„Kunst in den Mai“ - 24. Rostocker Kulturwoche 2011

Im Peter-Weiss-Haus begeistern das Schauspiel „UBU Roi“ und die Band Dikanda

1. Mai 2011, von

Die 24. Kulturwoche hat begonnen. Und für die traditionelle Walpurgisnacht hat sich das Team um Organisator Daniel Karstädt etwas Besonderes ausgedacht. Unter dem Motto „Kunst in den Mai“ war im Peter-Weiss-Haus eigentlich ein Kunstbasar der Galerie auf Zeit geplant, abgerundet von dem kurzen Theaterstück „UBU Roi“ und dem Auftritt der Band Dikanda. Eigentlich deshalb, weil die titelgebende Galerie kurz vor Veranstaltungsbeginn abgesagt hatte. Trotzdem hatten die Besucher einen fantastischen Abend.

Schauspiel "UBU Roi"
Schauspiel "UBU Roi"

Den Anfang machten Anja Willutzki, Tino Kühn, Thomas Lettow, Axel Meier, Luise Sachse und Samira Hempel von der Hochschule für Musik und Theater. Im Rahmen des Wettbewerbs „HMT-Interdisziplinär“ hatten die sechs Studenten aus den Bereichen Musik, darstellendes Spiel und Schauspiel das Theaterstück „UBU Roi“ von Alfred Jarry inszeniert. Damit erreichten sie auch den zweiten Platz. Da die Gruppe immer noch auf der Suche nach Aufführungsmöglichkeiten ist, kam die Anfrage von der Kulturwoche natürlich wie gerufen.

Vater und Mutter UBU
Vater und Mutter UBU

Hauptfigur in dem Stück ist der mürrische und etwas übergewichtige Vater UBU. Um seinen Lebensstandard weiter halten zu können, heckt er mit seiner Frau Mutter UBU den Plan aus, den König umzubringen und selbst auf dem Thron Platzzunehmen. Was folgt, ist eine lustige und absurde Kettenreaktion. Er selbst wird zu einem schlechten Herrscher, es kommen Pläne auf, ihn zu stürzen, er versucht diesen mit Krieg zuvorzukommen und fällt am Ende seiner Machtgier zum Opfer.

Kunst in den Mai im Peter-Weiss-Haus
Kunst in den Mai im Peter-Weiss-Haus

Das alles haben die sechs Studenten äußerst clever inszeniert. Den Anfang machte schon die Bühne, die aus vier großen beweglichen Elementen bestand, die wie ein Kreuz aufgebaut waren. Darauf fanden zwar die meisten Aktionen statt, aber auch am Rande passierte einiges. So kamen Musik und Soundeffekte nicht vom Band, sondern wurden live eingespielt. Und auch die Zuschauer durften mitmachen. So war es das Publikum, welches den König mit gezielten Ballwürfen umbrachte.

Am Ende ernteten die Akteure lang anhaltenden Applaus und verbeugten sich mehrmals. Die Zeit, in der umgebaut wurde, nutzten die meisten Gäste für ein Getränk im Freigarten des Peter-Weiss-Hauses. Nach etwa einer halben Stunde war dann alles wieder soweit hergerichtet und die Band Dikanda betrat die Bühne.

Dikanda bei der Kulturwoche
Dikanda bei der Kulturwoche

Dikanda sind drei Männer und drei Frauen aus Polen, die Folkmusik machen. Auf dem Flyer des Abends wurden sie mit „Weltmusik von Balkan bis Indien“ angekündigt und tatsächlich passte das auch ganz gut. Denn der Gesang der Frauen, gemischt mit Akkordeon, Gitarre, Geige, Kontrabass und Perkussionsinstrumenten war sehr vielfältig. Mal erinnerte alles an die Musik eines Bollywoodfilms, mal kam man sich vor wie auf einem polnischen Volksfest.

Kunst in den Mai mit Dikanda
Kunst in den Mai mit Dikanda

Obwohl wohl kaum einer der 250 Gäste die Texte verstand, wurde doch mitgeklatscht, getanzt und gefeiert. Dabei war die Stimmung auf der Bühne wie ein Funke, der die Massen davor in Brand setzte. Den Ansagen von Frontfrau Ania Witczak zufolge, ging es häufig um Männer und um Leidenschaft. Die Frauen hätten aber auch von Möbelstücken singen können und die Stimmung wäre trotzdem super gewesen.

Besonders bejubelt wurde ein altes, polnisches Volkslied im neuen Gewand. Darin gehe es um ein Mädchen mit blauen Augen, dem geraten wird, nicht zu lange am Fluss stehen zu bleiben, da dieser sonst die Augen mitnehmen würde. Anschließend verließen die Musiker die Bühne und wurden von den Zuschauern noch zu einer Zugabe aufgefordert, die auch nicht verwehrt wurde.

Sandra Krüger
Sandra Krüger

Sandra Krüger war begeistert von dem Abend. „Die Band war geil, das Theater war geil, aber irgendwie hätte es noch etwas runder sein können.“ Die Studentin mochte das Stück, besonders weil es so „kurz und knackig“ war und die Inszenierung einfach super war. Und auch das Konzert fand sie super, nur fehlte ihr ein richtiger Zusammenhang. „Zwar spielt das Stück in Polen und die Band kommt von da, aber man hätte da sicher noch mehr machen können“, merkte sie an.

Und auch wenn die Band bis um 24 Uhr auf der Bühne stand und somit förmlich auch den Mai begrüßte, gab es im Anschluss noch eine After-Show-Party in Helgas Kitchen, wo der neue Monat dann auch ausgiebig gestartet werden konnte.

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