Knorkator auf Krücken zum Konzert

Kaputtes Bein zwingt Stumpen bei der „Mission Ü77“-Tour im M.A.U. still(er) zu halten

13. November 2011, von
Knorkator im M.A.U - Mission Ü77
Knorkator im M.A.U - Mission Ü77

Bei Knorkator gehört das Außergewöhnliche mit zur Liveshow. Da werden schon mal Toastbrote in die Menge geworfen oder Gemüse mit einem Zerkleinerer in Richtung Publikum katapultiert. Auch das gestrige Konzert der Band im Rostocker M.A.U. Club lieferte gleich zu Beginn eine Überraschung, wenn auch etwas unschöner Art. Stumpen, seines Zeichens Sänger und hyperaktiver Hampelmann, betrat auf eine Krücke gestützt die Bühne. Was war passiert?

Erst im April waren die Musiker zuletzt in Rostock, damals als Teil der 77 Minuten Clubtour. Sie wollten sehen, ob sich nach der langen Bandpause überhaupt noch Leute für Knorkator interessieren. Die Resonanz war fantastisch, die Konzerte blitzschnell ausverkauft und die Tour war ein voller Erfolg. Im September erschien dann das neue Album „Es werde Nicht.“ Und nun ist die Kapelle wieder in ganz Deutschland unterwegs, um die Lieder auf Livetauglichkeit zu überprüfen.

Stumpen wird festgeklebt
Stumpen wird festgeklebt

Die Tour führte die Band gestern nach Bremen, wo sie im Jahr 2000 auch mit dem Lied „Ick wer zun Schwein“ am lokalen Vorentscheid zum Eurovision Songcontest teilnahmen. Sie schafften es jedoch nur hinter Stefan Raab und Corinna May auf Platz 4. Nun also wieder Bremen und wieder kann der Ort eine besondere Geschichte über die Musiker erzählen. Stumpen schildert den Vorfall in seinem Blog: „Ick weißet nich jenau, nur soweit, dassik Anlauf neem wollte und beim Übertreten eines dicken K Bels plötzlich ein ordentlicher Schmerz durch meine Wade zog und ick von da an nich mehr vernünftig laufen, jeschweige denn springen konnte.“ Trotzdem ging er danach noch nicht zum Arzt, weil er auf keinen Fall das Konzert in Rostock ausfallen lassen wollte.

So hieß es also Zähne zusammenbeißen und das linke Bein so gut es ging schonen. Aber die Krücke allein konnte die Energie des hyperaktiven Springteufels nicht bändigen. So wurde er von seinem Bühnenhelfer, nachdem er sich aus dem schwarz-weißen Latexganzkörperanzug gepellt hatte, mit Klebeband an eine Schaukel geklebt. Mitmusiker Alf Ator kommentierte: „Wenn wir das nicht machen würden, würde er den Schmerz vergessen und trotzdem ins Publikum springen.“ So durfte das Rostocker Publikum ein ganz besonders abgedrehtes Konzert erleben.

Knorkator auf "Mission Ü77" -Tour im M.A.U. Club
Knorkator auf "Mission Ü77" -Tour im M.A.U. Club

Denn auch wenn man merkte, dass Stumpen Schmerzen hatte, konnte er das Springen nicht lassen. An sein Trapez geklebt sprang und schwang er auf der Bühne umher, verteilte Fußtritte an Publikum und Mitmusiker und wirkte teilweise wie ein angeketteter Wachhund. Schreien und singen gingen zum Glück ohne Probleme, nur auf das typische Bad in der Menge musste der Berliner verzichten. Er selbst schrie: „Rostock, das was ich heute nicht tanzen kann, müsst ihr für mich übernehmen!“

So war die Stimmung das ganze Konzert über am Kochen. Der M.A.U. Club war rappelvoll, das Konzert war schon vor Wochen ausverkauft. Natürlich besteht Knorkator nicht nur aus Stumpen. Gitarrist Buzz Dee kam gewohnt mit Sonnenbrille und brennender Kippe auf die Bühne, Keyboarder und „musikalisches Gehirn“ Alf Ator stand an seinem Keyboardring, die Schlagzeugstöcker schwang Nicolaj Gogow und für den passenden Bass sorgte Rajko Gohlke.

Die neuen Songs kamen gut bei den Fans an. Zum Lied „Du nich“ wurde ein Video mit Zeichnungen gezeigt, die den Text verdeutlichen – im April war dazu noch ein Flipchart verwendet worden. Die Videowand wurde auch für „Arschgesicht“ verwendet. Das Lied wird auf der CD von Tim Tom, dem Sohn von Alf Ator gesungen. Da der Junge natürlich nicht mit auf Tour kann, wird sein Part per Video eingespielt.

Stumpen schreit
Stumpen schreit

Selbstverständlich wurden auch alte Songs der Band gespielt. Klassiker wie „Kurz und Klein“ (mit Circle Pit im Publikum), das schon angesprochene „Ick wer zun Schwein“, „Der ultimative Mann“ und „Weg nach unten“ sorgten für Begeisterungsstürme. Ebenso die knorkatorischen Coversongs. „Ma Baker“, im Original von Boney M, „Ain’t Nobody“ von Chaka Khan (der einzige Song, den Buzz Dee singen durfte) und „Highway to Hell“ waren im Programm. Bei Letztem setzte Stumpen einen Wikingerhut auf, der Funken sprühte.

Die Band war also Feuer und Flamme, sodass es nicht verwunderlich war, dass sich die Fans eine Zugabe erkauften. Die Musiker standen mit Fangnetzen auf der Bühne und das Publikum sollte Geldstücke und Scheine werfen. Viele Münzen trafen jedoch den oberkörperfreien Stumpen, der dies mit lauten Schmerzensschreien und Wutausbrüchen quittierte.

Fast alles wie immer also. Und weil es so schön war, hat die Band angekündigt, bald wieder nach Rostock zu kommen. Dann hoffentlich wieder mit einem gesunden Stumpen – ich wünsche ihm auf jeden Fall gute Besserung!

Weitere Fotos von der „Mission Ü77“-Tour im Rostocker M.A.U. Club

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1 Kommentar

  • Christian Zebe sagt:

    Hab mich mit dem Rostock-Konzert von Knorkator selbst beschenkt.
    Und war wohlends begeistert, auch wenn Sänger und Kasperkopp Stumpen schwer verletzt war, war die Stimmung bestens.
    Nur die Sicht war duch die Säulen des Mau Clubs etwas eingeschränkt.
    Es wirkte teilweise nur so, dass die vorderen Reihen mehr Spass hatten, als die hinteren.
    Trotzdem würde ich mir die Ausnahmeband, die live gespielt hat, auch wieder anschauen.
    Und die, die diese Industrial-Spassmacher noch nicht kennen, sollten sich auf alle Fälle ein Ticket sichern : neben Rammstein eine weitere Erfolgskombi aus dem Osten! Kult!

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