„Kunst offen“ in Rostock

Wo man den Künstlern in Rostock über die Schultern schauen kann

25. Mai 2010, von

Pfingsten und die Aktion „Kunst offen“ gehören in Mecklenburg Vorpommern zusammen und das nun schon seit 15 Jahren. Ich erinnere mich gern, wie wir früher bei schönstem Frühlingswetter mit dem Rad über die Dörfer fuhren zu den Ateliers der bildenden Künstler, die in der Abgeschiedenheit der ländlichen Idylle ihrem Metier nachgehen. In diesem Jahr will ich den Künstlern in Rostock über die Schultern schauen. So versprechen es zumindest die Organisatoren vom Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin e.V. und vom Verband Mecklenburgische Ostseebäder e.V.

Galerie Möller in Warnemünde Es ist Pfingstsonntag. Die Sonne lacht wärmend vom fast wolkenlosen Himmel, ideales Strandwetter. Ich beschließe, nach Warnemünde zu fahren. Dort sind auf dem Informationsblatt der Aktion zwei Anlaufpunkte verzeichnet. Zuerst geht es in die Galerie Möller. Schon von Weitem erkenne ich sie an dem gelben Kunst-offen-Schirm über der Tür. Zu sehen sind Grafiken von Helena Bergenrud und Keramiken von Antje Halter. „Kann man denn den Künstlern hier auch über die Schultern schauen?“ frage ich den Mann am Tresen. „Nein unsere Künstlerinnen kommen aus Schweden und Halle. Wir stellen nur ihre Werke aus. Hier sind sie jedoch nicht.“ Schade.

Svetlana Shanurenko Mein nächstes Ziel ist als Atelier ausgewiesen. Ob ich hier einen Künstler an seiner Arbeitsstätte finden kann? Als ich in der Tür stehe, werde ich darüber informiert, dass es keine Ausstellung gäbe und dass man sich im Haus auch nicht erklären könne, warum sie im Programm für Kunst offen auftauchen. Also wieder kein Künstler. Ich mache mich enttäuscht auf den Heimweg.

Als ich über die Brücke am Alten Strom schlendere, entdecke ich Svetlana Shanurenko. Sie hat ihre Pinsel und Farben ausgepackt, um ihre Eindrücke vom Warnemünder Treiben auf Papier zu bringen. Neben ihr liegen ein paar ihrer Aquarelle, auf denen vor allem Landschaften abgebildet sind. Endlich habe ich eine Malerin gefunden und ganz offen unter freiem Himmel.

Wittespeicher Am nächsten Tag, Pfingstmontag, nehme ich mir die Rostocker Innenstadt vor. Eine dicke Wolkendecke hat sich über die Stadt gezogen aus der leichter Regen fällt. Beim Lesen des Kleingedruckten im Programmheft bemerke ich, dass am letzten Tag der Aktion Kunst offen in der Rostocker Innenstadt gerade mal eine Ausstellung geöffnet ist. Im Wittespeicher können zwölf macrophotographische Exponate ohne Rahmen betrachtet werden, die im Jahre 2002 für eine Ausstellung zum Thema Microkosmos einer Glasperle entstanden sind. Die Künstlerin selbst bleibt unbenannt und ungesehen.

Porzellanwerkstatt Petra Benndorf Trotz Regen laufe ich weitere Ateliers, Werkstätten und Galerien ab. Doch überall sind die Türen geschlossen. Als ich in der Bahnhofstraße an der Tür der Porzellanwerkstatt von Petra Benndorf klingel, wird mir unerwartet geöffnet. Ich darf eintreten in eine wunderschöne Ausstellung mit Malereien von Grit Sauerborn und Objekten und Gefäßen aus Porzellan von Petra Benndorf. In der oberen Etage kann ich mir sogar den Arbeitsplatz anschauen. Ich erkundige mich, ob man die Künstlerin in den letzten beiden Tagen an der Drehscheibe beobachten konnte. „Nein,“ lautet die Antwort: „Wir hatten so viele Besucher hier. Das wäre gar nicht möglich gewesen.“ Nachdem ich mir alles anschaut habe, wird mir empfohlen zum Alten Markt zu gehen. Dort hätte eine Galerie ganz neu eröffnet und befände sich deshalb noch gar nicht auf der gedruckten Kunst-offen-Liste.

galerie marjungfru Gesagt, getan, auf zur „galerie marjungfru“. Hier erlebe ich nun alles so, wie ich es mir vorgestellt habe: die Tür ist offen und das Ambiente einladend. Von acht Künstlern wurde eine vielfältige Sammlung zusammengetragen, unter anderem Malerei, Grafik und Buchillustrationen von Klaus Gumpert, Schmiedekunst von Marcus Grosser, Keramik von Tom Giertz, Porzellan und Keramik von Tonio Schmidt, Kerzendesign von Manuela Werk und Ölmalerei von Marko Bennin. Ein Künstler ist sogar selbst anwesend. Tino Langrock zeigt seine Malereien, Unikatschmuck und Skulpturen. Er hat gerade darüber nachgedacht zu schließen. Aber nun holt er doch noch seine schwedische Schnitzaxt heraus, stellt seinen Sägebock nach draußen und zeigt mir, wie er an seinen Holzfiguren arbeitet.

Besucher in der „galerie marjungfru“ Inzwischen sind weitere Besucher in die Galerie gekommen. Bei einem Kaffee plaudern sie mit dem Künstler über die Ausstellungstücke. Es sind Kenner. Sofort identifizieren sie die Glasarbeiten von Andre Max Werner Blumberg aus Kühlungsborn. „Diese Stücke wurden extra für uns angefertigt. Wir möchten das Besondere ausstellen,“ erklärt Tino Langrock.

Ja, hier kann man wirklich auf Kunst und Künstler zugehen, das Schöne und Ungewöhnliche betrachten und in einer kreativen Umgebung mit dem Kunstschaffenden ins Gespräch kommen. Das ist „Kunst offen“. Als ich die Galerie verlasse und mich auf den Heimweg mache, hat der Regen aufgehört und die Abendsonne streckt noch einmal ihre Strahlen durch die ziehenden Wolken.

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