„Kunst in den Mai“ - 26. Rostocker Kulturwoche 2012

Theater, Lesung, Kunst und Musik begrüßen den Mai im Peter-Weiss-Haus

1. Mai 2012, von

Es muss nicht immer ein Tanz sein. Das bewies die Veranstaltung „Kunst in den Mai“ mit 250 Besuchern im letzten Jahr. Grund genug also, um auch bei der diesjährigen Kulturwoche wieder das Peter-Weiss-Haus einzunehmen und ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zu bieten. Wie im letzten Jahr gab es Musik und Theater, neu hinzu kamen eine Kunstinstallation von Jörg Schulze und eine Lesung der Gruppe Weisz auf Schwarz.

Waschlappen im Schleudergang
Waschlappen im Schleudergang

Den Anfang machten Thomas Linke und Erik Malter mit ihrem literarischen Kabarett-Theaterstück „Waschlappen im Schleudergang.“ Es begleitet den Protagonisten Tom auf der Reise zum Grund von Bierflaschen, wo er versucht, den Sinn des Lebens zu finden. Das Ganze ist eine Gratwanderung zwischen Klamauk, Anspielungen auf Literatur und Medien und philosophischen Fragestellungen. Den Ursprung hat das Stück tatsächlich im Ursprung. Dort gewannen sie mit einer Kurzfassung des Textes 2010 den Poetry Slam. Es kam zwar nicht jeder Wortwitz beim Publikum an, insgesamt gab es aber viele Lacher und Applaus im Anschluss.

David aus Rostock
David aus Rostock

Extra für das Stück war Azubi David aus Rostock ins Peter-Weiss-Haus gekommen. „Ich muss gestehen, ich war noch nie hier, aber es gefällt mir echt gut und das Haus ist eine coole Location.“

Von der Lesung und der Kunstinstallation bekam er nur am Rande etwas mit, dafür begeisterte ihn das Theaterstück umso mehr. „Die Veranstaltung schafft einen gelungenen Übergang zwischen Kultur, Musik und gemütlichen Beisammensein mit Freunden“, urteilt der 23-jährige Rostocker.

Steffen Dürre und Martin Badenhoop
Steffen Dürre und Martin Badenhoop

In einem Seitenteil des Hauses hatte sich die Gruppe Weisz auf Schwarz einquartiert. „Uns wurde gesagt, wir sollen irgendwas machen, also haben wir entschieden, aus dem Sperrmüll zu lesen“, erklärte Martin Badenhoop, einer der Redakteure der Literaturzeitschrift. Zusammen mit Steffen Dürre präsentierte er das Tagebuch der Rosemarie Rockel, das sie tatsächlich im Sperrmüll fanden. Neben der Lesung sorgten vor allem die Unsicherheiten und Einschübe der Vortragenden für Belustigung im Publikum. Wer jedoch eine anspruchsvolle Lesung erwartete, wurde enttäuscht.

“That time, that place, this here” - Kunst in den Mai bei der 26. Kulturwoche
“That time, that place, this here” - Kunst in den Mai bei der 26. Kulturwoche

Im Möckelsaal gab es die Videoinstallation „That time, that place, this here“ von Jörg Schulze zu sehen. Auf einer Leinwand und zwei Monitoren wurden zwei Arbeiten von Samuel Beckett rezipiert und auf begleitenden Texten etwas genauer erklärt. Das war auch nötig, denn ohne Vorwissen wirkte die Videoschleife doch eher verstörend. Mit dem Hintergrund, dass es sich um eine kritische Auseinandersetzung mit Identität und Erinnerung handelt, konnte man die Intention des Künstlers wenigstens zum Teil verstehen.

„Es ist wichtig, dass man bei Kunst nicht immer alles verstehen muss“, erzählt Caroline Heinzel vom AStA. Sie hat die Veranstaltung mitorganisiert und war mit der Resonanz der 300 Besucher sehr zufrieden: „Der Mix kommt gut an, Kompliziertheit trifft auf Genuss.“

Analogik aus Dänemark im Peter-Weiss-Haus
Analogik aus Dänemark im Peter-Weiss-Haus

Auch wenn die Veranstaltung „Kunst in den Mai“ hieß, durfte zum Schluss auch getanzt werden. Das Musikerkollektiv „Analogik“ aus Dänemark sorgte dabei für den richtigen Groove. Die Musik der vier Männer kam fast komplett ohne Stimmbeteiligung aus, ihre Instrumente sprachen für sich. Gitarren, Blasinstrumente und Synthesizer sorgten für eine spannende Mischung, die immer wieder an Filmmusik der 70er-Jahre erinnerte. Es war sehr lustig zu beobachten, wie die anfängliche Skepsis im Publikum umschlug. Erst wurde grimmig geschaut, dann genickt und am Ende wurde getanzt und gelacht.

Mit „Kunst in den Mai“ ist die 26. Rostocker Kulturwoche auch schon fast zu Ende. 6500 Besucher waren insgesamt dabei. „Es passen immer noch mehr Leute rein, aber das Ergebnis ist natürlich nicht schlecht“, resümierte Veranstalter Daniel Karstädt. Den Schlusspunkt setzt heute Abend ein Samba-Schnupperkurs mit Movimento in der Halle 4 in der Erich-Schlesinger-Straße.

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3 Kommentare

  • Steffen Dürre sagt:

    Na wenigstens hat uns die Lesung Spaß gemacht. Dem Rezensenten ist das Konzept der Lesung nicht ganz klar geworden. Unsicherheiten von unserer Seite gab es eigentlich nicht. Rockel ist Literatur, was sonst.

    Liebe Grüße

    S.

  • stego sagt:

    muss azubi david zustimmen: war ein hammer abend. fands allerdings schade, dass die kabaretttüren so streng verriegelt wurden. wir haben gleich das erste stück wegen einer sehr gewissenhaften türwärtin verpasst. würde mir für das nächste mal vom veranstalter wünschen, dass wieder mehr fluktuation zwischen den einzelnen stationen erlaubt wird, ähnlich wie bei früheren veranstaltungen. kein diss – ein anstoß. sonst war alles rund. weiter so!

  • Vassago sagt:

    Ein Anstoß vom Veranstalter: Zum Theater sollte man rechtzeitg erscheinen. Es ist auch woanders üblich, dass der Saal während der Vorführung geschlossen wird. Die Schauspieler haben dies auch explizit gewünscht. Es stört schon sehr, wenn Leute rein und raus laufen.

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