12. Rostocker Kunstnacht 2012

Künstler laden in den Abendstunden zum Flanieren in die Östliche Altstadt

5. Mai 2012, von
Andreas Hedrich malt auf dem Hof in der Mühlenstraße 3
Andreas Hedrich malt auf dem Hof in der Mühlenstraße 3

Eine Ahnung vom Sommer lag gestern Abend über der Östlichen Altstadt. Zur 12. Rostocker Kunstnacht flanierten Hunderte Menschen durch den nahezu komplett durchsanierten ältesten Stadtteil Rostocks. Das Haus in der Mühlenstraße 3 bildet eine Ausnahme, eine Alternative, die sich wie im letzten Jahr als Besuchermagnet erwies. Viele genossen es auf dem Hinterhof, unter den alten Bäumen, bei Wein und Maibowle miteinander zu plaudern, bei „Cello on the Rocks“ fünf jungen Cellisten zu lauschen, den Zeichner Andreas Hedrich bei der Fertigstellung eines Wandbildes zu beobachten oder mit den beiden Clowns vom Theater Ufong zu lachen.

Daniela Boltres hat vor zwei Tagen ein Gastatelier im Schleswig-Holstein-Haus bezogen und beteiligte sich mit der Wort-Klang-Installation "Body Check" an der Kunstnacht 2012
Daniela Boltres hat vor zwei Tagen ein Gastatelier im Schleswig-Holstein-Haus bezogen und beteiligte sich mit der Wort-Klang-Installation "Body Check" an der Kunstnacht 2012

Aber auch anderswo strömten die Besucher neugierig durch die offenen Türen der Galerien, Ateliers und Werkstätten rund um Petri- und Nikolaikirche. Einige Lokale und Geschäfte nutzten die Kunstnacht ebenfalls, um mit Gemälden, Livemusik oder anderen Kunstbonbons die Nachtschwärmer anzulocken.

Blaue Luftballons wiesen die Kunstnachtbesucher an 27 Orte, wo sie kostenfrei überwiegend bildende Kunst, Design und Kunsthandwerk, aber auch Musik, Lesung und Schauspiel erleben konnten.

Landschaften, Porträts, Abstraktes – Witziges und Wohlgeformtes, viel Vertrautes, war zu sehen, eher selten rüttelten die Künstler mit ihren Werken an Gewissheiten.

Fotografien von Janet Zeugner
Fotografien von Janet Zeugner

Besonders beeindruckten die fotografischen Arbeiten von Janet Zeugner und Malereien von Grit Sauerborn der Ausstellung „Du auch, bist schön“ im Haus Böll. Mit seinen fantasievollen und filigranen Scherenschnitten überzeugte Christof Chciuk in der oberen Etage des französischen Restaurants Albert & Emile. Gut kam auch die konzeptionelle Arbeit „Der Weltenregler“ von Felix Fugenzahn an. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern der Galerie auf Zeit präsentierte er seine Arbeit an der Stadtmauer am Fuße der Petrikirche, wo es bei Musik, Getränken und Buttonproduktion sehr gesellig zuging. Auch durch leichte Regentropfen zwischendurch ließen sich die Kunstliebhaber nicht vertreiben.

Anklang fand auch die Ausstellung von Judith Siegmund im Kunstverein. „Die braucht aber mehr Zeit. Da komme ich lieber später noch einmal wieder. Im Moment ist es mir zu voll“, sagte ein Besucher, der sich lieber in Ruhe den Fotografien und Texten widmen möchte.

Kontemplativer Kunstgenuss ist in der Rostocker Kunstnacht eher selten möglich. Groß war der Trubel, auch in diesem Jahr. „An jedem Abend müssten hier so viele Leute durchpilgern“, zeigte sich ein Einwohner begeistert von dem großen Kunstinteresse. Allerdings, so seine Einschätzung, nach vielen vorherigen Kunstnachtbesuchen sei „der Anspruch in diesem Jahr ein bisschen lasch“. Nichtsdestotrotz hat auch er das eine oder andere Highlight für sich entdeckt.

Nadja Hallfahrt stellt in der Galerie ‚Le Garage‘ aus
Nadja Hallfahrt stellt in der Galerie ‚Le Garage‘ aus

Neu in diesem Jahr dabei war die kleine Galerie le Garage, die seit Ostern in der Pferdestraße zu finden ist. „Das war früher eine Garage. Nur weil wir kein Auto haben, soll der Raum nicht leer bleiben“, erzählt der Frankreichfan Andreas Schroeckh, der seit 15 Jahren in der Östlichen Altstadt und seit zwei Jahren im Haus wohnt. „Wir sind regelmäßig zur Kunstnacht gegangen. Das hat uns sehr gut gefallen. Da haben wir überlegt, ob wir auch was machen können mit diesem Raum“, erinnert sich der Kommunikationstechniker, der sich vom Viertel inspirieren ließ und nun mit seiner Frau die Galerie betreibt. Ausgestellt wird auf 25 Quadratmetern was gefällt: historisch anmutende Schwarz-Weiß-Fotografien, witzige Kunstdrucke, Poster mit Motiven aus der Popmusik und die an Street-Art und Comics angelehnten Illustrationen der 25-jährigen Tochter Nadja Hallfahrt. Auch andere junge Kreative sollen zukünftig die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeit hier zu präsentieren, so der Plan des Galeristen. Und auch zukünftig soll le Garage ein weiterer Anlaufpunkt bei der Rostocker Kunstnacht sein.

Schlagwörter: Galerie auf Zeit (7)Grit Sauerborn (5)Janet Zeugner (13)Kunstnacht (8)Nikolaikirche (42)Östliche Altstadt (63)

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2 Kommentare

  • Thron sagt:

    Es gab auch ein Kunstnachtprojekt der etwas anderen Art. Eine leise aber sehr komplexe Aktion wie ich finde.
    http://forschungsgruppe-kunst.blogspot.de/2012/05/das-experiment-aktivierung-des.html

  • H. Stark sagt:

    Mit freundlicher Empfehlung eine kleine Ergänzung: die Galerie wolkenbank hat exklusiv für die 12. Rostocker Kunstnacht (einen Tag vor der offiziellen Ausstellungseröffnung) das Künstlervideo „ART for a non-humen“ der Künstlerin Sabine Herrmann präsentiert. Diese Arbeit wurde 2011 im MoMA NY, weltweit eine der wichtigsten Kunstinstitutionen, gezeigt. http://artweeters.com/moma/4555
    Herzliche Einladung zur Ausstellung http://wolkenbank-galerie.de/ – Holger Stark

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