienen und haben sich von der zurückkehrenden Kälte nicht abschrecken lassen. Mein erster Eindruck? Ich bin erst einmal etwas überrascht – der Anblick von Aktbildern und teils anstößigen bunten Skulpturen überrumpelt mich doch schon ein wenig.

Zum Glück liegen die Preislisten zur Information auf dem Tresen bereit. Es werden also 23 Aktzeichnungen von Manfred Chladek ausgestellt, die alle von „Akt 01“ bis „Akt 23“ namentlich unkreativ durchnummeriert sind zwischen 480 und 720 Euro kosten, pro Stück natürlich. Daneben gibt es außerdem noch 8 Skulpturen des Künstlers Jörg Schwanz mit abenteuerlichen Titeln wie „DNA“ oder „Hastda malichtda“, die sich allerdings allesamt in einer etwas höheren Preislage befinden.

Musikalische Umrahmung
Musikalische Umrahmung

Während ich noch darüber nachdenke, welche Wünsche ich mir von dem Geld einer einzigen der bunt lackierten Skulpturen erfüllen könnte, wird auch schon zur Eröffnungsrede gerufen. Die Rede an sich ist eher unspannend, aber die Objektkunst hat es mir schon irgendwie angetan.

Jörg Schwanz hat bereits als kleiner Junge gern Nägel in Holzstücke gehauen, von diesem Material kam er auch später nie ganz los. Nach der Tischlerlehre kam das Studium zum Innenarchitekten, welches ihn ebenfalls nachhaltig geprägt hat. Seine Möbelobjekte sind sowohl zum Sehen als auch zum Ertasten gedacht. Man sieht Liebe und Triebe, Einsamkeit, Verträumtheit und Unmut – einfache Möbelstücke wurden mit feinem Witz aber sehr deutlich zur Veranschaulichung menschlicher Züge neu definiert.

Möbelskulptur und Akte
Möbelskulptur und Akte

Die Eröffnungsrede wird mit 40er-Jahre Swing aus der Oboe aufgelockert, ein Saxophon steht ebenfalls bereit und verspricht noch einiges an Unterhaltung. Auf ein köstliches Buffet, wie ich es noch vom letzten Mal in Erinnerung habe, müssen wir leider verzichten. Die Aktzeichnungen in Kombination mit Möbelskulpturen gibt es noch bis Ende Februar zu besucherfreundlich geänderten späteren Öffnungszeiten in der Galerie am Alten Markt zu sehen.

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1 Kommentar

  • Manfred Chladek sagt:

    „Namentlich unkreativ durchnummeriert“

    Was nützt einem Betrachter ein Titel wie z. B. „sitzender Akt mit verträumtem Blick“, liegende mit verschränkten Beinen“.
    Ein Objekt eine Figur reduziert auf das Wesentliche, das ist das Faszinierende an einer Zeichnung. Mit wenigen Strichen eine Geste, eine Haltung, eine Empfindung darzustellen.

    Das biete ich einem Betrachter und der kommt damit zurecht.

    Viele hervorragende abstrakte Maler betiteln ihre Werke bewusst nicht um dem Betrachter eigene Interpretationen zu ermöglichen. Vielleicht auch ein Zeichen von Demokratie nicht alles genau zu deklarieren und vorzukauen. Viele Werke mit schwülstigen Titeln können sich scheinbar nicht durch künstlerische Qualität behaupten.

    Mit besten Grüßen aus Wiesbaden
    Manfred Chladek

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