Karat-Biographie - Lesung und Musik in Rostock

Karat stellen Band-Biographie in der Thalia-Buchhandlung Rostock vor

8. Mai 2010, von

Karat-Fans bei Thalia in Rostock Ich hatte mich am Mittwoch, wie eh und je, früher als nötig auf den Weg zu meinem abendlichen Termin gemacht. Da hat man mehr Zeit, um in Ruhe den Ort des Geschehens auszukundschaften und kriegt allermeistens einen guten Platz in den vorderen Reihen, dachte ich jedenfalls. Diesmal war alles ein wenig anders. Als ich die Thalia-Buchhandlung in der Breiten Straße erreichte und mich von der tollen Rolltreppe in den ersten Stock bugsieren ließ, erkannte ich gleich, dass ein Platz in den vorderen Reihen wohl kaum mehr zu ergattern war. Und das, obwohl ich schon eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung erschien.

Karat bei Thalia Tja, das lag wohl an den Hauptakteuren des Abends. Das waren allerdings nicht etwa Dichter oder gar Literaten. Nein, es handelte sich um die Musiker der wohl bekanntesten Ostrockband „Karat“. Und die vielen bereits vor mir angereisten Leute, die da schon saßen und aufgeregt mit einander plauderten, das waren also vermutlich eingefleischte, echte, hundertprozentige, „wir geben alles um dabei zu sein“ Fans.

Ich fand gerade noch einen Platz in der sechsten Reihe und sah den Thalia-Mitarbeitern beim Aufbau der Tontechnik zu. Bis irgendwann – alle Fans jubelten – „Karat“ und Christine Dähn erschienen.

Christine Dähn Die TV- und Hörfunkjournalistin war in der DDR Moderatorin beim allseits bekannten Jugendradiosender „DT64“ und Fernsehmoderatorin beim MDR. Nun hat sie zum 35-jährigen Bandjubiläum der Ostrocker einen ansehnlichen Text-Bildband vorgelegt. Gegenstand des Werkes ist die Geschichte der Musiker. Doch diese kommen im Buch auch selbst zu Wort.

Die Moderatorin stellte zunächst alle Bandmitglieder vor. Anschließend lenkte sie die Aufmerksamkeit des Publikums auf den heutigen Sänger, Claudius Dreilich.

Claudius Dreilich Er hatte 2005 die gesangliche Nachfolge seines Vaters, Herbert Dreilich, angetreten. Herbert war am 12. Dezember 2004 infolge eines Krebsleidens gestorben.

„Musstest du sehr viel üben? Oder hast du alles aus dem Ärmel geschüttelt?“, fragte Christine Dähn den Sänger. Es sei nicht leicht, die Lieder von Karat zu singen und auf ein langes Gesangsstudium könne er auch nicht zurückblicken, sagte Claudius. Doch er habe sehr sehr viel geübt und geprobt. Im Buch wird der erste Auftritt von Claudius mit Karat geschildert. Dabei kommen seine ganz persönlichen Gedanken und Gefühle zum Ausdruck. Vor allem der Stolz auf den Vater und die tiefe Verbundenheit zu ihm ließen ihn in der Band ein neues Zuhause finden.

Claudius Dreilich, Karat Vor dem Beginn seiner Zeit mit Karat war er Manager bei IKEA. Damit er aber „nicht wie ein IKEA-Mann auf der Bühne steht“, wie Christine Dähn es ausdrückte, ist Michael Schwandt, Schlagzeuger der Band, mit Claudius durch die angesagten Berliner Independent-Clubs getourt. Dabei sollte der ehemalige Manager lernen, wie man sich so natürlich wie möglich auf der Bühne bewegt. Beim Konzert einer nordischen Band sahen die beiden einen Sänger in ekstatischer Inbrunst die Scheinwerfer von der Decke reißen. Claudius damals zu Michael: „Also ich kann mir nicht vorstellen, dass ich beim Schwanenkönig irgendwie versuche, eine Lampe herunterzureißen.“ Anekdoten wie diese sollten noch den ganzen Abend für Amüsement und Frohsinn sorgen.

Gute Stimmung brachten überdies mehrere Gesangseinlagen der Band. Sie sangen ihre Lieder jedoch ganz ohne die bei Konzerten übliche technische Verzerrung der Instrumente und Stimmen. Das klang viel uriger, natürlicher und weitaus mehr als nur lagerfeuerverdächtig.

Bernd Römer Bernd Römer, Gitarrist bei Karat, erzählt im Buch von einem Vorspiel beim berühmten Horst Krüger, Rockmusiker, Bandleader und Komponist in der DDR. Bernd reparierte zu diesem Zeitpunkt noch Radiogeräte in Erfurt und glaubte, das Vorspiel auf der exquisiten Gitarre Horst Krügers in Ost-Berlin verpatzt zu haben. Dem war natürlich nicht so. Und so stand der musikalischen Karriere des Gitarristen nichts mehr im Wege.

So ging das nun weiter. Musikalische Einlagen, selbsterzählte Anekdoten der Musiker und von Christine Dähn vorgelesene Textstellen aus der Biographie ergaben ein abwechslungsreiches, stimmungsvolles wie auch poetisches Abendprogramm.

Martin Becker Martin Beckers Einberufung in die Armee, seine Versetzung nach Eggesin im Landkreis Uecker-Randow und die dort erlebten Eindrücke waren Themen einer weiteren Textstelle des Buches. Während der dienstfreien Zeiten spielte er mit anderen Musikern Keyboard im Kulturhaus. Das war der Beginn seiner musikalischen Laufbahn. Auch vom privaten Klavierunterricht während der Schulzeit erzählte Martin Becker. Sein strenger Lehrer hätte ihm, als sich seine Neigung zur Pop- und Jazzmusik offenbarte, „beinahe mal den Flügeldeckel auf die Finger geschlagen“, sagte er. Martin spielte bei „Tutti-Paletti“, der Matthias-Lauschus-Band und in der Begleitband Frank Schöbels. Seit 1992 ist er bei Karat. Der frühe Klavierunterricht wird dieser Karriere wahrlich nicht geschadet haben.

Claudius Dreilichs Vater, Herbert Dreilich, bleibt unvergessen. In Gedenken an ihn sangen die Jungs „Uns zwingt keiner auf die Knie“. Ein Lied, das Herbert liebte und  sie ihm seit seinem Tod auf unzähligen Konzerten gewidmet hatten. Das Publikum war inzwischen schon soweit „aufgewärmt“, dass es klatschte, jubelte und mitsang. Konzertstimmung machte sich also breit.

Christian Liebig „Christian ist ein Mann des Blues“, erklärte Christine Dähn. Der Bassist war Mitglied der ostdeutschen Bluesrockband „Engerling“. Was es mit seinem sogenannten „Liege-Pass“ auf sich hatte, beschrieb die Moderatorin ausführlich in der Karat-Biographie.

Da er sich in der DDR für die Kirche und die Umwelt engagiert hatte, galt er in den Augen von Polizei und Staatsmacht nicht gerade als „Tugendritter“. Deshalb erhielt er einen „Liege-Pass“. Das war aber nur die Vorstufe eines richtigen Reisepasses. Und so verpasste Christian ein wichtiges Konzert mit Karat in der BRD. Die Band ließ Christian jedoch nicht im Stich und irgendwann wurde der „Liege-Pass“ zum gängigen Pass umfunktioniert. Von da an konnte auch Christian mit der Band im Ausland auftreten, was ihn sehr glücklich machte.

Michael Schwandt Christine Dähn: „Micha, wann hast du angefangen Musik zu machen?“. Michael Schwandt: „Relativ spät, mit 18 Jahren erst.“ Im Buch ist die Rede von Michaels Eignungsprüfung an der Hochschule für Musik in Weimar. Er glaubte damals, nicht angenommen zu werden. Die Dozenten lobten allerdings sein Können, prophezeiten jedoch, dass er stets wird hart arbeiten müssen, um sich dieses Talent zu bewahren.

Michael erzählte, dass sie Recht gehabt hätten und er auch heute noch viel proben und üben müsse. Das habe eben damit zu tun, dass er erst so spät angefangen habe, Musik zu machen, erklärte er. Seine unverwechselbare und großartige Begabung auf dem Schlagzeug stellt er gleichwohl bei jedem Konzert unter Beweis.

Karat in Rostock Am Ende des Abends hielt die Jungs von Karat wie auch das Publikum nichts mehr auf den Sitzplätzen und die Buchhandlung verwandelte sich in einen kleinen aber feinen Konzertsaal. Bei „Über sieben Brücken“ konnte sogar ich mitsingen. Hätte ich können, wenn ich der Generation meiner Eltern angehören würde. Die Fans waren auf jeden Fall vollkommen „aus dem Häuschen“ und auch der Band sah man das Vergnügen aus den Augen blitzen.

Das war eine Lesung der etwas anderen Art. Sehr unterhaltsam, musikalisch, lustig, interessant und abwechslungsreich. Als dann auch noch bekannt gegeben wurde, dass die Bücher gerne noch signiert werden, wurden diese förmlich aus den Regalen „gerissen“. Ich konnte geradeso noch so zwei volle Regalreihen fotografieren.

Karat-Biographie Zum 35-jährigen Bestehen der Band erscheinen in diesem Jahr nicht nur das Album „Weitergehn“ und die Band-Biographie von Christine Dähn. Es wird überdies eine Jubiläumstour und eine DVD über die Band geben. Ein kleiner Tipp für die Fans aus Rostock und Umgebung: Karat werden auch zur Hansesail in diesem Jahr wieder in der Hansestadt sein und hier auftreten.

Als ich die Buchhandlung verließ, drängten sich noch viele Fans um die Band. Karat hatte sie an diesem Abend wieder einmal glücklich gemacht und ihre Herzen im Takt der Musik erwärmt. Das machte auch mich irgendwie froh und ich hatte viel zu erzählen, als ich nach Hause kam.

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