34. Landes-Pilzausstellung 2012 im Botanischen Garten

Giftig oder essbar? Pilzberater geben zum Start der Pilzsaison 2012 Tipps zum Sammeln und Zubereiten von Speisepilzen

30. September 2012, von
Arthur Frank (links): "Wenn Sie ein Merkmal nicht erkennen, dann bleibt der Pilz im Wald."
Arthur Frank (links): "Wenn Sie ein Merkmal nicht erkennen, dann bleibt der Pilz im Wald."

„Das ist die Linie zwischen Leben und Tod“- schärft Arthur Frank seinen Zuhörern ein. Er ist Pilzberater und weist die Besucher der 34. Landes-Pilzausstellung im Botanischen Garten der Universität Rostock auf den Manschettenring als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen den essbaren Stockschwämmchen und den Gifthäublingen hin. Die toxische Wirkung der Gifthäublinge ist mit den Grünen Knollenblätterpilzen vergleichbar. Die wiederum sind in ihrer frühen Wachstumsphase mit den beliebten jungen Champignons zu verwechseln, erklärt Mykologe Dr. Volkbert Kell anhand von anschaulichen Tafeln, die an diesem Wochenende Informationen rund um Pilze für die Besucher des Botanischen Gartens bereithalten. Auch die Kleinen werden bei der Landes-Pilzausstellung mit Spiel und Spaß an das Thema „Pilze“ herangeführt.

Fransiger Wulstling
Fransiger Wulstling

Das Herzstück der größten Pilzausstellung Norddeutschland sind natürlich die Pilze selbst. Eine Galerie mit etwa 250 Pilzarten wurde unter freiem Himmel aufgebaut. Am Donnerstag waren dafür fünf Pilzberater bis über 150 km ins Land ausgeschwärmt. Vor allem in der Nossentiner/Schwinzer Heide waren sie fündig geworden. „Die Rostocker Heide ist nicht so optimal“, weiß Volkbert Kell und empfiehlt für all jene, die in der Nähe von Rostock bleiben wollen, kleine Wälder wie den Hütter Wohld bei Parkentin oder die Letschower Tannen bei Schwaan.

Fast minütlich kommen weitere Exemplare zur Pilzsammlung hinzu. Die Besucher haben sie von ihren Wochenendausflügen in den Wald mitgebracht und lassen sie nun von den sieben Pilzberatern begutachten. „Viel ist ja nicht los mit den Pilzen. Vor allem Fliegenpilze und Boviste haben wir gesehen“, sagt die Pilzsammlerin Irene Wegner, die einige ihrer Fundstücke aus ihrem Korb Dietrich Mausolf vorzeigt. „Das Speisepilzangebot ist in diesem Jahr sehr mäßig. Wir hoffen auf Besserung in den nächsten Tagen“, sagt der Pilzberater.

Wetterstern
Wetterstern

Und auch Volkbert Kell muss feststellen: „Wir sind froh, dass es noch so viele geworden sind. Es wächst relativ wenig im Moment.“ „Es fehlen einige banale Sachen. Dafür sind wieder andere Seltenheiten dabei“, blickt er auf die zu einem großen Kreis gestellten Ausstellungstische voller verschiedenartiger Pilze, die von einer dichten Reihe Neugieriger erforscht werden. Etwa 4000 Besucher lockt die Pilzausstellung am Wochenende in den Botanischen Garten.

Zu den alljährlichen Attraktionen zählen klassische Speisepilze wie die Krause Glucke, Rotkappen, von denen ein besonders großes Exemplar zu sehen ist, oder auch die Riesenboviste, die auf einer Rinderkoppel am Fleesensee gewachsen sind. Nicht so häufig hingegen sieht man den Wetterstern, der sich bei Trockenheit sternförmig öffnet und bei Feuchtigkeit schließt. Auch der fransige Wulstling ist selten. Pilzberater Carsten Pätz konnte jedoch ein besonders stattliches Exemplar dieses Speisepilzes ausstellen.

Die Pilzausstellung ist besonders bei Großeltern und Enkeln beliebt. Hier beim gemeinsamen Basteln.
Die Pilzausstellung ist besonders bei Großeltern und Enkeln beliebt. Hier beim gemeinsamen Basteln.

Die ausgestellten Trüffel dürften Gourmets wohl nicht im Wald, sondern eher in einer Konfektdose finden. Ein Scherz, den sich die Pilzberater jedes Jahr erlauben, um die Aufmerksamkeit der Betrachter zu schärfen. Neu in diesem Jahr sind die Geruchsproben. Verblüffend wie sehr einige Pilze nach Knoblauch, Anis oder Instantbrühwürfel riechen.

Zahlreiche Tipps zur Ernte, Zubereitung und vor allem sicheren Erkennung von essbaren und giftigen Pilzen hatten die sieben Pilzberater wieder parat. Wer ihren Rat auch in den kommenden Wochen der Pilzsaison in Anspruch nehmen möchte, kann an folgenden Terminen im Botanischen Garten vorbeischauen:

  • 3. Oktober, 14 bis 18 Uhr, Dietrich Mausolf
  • 6. und 7. Oktober, 14 bis 18 Uhr, Horst Stascheit
  • 13. und 14. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Arthur Frank
  • 20. und 21. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Ria Bütow
  • 27. und 28. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Dr. Volkbert Kell

Mecklenburg-Vorpommern dürfte zu den Ländern mit den eifrigsten Pilzesammlern zählen. Insgesamt etwa 45 vom Gesundheitsamt geprüfte Pilzberater, die sich ihr Wissen durch jahrelange Erfahrung und ständige Weiterbildung  erworben haben, stehen hier mit ihrem Rat zur Verfügung.

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1 Kommentar

  • Filip sagt:

    Das klingt gut! Ich komme zwar aus Bayern, aber bei uns werden auch fleißig Pilze gesammelt. Je nach Gebiet sammeln wir hier vor allem Braunkappen, Pfifferlinge und Steinpilze, da kann man eigentlich nicht viel falsch machen :)

    Gruß
    Filip

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